Famose Klassiker

Jürgen Pfeiffer könnte auch in einer Sterneküche stehen, will er aber nicht. Stattdessen feiert er Klassiker

Text: Pascal Cames · Fotos: Michael Bode

Restaurants, die Bräukeller heißen, lassen an einen Bierkeller denken. Aber in Zell a.H. ist das anders. Der Bräukeller gehörte früher zu einem Hotel, das Wein, Bier, Speck lagerte. Das Gemäuer ist aber noch älter, 1768 steht irgendwo an der Wand. Aber kein Körnchen Staub ist zu sehen, stattdessen zeigt sich das erste Haus in Zell als ein aufgeräumtes, großes Backstein- und Steingewölbe mit einer guten Akustik. Eine Glaswand trennt Gastraum und Küche. Hier wurde schon Front-
cooking zelebriert, bevor das Wort erfunden wurde. In der Küche schafft der gebürtige Franke Jürgen Pfeiffer (einmal Franke, immer Franke, man hört’s ihm noch an), der seit seinen 20ern am Herd steht. Er kochte schon in Köln bei Franz Keller (Bruder von Fritz Keller), der Deutschlands Who’s who der (Küchen-)Prominenz begeisterte. Dort speiste auch mal ein gewisser Eckart Witzigmann.

Täglich etwas Neues

Danach hatte Jürgen Pfeiffer Lust, sein eigener Chef zu sein (Traube, Freiburg), später war sein Ziel ein Restaurant, das ihm ganz gehörte. Wie’s der Zufall wollte (aber gibt es Zufälle?), sind er und seine aus Zell stammende Frau dann hier gelandet. Jutta Pfeiffer arbeitete vormals in der Traube Tonbach. Ihr muss man auch nichts mehr vormachen. Was auf der Karte auffällt, sind die Klassiker (lieber Eintopf statt Bowl) und Fisch. Täglich steht ein Spezialgericht auf der Tafel, das die Speisekarte ergänzt. „Wenn die 20 Portionen (des Tagesessens) weg sind, sind sie weg.“ 

Wir starten mit einem Carpaccio, das untypischerweise mit einer Vinaigrette angerichtet ist. Wir schmecken hier nicht nur die typischen Aromen, sondern auch noch einen Hauch Trüffel heraus. Raffiniert! Auch die leuchtend rote Farbe des Fleischs begeistert. Nebenan werden zeitgleich gigantische Salatportionen aufgetragen. Nicht jeder kommt in den Bräukeller für ein Tellergericht oder ein Menü. Wurstsalat oder ein Salat mit gebratenen Hähnchenbrustscheiben (andernorts als Jogging-Salat auf der Karte …) sind sehr beliebt. 

Weiter: Meine Begleitung wählt einen gebratenen Seeteufel, ich wage mich an die Rouladen. Grundsätzlich habe ich beim Thema Rouladen Bedenken. Wo waren sie nicht zu trocken? Aber für diesen heißen Teller zünde ich ein Feuerwerk! Das Fleisch ist saftig und schmeckt wunderbar nach Zwiebeln, Speck und Gurken. Der Kartoffelbrei schmeckt klasse nach Kartoffeln; Möhrchen, Zuckerbohnen und Brokkoli haben genau die richtige Bissstärke. Das Rotkraut ist eine Wucht. Die Soße ist kräftig, also lecker.  Alles, was ich bereue, ist mein Getränk, denn es hätte ein Rotwein (Fritz Wassmer!) sein müssen und kein Bier aus Hornberg. Aber es ist so süffig! Nach dem Aperitif musste einfach noch ein zweites folgen. Zum saftigen Seeteufel und den Ravioli mit Pilzfüllung und einer stark reduzierten Soße wurde aber der passende Tropfen gewählt. Ein Weißer Burgunder trocken aus Ortenberg. Fisch muss schwimmen!

Kleiner ist feiner 

Ein Wort zur Weinkarte: Sie ist genauso übersichtlich wie die Speisekarte. Der Fokus liegt auf Baden, aber wer französisch oder italienisch trinken will, kommt auch auf seine Kosten. Wir beenden das Essen mit einer Crème brûlée mit Tonkabohne. Schnäpsle? Nein, es gibt zwar ein Dutzend zur Auswahl, aber ein Espresso tut’s auch. Kommen wir wieder? Auf jeden Fall, die Klassiker müssen probiert werden – und der Hopfengarten im Frühling getestet. Auf nach Zell!

Geschmack

Wie hat das Essen geschmeckt?

Preiswürdigkeit

Wie ist das Preis-Leistungs-Verhältnis?

Speisekarte

Wie ist die Auswahl der Speisen?

Getränkekarte

Wie ist die Auswahl der Getränke?

Innovationsgrad

Gab es Neues oder Überraschendes?

Ökologie

Wie viel Wert wird auf Nachhaltigkeit gelegt?

Ambiente & Aufenthaltsqualität

Sitzkomfort, Stimmung, Licht, Dekoration, Sauberkeit, Toiletten?

#heimat Schwarzwald Ausgabe 41 (6/2023)

Draußen herrscht Schmuddelwetter, drinnen herbstliche Gemütlichkeit. Was da nicht fehlen darf? Der richtige Lesestoff! Das sechste #heimat-Magazin des Jahres kommt also wie gerufen! In der letzten Ausgabe für 2023 liefern wir Euch jede Menge Wohlfühl-Themen, darunter die schönsten Weihnachtsmärkte, leckere Glühwein- und Plätzchenrezepte, Schwarzwald-Curling, Weihnachtsbäume mit flauschiger Überraschung und vieles mehr. Außerdem haben wir wieder mit interessanten Schwarzwälder Charakteren gesprochen, darunter auch ein waschechter Promi: Fritz Keller! Reinlesen lohnt sich!

Weitere tolle Artikel aus der #heimat

Hüben und drüben

Die Top-7 Weihnachtsmärkte in der Ortenau und im Elsass

Die Ortenau und das nahe Elsass haben jede Menge Weihnachtszauber und Glühweinduft an außergewöhnlichen Orten zu bieten…
Straßburg vs. Gengenbach

Mon dieu, wie schön!

Europas schönste Weihnachtsmärkte sind gleich um die Ecke: In Gengenbach und in der Capital de Noel: Strasbourg!
l’Ami Fritz, Ottrott

Eine Perle des Elsass

Mal über den Tellerrand schauen: Das geht gut in den Lokalen des Elsass! Unser Kolumnist berichtet aus dem l’Ami Fritz…
Sarina Doll

Schnee von gestern

Früher war alles besser. Und weißer. Sagt zumindest der Opa unserer Kolumnistin. Er hat noch ganz andere Wintererinnerungen als sie, obwohl beide im S...
... Restaurants Famose Klassiker