Schwarzwald-Fotografie: Wenn der Winter leuchtet

Wie entstehen eigentlich richtig gute Schneefotos? Das weiß im Schwarzwald kaum einer besser als Fotograf Benjamin Sum

Text: Sarina Doll Fotos: Benjamin Sum

Zu keiner Jahreszeit strahlt der Schwarzwald so eine Ruhe und Gelassenheit aus wie im Winter. Das hat auch Landschaftsfotograf Benjamin Sum erkannt. Seit knapp neun Jahren ist er mit seiner Kamera rund um seinen Wohnort Oberwolfach (und auch ein bisschen weiter) unterwegs und hält die Schönheit unserer Heimat in Bildern fest. Glitzernde Schneebilder bei Sonnenauf- oder -untergang gehören dabei zu seinen liebsten Disziplinen. Für Winterstimmung ganz unabhängig von Minusgraden hat uns Benjamin seine liebsten Schneebilder zugeschickt – und ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert.

Hallo Benjamin! Wer wie du im Schwarzwald wohnt, viel an der frischen Luft ist und gerne Landschaften fotografiert, der lebt offensichtlich im Paradies. Wo genau findet man dich, wenn du mit deiner Kamera unterwegs bist?

Ich wohne direkt in der Mitte des Schwarzwaldes, trotzdem bin ich öfters im Nordschwarzwald unterwegs. Die Hornisgrinde ist mein Lieblingsberg, wegen der tollen Landschaft und des Hochplateaus. Wenn man ganz viel Glück hat, gerade im Winter, hat man von dort aus sogar Alpensicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Aber auch das Herzogenhorn mit seinem tollen Blick auf den Feldberg ist Hammer.

Deine Leidenschaft fürs Fotografieren entfachte 2015. Wie kam’s?

Angefangen hat eigentlich alles mit der Nachtfotografie. Es hat mich fasziniert, wie man dank Langzeitbelichtungen im Dunkeln fotografieren kann – und das ist bis heute noch so. Ich liebe es, die Milchstraße zu fotografieren oder bei Vollmond. Aber auch bei Tageslicht gehe ich gern fotografieren, am liebsten Nebel, Blitze oder wenn es ganz frisch geschneit hat. 

Passend zur Jahreszeit zeigen wir deine besten Schneefotos. Wie gehst du vor, wenn du unsere weiße Heimat ablichten willst?

Am chancenreichsten ist es, wenn man losfährt und es schneit, aber der Wetterbericht voraussagt, dass es demnächst aufhören soll. Dann hat man noch Wolken im Bild und der Schnee ist schön frisch. Ich finde, man sieht einem Bild an, wie lang der Schnee schon lag. Im Bestfall ist dann noch Sonnenauf- oder -untergang, weil da das Licht einfach am schönsten ist. All diese Punkte haben zum Beispiel bei dem Bild mit dem vom Schnee gebogenen Baum auf dem Schliffkopf gepasst (siehe vorherige Seite). Ich war mit meiner Frau Schneeschuhwandern und kurz vor Sonnenuntergang hat es aufgehört zu schneien – das ist der Idealfall!

Belohnt wurde das 2018, als genau dieses Foto vom SWR zum Wetterfoto des Monats gekürt wurde. Aber was genau muss man beim Fotografieren im Schnee beachten?

Eine Sache ist wichtig: Geht raus aus dem Automatikmodus! Die Vollautomatik belichtet bei Schnee grundsätzlich zu dunkel, weil, wenn drumherum alles weiß ist, denkt die Kamera, sie hat zu hell eingestellt. Wer im manuellen Modus fotografiert, der sollte die Helligkeit immer etwas hochdrehen und leicht überbelichten, zumindest laut Belichtungsanzeige. In Wirklichkeit passt das dann genau. Aber auch da ist Vorsicht geboten: Schnee brennt schnell aus, das heißt, dass keine Konturen mehr zu sehen sind. Am besten macht man ein paar Testfotos.

In Zeiten, in denen Schnee immer seltener wird: Wie viel Zeit und Geduld muss man eigentlich für das perfekte Naturfoto mitbringen?

Ziemlich viel! Bis Motiv, Licht, Wetter und der Zeitplan rund um Arbeit und Familie passen, können Jahre vergehen. Man kann in der Landschaftsfotografie ja nicht einfach sagen: Ich will jetzt fotografieren, also gehe ich jetzt fotografieren. Das war eines meiner größten Learnings in den ersten drei Jahren. Ich als Fotograf hab nicht alles in der Hand, vor allem das Licht gibt eben die Natur vor. Ein gutes Beispiel ist das Mühlenfoto von der Mooswaldmühle (siehe oben). Der Spot stand zwei Jahre auf meiner Liste, bis alles gepasst hat, damit ich dieses Foto machen konnte. Deshalb entstehen bei mir pro Jahr auch kaum mehr als 20 Bilder, von denen ich sage: Die sind wirklich gut.

Wie kommen dir die Ideen für deine Motive? An einer verlassenen Mühle wie der im Foto kommt man schließlich nicht alle Tage vorbei …

Ich gehe gern wandern, da entdecke ich die allermeisten Motive. Man muss ja schon gern draußen sein, um Dinge zu sehen, die man vielleicht in besonderer Lichtstimmung fotografieren will. Wenn ich ein interessantes Motiv sehe, dann überlege ich mir, was dazu passen würde. Das kann allein schon die Himmelsrichtung sein. Wenn was im Osten interessant wirkt, ist es vielleicht eher was für den Sonnenaufgang, andersrum natürlich für den Sonnenuntergang. Oder wenn etwas im Süden interessant ist, könnte ich nachts wiederkommen, um es mit der Milchstraße abzulichten. Das notiere ich mir auf meiner Liste und irgendwann kommt der Moment, wo alle Rahmenbedingungen passen und das perfekte Foto entsteht.

Wie hast du dir all das Wissen rund um die Fotografie angeeignet? Und wie lang hat’s gebraucht?

Ich hab ungefähr drei Jahre dafür gebraucht, bis ich Fotos in der heutigen Qualität machen konnte. Danach flacht die Lernkurve natürlich ab, dann geht’s ans Erfahrungensammeln und ans Festigen der Skills. Die größte Hilfe waren tatsächlich Videos auf YouTube. 

Gibt es etwas, das du gerne schon gewusst hättest, bevor du mit der Fotografie gestartet hast?

Ich glaube, den größten Fortschritt habe ich damit gemacht, dass ich mich mit dem Wetter auseinandergesetzt habe. Weil, wenn man irgendwo hinfährt und die Szenerie passt vom Wetter her nicht, dann kann man es eigentlich direkt knicken, dann gibt es einfach kein gutes Foto. 

Zum Beispiel?

Bei Nebel ist es so, dass die besten Bilder dann entstehen, wenn der Nebel etwa 20 bis 30 Meter unter mir ist. Das heißt aber auch, man fährt irgendwo hin und stellt sich mitten in den Nebel, in der Hoffnung, dass er absinkt – das sind Dinge, die muss man erstmal wissen.

Wenn ich jetzt überlege, selbst mit der Fotografie anzufangen: Braucht es da heutzutage eigentlich wirklich noch eine richtige Kamera oder lässt sich auch mit den neusten Handykameras schon viel erreichen? 

Handys machen das heutzutage schon ziemlich gut. Um das mit einer Kamera zu toppen, braucht man auf jeden Fall einiges an Wissen und Übung. Für mich gibt es zwei entscheidende Vorteile von einer Handykamera: Man hat sie immer dabei und muss sich nicht mit der Technik auseinandersetzen. Also für jemanden, der kein Interesse an Blende, Iso, Belichtungszeit und Co. hat, für den lohnt sich eine große Kamera heutzutage überhaupt nicht mehr. 

Um mit der Fotografie anfangen zu können, brauche ich also was? 

Lust auf Technik und mehr Individualität. Wer das mitbringt, der hat gute Voraussetzungen. Die Technik üben sollte man dann, wenn es total langweilig ist und nicht auf das Foto ankommt. Ziel muss es sein, die Kamera aus dem Effeff zu beherrschen, damit man auch mit eiskalten Fingern oder bei Dunkelheit die richtigen Knöpfe und Rädchen findet. Denn  wenn es drauf ankommt, muss es meist richtig schnell gehen! Manchmal wartet man stundenlang und hat am Ende dann nur wenige Minuten für das perfekte Foto. Das ist die große Challenge bei der Landschafts-Fotografie.