Die Schlepperfreunde aus dem Renchtal

Seit 30 Jahren kümmert sich ein Renchtäler Verein mit viel Hingabe um alte Traktoren und Landmaschinen. Eine Ausfahrt…

Text: Daniel Oliver Bachmann · Fotos: Jigal Fichtner

Als Gott die besonders schönen Gegenden verteilte, hat er Bottenau sehr üppig bedacht. An diesem Sonntagmorgen mitten im Hochsommer kann ich mich in den Weinort zwischen Oberkirch und Durbach einfach nur verlieben: Eben steigt die Sonne über den Kniebis und legt ihre Strahlen auf die hügelige Rebenlandschaft. Um mich herum ist es still. Doch aus der Entfernung tuckert es heran, schließlich bin ich aus gutem Grund hier: Die Renchtäler Schlepperfreunde präsentieren uns heute ihre motorisierten Schätze.

Die Geschichte des Vereins begann 1996, als sich 25 Schlepperbegeisterte zu einem Club zusammenschlossen. Als dann vor einigen Jahren das Bottenauer Restaurant Weinbergblick schließen musste, drohte der Abriss des schönen Fachwerkgebäudes. Josef Brandstetter, Vorsitzender der Renchtäler Schlepperfreunde, und seine Mitstreiter krempelten die Ärmel hoch und verwandelten das Gebäude in ein Vereinsheim, das keine Wünsche offen lässt. Schließlich brauchten ihre Schlepper eine Heimat, die so dauerhaft sein soll wie die Oldtimer selbst – und der älteste Schlepper im Verein, ein Lanz HI12, hat immerhin schon 100 Jahre auf dem Buckel. Auch dieser tuckert an diesem Morgen angetrieben von seinen 12 PS und einem Zylinder in den Hof. Zur Ausfahrt hinauf zur Kapelle Sankt Wendelin mag ihn Besitzer Josef Busam aber nicht zwingen. So machen wir uns ohne den Lanz, dafür mit jeder Menge Alt-Traktoren der Marken Deutz, Güldner, O&K, Hanomag und Porsche auf den Weg.

Als Porsche noch Schlepper baute

Das sind durchaus klingende Namen, weil früher viele Automobilfirmen im Schlepperbau mitmischten. Ich finde besonders Gefallen an einem Eicher ED110/6, der genauso perfekt restauriert ist wie seine Kollegen. Wahrscheinlich waren sie zu Zeiten, als ein Eichner Königstiger, ein Wotan, das Fendt Dieselross oder ein Allgeier auf Feldern und Weinbergen ihrer ursprünglichen Bestimmung nachkamen – nämlich den Landwirten die Arbeit zu erleichtern –, nicht so schön herausgeputzt.

Heute blitzen Schräubchen und Lämpchen der historischen Landmaschinen im Wettstreit mit den Augen der Fahrer und Fahrerinnen. Oh ja, Frauen sitzen ebenfalls auf den unbequemen Schalensitzen. Eine davon ist Angela Ebert. Sie gibt mir einen Kurzlehrgang, wie ich den Schlepper in Bewegung bringe: „Schüssel rein, starten, Bremse lösen, losfahren.“

Unter der Anleitung von Josef Brandstetter gruppieren die Schlepperfahrer ihre Fahrzeuge gekonnt fürs Familienalbum. Trotzdem zweifle ich daran, dass die Sache so einfach ist. Sonst bräuchte es keinen Überrollbügel, mit dem einige der Fahrzeug ausgerüstet sind. Dieser war oft Lebensretter, weil vor allem im Weinbau sehr steile Lagen befahren wurden. Da hieß es: Früh übt sich, wer ein guter Schlepperfahrer werden will.

Schlepperfahren statt Playstation

„Den habe ich bereits als Kind gefahren“, erzählt Josef Brandstetter und tätschelt liebevoll die Motorhaube seines O & K T18. Mal ehrlich, ihr Kids da draußen: Wäre es nicht aufregender, mit diesem 18-PS-Schlepper übers Feld zu brettern, anstatt drinnen die Zeit an der Spielkonsole zu verdaddeln? Als ich in die strahlenden Gesichter der Kinder von Angela Ebert blicke, wird klar: Auch in der jüngsten Generation ist die Faszination für die Schlepper ungebrochen. Kein Wunder, dass die Renchtäler Schlepperfreunde anders als viele andere Vereine heutzutage nicht über Nachwuchssorgen klagen müssen, auch wenn vor dem Vergnügen die Arbeit kommt. Neben der Pflege der Fahrzeuge widmet man sich im Verein der Pflege des Brauchtums. Dazu gehört die Restaurierung von Geräten und Werkzeugen, die einst von Winzern und Landwirten aus der Gegend benutzt wurden. Dabei unterstützen sich die Vereinsmitglieder mit Rat und Tat, um wahrzumachen, was andere bloß behaupten: „Hier hilft man sich!“

Derart gestärkt, soll auch die jüngste Idee in die Tat umgesetzt werden: Ein Brauchtums-Museum in den Räumen des Vereinsheims in Bottenau. Wer wie ich die tatkräftigen Frauen und Männer der Renchtäler Schlepperfreunde kennenlernen durfte, hegt keinen Zweifel daran, dass sie diesen Traum realisieren werden.

Denn etwas sehr Eigenes rechtfertigt all die Arbeit: „Schlepperfahren bedeutet für mich Freiheit!“, bringt Werner Geiler die Sache auf den Punkt. 1999 kaufte sich der heute 73-Jährige seinen Klöckner-H-Deutz F2L612/6-N für 750 DM – und genießt noch immer „den luftigen Fahrtwind“, der ihm vom Sankt Wendelin hinab ins Tal um die Nase weht. Mal ehrlich – was kann es Schöneres geben an einem Hochsommertag im Renchtal? 

Mehr erfahren?

Alles Wissenswerte zu den Renchtäler Schlepperfreunden findet Ihr hier.

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