Interview mit Fabi Rommel: Stand-up-Comedy aus Calw

Der Calwer Fabi Rommel tourt mit einzigartiger Stimme und skurrilen Geschichten durch ganz Deutschland. Sein Programm? „Daheim“ und sich selbst treu bleiben.

Text: Jana Welle · Fotos: Jigal Fichtner

Alleine auf der Bühne vor einem vollen Saal. Doch der Witz zündet nicht. Kein Lachen, nur Stille. Jetzt einfach aufgeben? Nein, zum nächsten „Open Mic“, zu den offenen Bühnen in den Comedy Clubs, bis alle Pointen sitzen. Was für jeden Introvertierten nach einem Albtraum klingt, hat Fabi Rommel jahrelang durchgezogen. Tausend Auftritte und hunderte Sketche auf Social Media später kann er von seinem Traumjob leben.

2,4 Millionen Aufrufe zählt sein erstes Soloprogramm „Alpha“ auf Youtube, jetzt ist er mit „Daheim“ auf Tour. Wir haben den in Calw-Holzbronn aufgewachsenen Comedian beim Heimatbesuch im Nördlichen Schwarzwald getroffen. Der 32-Jährige erzählt uns, wie er seine eigene Stimme gefunden hat – und warum er auf der Bühne nur noch wahre Geschichten erzählt. Die schwäbische Familie, seine Kumpels und der Kontrast zwischen dem Schwarzwald und der Großstadt Berlin, wo er jahrelang gelebt hat, bieten jede Menge Stoff.

Fabi, wann bist du zum ersten Mal auf die Idee gekommen, Comedian zu werden? Calw hat anders als Berlin keine Comedy-Szene, und Schwaben sollen angeblich zum Lachen in den Keller gehen …

Hast du nicht das Poetry-Slam-Plakat auf dem Weg hierher gesehen? (lacht) Ich glaube, dass ich schon immer kreativ war, zumindest bilde ich mir das im Nachhinein ein. Mein Interesse für Comedy hat begonnen, als ich für mein Vertriebsstudium an der Hochschule Aalen ein Praktikum in Stuttgart gemacht habe. Es schien aber erst mal keine Option für mich zu sein. Comedians waren für mich schlagfertige Riesentalente, die direkt auf große Bühnen sind. Ich war immer schüchtern. Ein Auslandssemester hat mir gezeigt, dass ich Dinge schaffe, von denen ich nie gedacht hätte, dass ich sie kann. Also habe ich Comedy doch noch ausprobiert.

Kannst du dich an den ersten herzhaften Lacher erinnern, den du auf der Bühne bekommen hast?

Ja, das war 2016 beim Work and Travel in Australien, wo ich das erste Mal auf die Bühne gegangen bin. Ich hatte dort insgesamt acht Auftritte, die ersten drei liefen gar nicht, und beim vierten Mal hatte ich ein zu gutes Publikum.

Wie kann denn ein Comedian ein zu gutes Publikum haben?

Ja, das gibt es wirklich. Da ist so eine Stimmung im Raum, bei der ein Außenstehender denken würde: Was ist denn hier gerade los? So ein Publikum, das wirklich über alles lacht, hatte ich an diesem Abend, und das ist für einen Anfänger natürlich super. Das war pures Adrenalin und ich habe mir gedacht: Vielleicht wird das doch etwas mit der Comedy. Es ist aber auch ein bisschen unfair, wenn man keine guten Witze macht und sich die Lacher nicht selbst verdient hat. Nur so entwickelt man die Skills, die es braucht, um jedes Publikum mitzunehmen.

Was hat dich angetrieben, immer wieder auf die Bühne zu gehen?

Es gibt kaum Kunstformen, wo das Feedback so direkt zurückkommt wie bei der Comedy und man mitten im Lernprozess beurteilt wird. Ich habe mal versucht, Klavier spielen zu lernen. Wenn mich dabei jemand beobachtet hätte: grauenvoll! Das Gute ist, dass viele professionelle Comedians wie Bill Burr eigene Podcasts haben und darin von ihrem Weg erzählen. Das lässt einen durchhalten. Wer Standup-Comedian werden will, muss sich von Rückschlägen formen lassen und akzeptieren, dass der Prozess viel Zeit braucht, anders geht es nicht. Es gibt auf jeden Fall leichtere Wege, an Geld zu kommen, als jahrelang auf Open Mics zu gehen. (lacht)

Was fasziniert dich an deinem Beruf?

Ich finde es cool, dass es live und roh ist. Es gibt kein Medium, kein Instrument zwischen Künstler und Publikum. Es ist ein Handwerk, in dem man immer besser werden kann. Ich mag auch den Vibe von leicht abgeranzten Comedy-Clubs. Wo schafft man es denn heute noch, einen ganzen Saal an Menschen zusammenzubringen, die etwas gemeinsam machen, gemeinsam lachen? Das macht süchtig.

Was war das Wichtigste, das du gelernt hast?

Am Anfang muss man irgendwie lernen, auf der Bühne klarzukommen, vor Leuten zu sprechen. Das dauert oft schon ein Jahr. Dann, wie man Leute kontinuierlich zum Lachen bringt, Taglines und Punchlines, seine Pointen platziert. Wenn das funktioniert, muss man seine eigene Stimme finden. Das dauert am längsten und ist am schwersten.

Wie hast du deinen Stil gefunden? Du sprichst auf der Bühne wie im echten Leben: sehr ruhig, besonnen, ein bisschen energielos …

Ich habe mich anfangs verstellt, auf der Bühne gesprochen wie ein Vertriebler, der eine Präsentation macht, etwas verkaufen will. Kollegen sagen mir heute noch, wie schrecklich das war. Ein ganz großer Moment kam, als meine Videos auf Social Media funktionierten. Darin habe ich einfach in besonnener Art Storys und Beobachtungen aus dem Alltag erzählt. Die Leute dachten erst, das sei ein Act, und wollten nicht glauben, dass ich im echten Leben auch so bin. Dabei kennt doch jeder jemanden, der ein bisschen monotoner spricht – meine Cousins reden alle so.

Deine Ein-Mann-Sketche, die in Endlosschleife funktionieren, haben auf TikTok und Instagram hunderttausende Fans. Kürzlich hast du das Ende dieses Formats verkündet ...

Ich habe so viele Videos gemacht, es fühlt sich nicht mehr neu an. Ich bin auch kein Fan davon, wie die Plattformen funktionieren und Leute an sich binden. Ich glaube, eigentlich ist niemand gerne auf Social Media. Man bekommt dort Aufmerksamkeit, aber es ist oft eine leere Aufmerksamkeit.

Zurück zu deinen Bühnenprogrammen. Sind die Anekdoten, die du erzählst, wahre Geschichten aus deinem Leben?

Alles, was ich im Programm „Alpha“ erzähle, von meinem missglückten Schulreferat über Abraham Lincoln bis hin zu meinem ersten bezahlten Auftritt bei der Weihnachtsfeier vom Berliner Arbeitsamt in der Kantine vom Finanzamt, wo ich und mein Kumpel schwarz bezahlt wurden, ist wirklich so passiert. Auch in „Daheim“ erzähle ich nur wahre Geschichten. Ich mag es nicht, wenn Comedians komplett erfundene Storys verkaufen.

Gibt es Witze, die du heute nicht mehr machen würdest?

Ich bin halb Türke und habe mal einen Witz darüber gemacht, dass ich Fabi Rommel heiße. Der hat immer super funktioniert, aber hat sich zu einfach angefühlt, deshalb habe ich ihn wieder aus dem Programm herausgeschnitten. Ich versuche heute, das Thema Migration anders zu behandeln. In meinem aktuellen Programm „Daheim“ erzähle ich von meiner verstorbenen Oma aus Calw, die wir in der Türkei beerdigt haben. Ein Land, mit dem ich als dritte Generation nichts mehr zu tun habe. Das ist eine Lebensrealität, über die noch wenig gesprochen wurde und die ich spannend finde.

Wo ist „daheim“ heute für dich?

Ich bin von Berlin an den Stuttgarter Stadtrand gezogen. Davon erzählt auch mein Programm. Ich hatte Heimweh, wollte zu Familie, Freunden, Ruhe und Natur. Mit der Hermann-Hesse-Bahn bin ich sehr gut angebunden, ich habe heute nur zwei Stunden nach Calw gebraucht. (lacht) Nach einer langen Tourwoche im Wald spazieren zu gehen – das ist besser für mentale Gesundheit und Kreativität, als vom Chaos in ein noch größeres Chaos heimzukommen.

Fabi Rommel auf Daheim-Tour

Die Termine für Fabi Rommels Daheim-Tour 2026 findet ihr auf seiner Website! Mehr Infos zu seiner Heimat Calw gibt es bei calw.de.

#heimat Schwarzwald Ausgabe 53 (2/2026)

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