Ein Stück Provence hinter dem Isteiner Klotz

Auf dem Gutshof "Le Rossignol" in Blansingen kommt Südfrankreich-Feeling auf – eine Oase im ohnehin schon sonnenverwöhnten Markgräflerland.

Text: Pascal Cames Fotos: Paul Wagner

Schöne Aussichten! Das Weindorf Blansingen liegt auf einem Plateau in der Rheinebene. In alle Himmelsrichtungen ist der Blick frei. Früher gingen Landwirte mit der Bütt voller Trauben hier durch, heute schließt uns Petra Rosignol das Hoftor in der Alemannenstraße auf und lacht. Eigentlich lacht sie fast immer, Humor scheint der Leitstern ihres Lebens zu sein. Und diese Leichtigkeit spürt man, wenn man das mediterran anmutende Anwesen Le Rossignol betritt – ein historischer Gutshof mit fünf Appartements und drei Gästehäusern. Überall Kalkstein, Rosmarin und Lavendel – fast, als hätten wir uns in die Provence gebeamt.

Historisches Kleinod mit modernem Twist

Vor fast zehn Jahren ist Petra und ihrem Mann Torsten das Kleinod in der Alemannenstraße aufgefallen. Gibt es Zufälle? Sie ist Juristin, er arbeitet als IT-Berater. Was sollten die beiden mit einem alten Haus? Warum sollen sie Gastgeber werden? Sie haben doch schon Jobs? Aber hier war es einfach Liebe auf den ersten Blick. „Wir haben das Haus entdeckt und haben Frankreich darin gesehen“, sagt Petra, die selbst französische Vorfahren hat. (Ihr Familienname, eigentlich Rossignol geschrieben, bedeutet Nachtigall.) Das zwischen 1780 und 1900 erbaute Hofgut war in keinem schlechten Zustand. Trotzdem musste man einiges machen, um es im neuen Glanz erstrahlen zu lassen. Natürlich.

Das Paar verhandelte über ein Jahr mit dem Vorbesitzer. Dann meldete sich noch das Denkmalamt … Im Oktober 2020 kamen die ersten Handwerker, im Juni 2023 die ersten Gäste. In der Zeit dazwischen wurden die Kalksteinwände mit Trockeneis gereinigt, wurden Verstärkungen aus Waschbeton gebaut, wurde im Erdgeschoss der großen Scheune „Le Logis“ eine Decke eingezogen (vorher konnte man die zwölf Meter bis zum Dachfirst hochschauen), und im Nachbarraum, heute die Küche, musste man in die Tiefe graben, damit sich auch Menschen über 1,80 Meter anständig bewegen können. Zudem wurden Gärten angelegt und später dann die Appartements stilvoll mit Designermöbeln ausgestattet.

„Wir hatten Glück“, sagt Petra heute.  Der Vorbesitzer war ein frankophiler Sammler, von Biberschwanzziegeln, Hölzern, Keramik und vielem mehr. Und ein Denkmalschützer dazu. Kein Gramm Plastik wurde verbaut. Petra und Torsten blieben auf der Linie und haben mit Keramik, Kalkstein, Tannen- und Eichenholz, Waschbeton und Stahl in die historischen Gebäude moderne Unterkünfte gebaut, wo nix fehlt und nix zu viel ist.

Gastgebertum und Ambiente wie in Südfrankreich

Im „Logis“ gibt es eine moderne Kochinsel, aber die Wände sind wie aus alter Zeit geweißelt. Auch blitzt hier und da das alte Gestein heraus. Im „Petit Salon“ mit Bibliothek (der Raum mit dem Dachfirst) gibt es eine schöne Gelegenheit zum Beineausstrecken und zum Lesen von Coffeetable Books. Dass sich das Leben in dem alten Gutshof leichter anfühlt als anderswo, ist Programm.

Petra hat sich viel vom Gastgebertum der Chambre d’Hôtes auf der anderen Seite des Rheins abgeschaut. Dort sitzen die Gäste oft beisammen, essen, trinken, unterhalten sich und feiern das Leben. Gespräche sprudeln, Zikaden zirpen. So hat sie es erlebt, so macht man es auch im Le Rossignol.

Gäste, die bei ihr übernachten, und von außerhalb lädt sie regelmäßig zum Dîner Ensemble. Mit Lukas Frysch aus Freiburg hat das Hofgut einen Freikoch an der Hand, der weiß, wie man regionale Zutaten vom Markt in etwas Besonderes verwandelt. Als Gastgeberin, wenn auch nicht vom Fach, beweist Petra Erfahrung, Herzblut und Geschmack.

Der Hof und der Garten sind bei ihr die Orte, wo man sich trifft. Überhaupt, der Hof! Alles ist wegen der unzähligen Pflastersteine uneben. So war es und so blieb es. Für die Restaurierung musste jeder einzelne Rheinkiesel raus, um später wieder eingesetzt zu werden. In der Hofmitte steht ein junger Baum. Links und rechts davon hängt an den Gebäuden quer eine Leiter, so wie es früher Brauch war. Es gibt viele Sitzgelegenheiten und viel zu entdecken, wie das Gewölbe (La Cave), früher eine Küferei, heute für Weinproben ideal. Am anderen Ende des Hofs führen zwei Treppen zum Garten hinauf. Die Stufen sind alte Steine mit Rissen und Spalten. Eidechsen freuen sich darüber und verschwinden in Kräutern der Provence.

Klares Design ohne Kitsch

Das Haus rechts, La Remise, der ehemalige Heuschopf, wurde im skandinavischen Stil umgebaut. Viele Designerstücke setzen Akzente. Klare Linie, aber geschliffen. Mit Wärme. Und nirgends Kitsch, dafür handgedrehte Vasen und Schüsseln mit Glanz und Patina sowie andere Relikte wie Heugabeln, Strohkörbe und Fässer. Im putzigen Gebäude „La Maison“ hat es sogar einen Kachelofen und einen Herd aus alter Zeit. Sie sind Staffage, aber warm wird’s trotzdem und kochen kann man auch. Oben im Schlafzimmer ist die Hauswand das Fachwerk des Nebengebäudes. Schaut man aber aus dem Fenster, blickt man auf die Holzlamellen des ehemaligen Heuschopfs. So trifft das Alte das Neue.

Manche Gäste bleiben ein paar Tage, andere zwei Wochen. „Es gibt so viel zu machen“, schwärmt Petra vom Markgräflerland. Radfahren, Wandern, die Küche genießen, das Vitra Design Museum besuchen …

Man kann sich im kleinen Laden nebenan ein Eis holen, Stunden am Pool verbringen, die Ruhe genießen. Zum Feierabend verlässt Petra das Gut. Ein bisschen traurig ist sie dann, aber sie weiß ja, dass sie am nächsten Morgen das Tor zu ihrem Stück Frankreich wieder aufschließen wird ...

Savoir vivre erleben

Ihr wollt im modernen Denkmal übernachten? Plant euren Aufenthalt im Hotel "Le Rosignol".

#heimat Schwarzwald Ausgabe 53 (2/2026)

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