Kühnerhof Sasbach: Historische Mühlen, Café & Museum

Der Kühnerhof ist ein historischer Schatz in der Ortenau. Dort, wo die alte Zeit wie frisch poliert glänzt, wird auch Kaffee und Kuchen serviert. Auf nach Sasbach!

Text: Pascal Cames und Jasmin Fehninger

Die Geschichte des Kühnerhofs

Es war einmal vor langer Zeit, da hörte und sah man auf dem Gelände des Kühnerhofs in Sasbach Männer bei der Arbeit schnaufen und schwitzen, während sie Baumstämme von den Pferdefuhrwerken holten und auf einer Lore in die Säge brachten. Wenn Tannen und Fichten zu lang für das Sägewerk waren, musste man das Badezimmerfenster des angrenzenden Wohnhauses öffnen, um Platz zu schaffen.

Im Hof türmte sich das Holz. Wollten die Kinder Fangen spielen, dann mussten sie über den Bach auf die Streuobstwiese oder auf die Straße. Im hinteren Teil der Ökonomie lief eine Mahlmühle. Aus der Obstkistenmacherei hörte man Geklopfe. Manchmal wehten fruchtige Aromen aus der Brennstube herüber. Schnaps! Aber meist hatte man den Duft frischer Späne in der Nase, denn gesägt wurde immer. Und im Hintergrund klapperten pausenlos die Mühlräder. Der Kühnerhof brummte.

Dann, vor 40 Jahren, wurde es still in Sasbach. Da kreischten keine Sägen mehr und keine Traktoren rollten rein oder raus. Nur ein paar Frösche quakten in der Brühe des stillgelegten Mühlbachs. Wer erinnert sich noch, was vor gar nicht so langer Zeit hier alles geschah?

Historische Mühle mit Museumscharakter

Genau diese Frage stellte sich auch Cordula Braedel-Kühner, die seit 2005 mit Mann Michael und ihren vier Kindern in Sasbach lebt. Sie liebt den Kühnerhof. „Es ist ein Geschenk“, sagt sie, „weil ich es anders kenne.“ Die gebürtige Saarländerin denkt dabei nicht an die Zeit, als der Kühnerhof noch ein kleines Industriegebiet war, sondern an die vielen alten Gebäude mit ihren lauschigen Ecken, die restaurierten Mühlräder und die mächtigen Walnussbäume. Im Schatten dieser Riesen geht ihr das Herz auf. Sie und ihr Mann wollen all das erhalten – und mit anderen teilen. Seit 2021 unterstützt der Verein Kühnerhofmühlen das Projekt.

Heute ist der Kühnerhof ein Ensemble aus Säge- und Mahlmühle mit Gastronomie und Museumscharakter, das an einem Wochenende im Monat seine Türen für Besucher öffnet und auch Kulturprogramm bietet.

Ein Hof aus dem 15. Jahrhundert

Seit 1842 sind die Kühners schon auf dem Hof, den es seit dem 15. Jahrhundert gibt. Auf einem Eckbalken steht 1696 neben einer aufgemalten Brezel. Ein Hinweis auf eine Bäckerei. Das Besondere ist nicht das Alter, sondern dass es hier noch immer so ausschaut wie vor 150, ja vielleicht vor 200 Jahren, als Tiere noch in einem Tierhaus lebten. Unten grunzten die Schweine, in der Mitte gackerten die Hühner und oben gurrten die Tauben.

Gegenüber stehen verschiedene Werkstätten, die alle nach und nach angebaut wurden und mal größer, mal kleiner, mal schiefer, mal weniger schief sind. Die Übergänge sind fließend. Im ersten Drittel steht die Holzsäge, die für den Waldbauern im Sasbachtal die erste Adresse war, wenn es galt, aus Baumstämmen Balken und Bretter zu machen. Alles schaut aus, als wären die Säger gerade in der Pause. Sogar die kleine Werkstatt ist noch da. Nur die Spinnhudeln berichten davon, dass die Pause wohl schon länger andauert. Gleich ums Eck kann man den Mühlbach queren, der schon seit den 70er-Jahren trocken ist, weil er für ein Neubaugebiet stillgelegt wurde.

Zwei Mühlen auf dem Kühnerhof

Am hinteren Ende des Hofs befindet sich die Kornmühle. „Zwei Mühlen auf einem Hof waren sehr ungewöhnlich“, stellt Cordula fest. Jetzt kommt die Sprache auf den Zimmermann Wendelin Zink, der hier 1996 seine ersten Mühlräder restaurierte und später die Mühlen und das Wandern im Achertal wieder in Schwung brachte. Den Ottenhöfener Mühlenweg gäbe es nicht ohne seine Künste.

Cordula hat uns zwar verraten, wo sie am liebsten steht, aber wo ist es besonders heimelig? „Kommen Sie mit!“, sagt sie freudig und geht mit wehendem Dirndl voran ins ehemalige Wohnhaus, heute das Mühlenstübel.

Kaffee und Kuchen im Mühlenstübel

„Das Haus war immer bewohnt“, erklärt die Hofwirtin. „Die Schwiegereltern haben hier ihre Tage verbracht, und dort“ – sie zeigt auf einen großen Sessel – „saß Helene Schmidt, die bis ans Ende ihrer Tage als Hofmagd lebte.“ Helene Schmidt würde sich heute immer noch auskennen. Der Tisch steht am alten Platz, der Herrgottswinkel mit dem Kruzifix im Eck ist noch so wie früher, die Tapeten sind so tadellos wie damals in den 50er-Jahren und der Teppich ist auch original.

Das Linoleum knirscht, die Katze pirscht – und schon ist sie wieder weg. Die gute Stube ist so klein, dass jeder mit über 1,85 Metern den Kopf einziehen muss. Auch in der Küche ist so gut wie alles wie von damals. Nur die Kaffeemaschine blinkt modern. Statt Bodensehkaffee gibt es Cappuccino! An dieser Stelle beginnt die Wirtin von den Künsten der Konditorin Sabine Ebinger zu schwärmen. Träumen wir also auch von Buttercreme, Apfelkuchen mit Sahne und Schwarzwälder Kirsch oder Flammkuchen, Wurstsalat und Schnäpsle.

Da die gute Stube des Mühlenstübel für so viel Zuspruch doch ein bissl zu klein ist, empfiehlt sich der lauschige Hof. Hier hat es Platz für alle, stehen Tische und Stühle und auch Oliven und Zitronen, Bananenbäume und Stauden. Stellen wir also fest: Nicht immer war früher alles besser und schöner. Heute geht es auf dem Kühnerhof deutlich geruhsamer zu als in den alten Zeiten ...

Lust auf alte Zeit und frische Kuchen?

Der Kühnerhof ist in Sasbach in der Oberdorfstraße 53 und hat von Mai bis Oktober jeweils am letzten Wochenende im Monat (9–12 und 14–18 Uhr) und am Wochenende des Tags des offenen Denkmals (13.9.) geöffnet.

#heimat Schwarzwald Ausgabe 53 (2/2026)

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