„Nit schwätze, mache!"

In Bad Herrenalb bietet Stephan Bode klimaneutralen Urlaub an. Wie so was geht, verrät uns der Bio-Hotelier im Interview 

Text: Stephan Fuhrer · Fotos: Jigal Fichtner

Urlaub vor der eigenen Haustür war schon vor Corona ein spannendes Thema. Nicht zuletzt natürlich auch in puncto Klimaschutz. Dass der Urlaub in Bad Wildbad oder Hinterzarten weniger CO2 erzeugt als die Thailand-Rundreise – logisch. In Stephan Bodes Schwarzwald Panorama Hotel in Bad Herrenalb gehen Klima- und Naturschutz aber noch weiter. Und das nicht nur, weil die Gäste hier als Snack von den hauseigenen, ungespritzten Beeren auf der Terrasse naschen oder selbst Eidechsen ihre eigene Suite beziehen können. In dem für seinen nachhaltigen Ansatz schon mehrfach ausgezeichneten Haus kann man klimaneutral Urlaub machen …

Stephan, man hört es gleich: Ein Ur-Schwarzwälder bist Du nicht. Deshalb gleich die Frage, die bei uns ohnehin jeder beantworten muss. Was ist für Dich #heimat?

Letztendlich gab es da lange Zeit nur einen Ort für mich: mein Herz. Ich hatte lange ein Vagabundenleben. Wahrscheinlich kommt das daher. Aber inzwischen habe ich gelernt, in mir selbst zu ruhen. Dazu gehört für mich das Fallenlassen, Ankommen, die Geborgenheit, Sicherheit und Zufriedenheit. 

Du bist seit 2013 in Bad Herrenalb, hast das Schwarzwald Panorama Hotel 2017 gekauft …

… ja, und tatsächlich ist es so, dass ich gerade zum ersten Mal auch geografisch sowas wie Heimat verspüre. Ich bin wohl angekommen, hab mir zuletzt sogar ein Häuschen hier gekauft. 

Und wer die Heimat liebt, der achtet sie auch. Richtig?

Richtig! Aber wir sollten natürlich nicht nur unsere direkte Umgebung achten. Wir leben alle auf einem Planeten. Für diesen tragen wir alle gemeinsam Verantwortung. 

Bei Euch kann man laut Website klimaneutral Urlaub machen und gleich noch seinen CO2-Fußabdruck berechnen. Wie geht denn so was?

Seit ich hier bin, verkleinern wir Jahr für Jahr unseren Fußabdruck. Inzwischen haben wir es geschafft, den CO2-Verbrauch pro Übernachtung von ursprünglich 47 auf 22 Kilo mehr als zu halbieren. 

Klingt großartig, aber das ist ja noch nicht klimaneutral.

Stimmt. Aber die Kuh auf der Weide muss ja auch irgendwann mal ’nen Pups lassen. Im Ernst: Den Rest gleichen wir aus, indem wir zertifizierte Kompensations-Umweltprojekte unterstützen. Das darf aber natürlich kein Ersatz für alles sein. Wir werden uns weiterhin darum bemühen, den eigenen CO2-Fußabdruck zu verringern.

Wo geht es bei Euch im Hotel denn zum Beispiel nachhaltig zu?

Es sind viele, viele Kleinigkeiten. Kleine, mit Lavendel gefüllte Jutesäckchen etwa, die an die Tür gehängt werden können, wenn das Zimmer nicht sauber gemacht werden soll. Fast 30 Prozent unserer Gäste verzichten darauf, ihr Zimmer täglich gereinigt zu bekommen. 

Was sich dann ja auch wirtschaftlich auszahlt …

Ganz klar. Aber damit haben wir auch wieder mehr Ressourcen, um die nächsten Themen anzugehen. Nachhaltigkeit kostet manchmal nichts, kann gelegentlich aber auch ganz schön teuer sein. Zum Beispiel wenn’s ums Energieeinsparen durch moderne Technik geht. Uns geht es mit unseren Angeboten aber auch nicht nur ums CO2-Sparen bei uns im Haus. Wir wollen am Ende auch eine Inspirationsquelle für unsere Gäste sein – ohne dabei zu belehren. 

Inwiefern?

Vielleicht nimmt sich ja auch der Gast das ein oder andere als Anregung mit und setzt es bei sich zu Hause oder im Betrieb um. Wie gesagt: Es geht ja am Ende ums große Ganze und gar nicht allein um unser Hotel. Wichtig dabei: inspirieren, nicht belehren. Das hab ich in meinen Jahren als Bio-Hotelier gelernt. Man sollte das, was einem wichtig ist, einfach tun und nicht so viel darüber reden. Dann sind die Menschen um einen herum auch offener für Neues.

Wie bist Du überhaupt zu dem Thema Bio gekommen?

Oh, gar nicht mit so edlen Motiven, wie man vermuten könnte. Ich hatte ein Hotel in der hinterletzten thürinigischen Provinz übernommen, dem es wirtschaftlich nicht gut ging, und suchte ein Alleinstellungsmerkmal. Da kam ich auf Bio. Und je mehr ich mich damit beschäftigte, desto stärker wurde mir bewusst, wie wichtig und richtig das Ganze war. Dazu kam der wirtschaftliche Erfolg. Inzwischen ist die gesamte Region dort biologisch und ökologisch unterwegs. Das macht mich mächtig stolz. 

Wird das in Bad Herrenalb bald auch so sein?

In Baden-Württemberg ist man bei der Sache ohnehin schon lange viel weiter, als das in Thüringen der Fall war. Wahrscheinlich war das für mich deshalb auch ein bisschen wie nach Hause kommen am Anfang. Aber klar: Wir müssen für den Klima- und Umweltschutz alle miteinander noch viel mehr erreichen …

Der Bionier

Stephan Bode, Jahrgang 1965, hat es beruflich vom Kellner zum Hotelbesitzer gebracht. Seit 2013 leitet er das Schwarzwald Panorama Hotel in Bad Herrenalb (das vormalige Ruland’s Thermenhotel) und stellte den Betrieb gleich mal auf Bio um. Inzwischen zählt das Haus nicht nur zu den renommiertesten Tagungshotels Deutschlands, sondern begrüßt auch immer mehr private Gäste. Mehr Infos: schwarzwald-panorama.com

#heimat Schwarzwald Ausgabe 27 (4/2021)

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