Ginie und Wahnsinn

Ihr habt gewählt: Stefan Enderle ist nicht nur ein (fast) immer bestens gelauntes Unikat, sondern nun auch Badens erste Wacholder-Hoheit. Glückwunsch!

Text: Stephan Fuhrer · Fotos: Jigal Fichtner

Stefan und der Gin. Diese Liebe begann mit etwas, was im Schwarzwald einfach zum Leben dazugehört: einem Stapel Brennholz. Nur blöd, dass das Zeug zu groß für Stefans Ofen war. „Frog’ doch mal de Axel, der hot en Spalter“, wurde dem Kappelrodecker geraten. Gesagt, getan. Und weil Axel Baßler, Obst- und Ginbrenner im Ort, ein netter Kerl ist, spaltete er ihm die Scheite gleich auch noch. Diese Nächstenliebe wollte Grüni (wie Stefan von Freunden genannt wird) unbedingt zurückgeben. Und irgendwann meinte Axel: „Dann kommst Du halt mal ’nen Tag mit auf die Messe, um meinen Feinen Kappler an den Mann zu bringen.“ Gin? „Damit hatte ich damals so rein gar nichts mit am Hut“, erzählt Grüni und lacht sein ansteckendes Lachen … 

Die Würfel sind gefallen

Ein paar Jahre später im Hotel Liberty in Offenburg. Stefan, inzwischen längst Gin-Fachmann, sitzt an der Bar des zum Design-Hotel umgebauten ehemaligen Gefängnisses und strahlt in die Kamera. Netterweise hat uns das Team von Hotel-Chef Christian Funk das Ambiente samt Spirituosenschrank (und Schlüssel!) für unser Fotoshooting zur Verfügung gestellt. Ganz eigentlich hätte in dieser besonderen Location allerdings im vergangenen September die Kür von Badens erster Gin-Königin stattfinden sollen, dem Wettbewerb von #heimat und den Badischen Kleinbrennern unter Schirmherrschaft von Frank Scherer, Landrat des Ortenaukreises. Aber wie wir ja alle wissen, ging das nicht. Die Challenge musste warten. Doch nun ist sie entschieden. Und weil die ganz große Krönung noch immer nicht machbar ist, küren wir Badens Gin-Königin – pardon: Gin-König – halt in unserem Magazin. Herzlichen Glückwunsch, lieber Grüni! Und für alle, die sich an dieser Stelle wundern: Weil sich immer mehr männliche Bewerber bei uns gemeldet hatten, haben wir den Wettbewerb für alle geöffnet …

„Ich hab Kappel verrückt gemacht“

Die frohe Botschaft der nahenden Regentschaft hatte Stefan erst drei Tage zuvor erhalten. „Ich hab’ mich riesig gefreut“, meint der Gewinner des Wettbewerbs, bei dem am Ende jedermann seine Stimme im Internet abgeben konnte, und hält einmal mehr das Gin-Tonic-Glas wie ein Zepter in die Kamera. „Begabt der Mann,“ meint Fotograf Jigal Fichtner und drückt wieder und wieder auf den Auslöser. Selbstredend wurde der König zuvor ins rechte Licht gerückt. Noch mehr von den entstandenen großartigen Fotos könnt Ihr Euch übrigens auf unseren royalen Kanälen bei Instagram und Facebook angucken. Die Top-Ten und die Bewerbungen aller Teilnehmer sind zudem nach wie vor auf www.gin-koenigin.de abrufbar.

Dass der Vater dreier Söhne beim Wettbewerb am Ende deutlich vorne lag, dürfte sicherlich auch mit seiner Eigenwerbung in den vergangenen Monaten zusammenhängen. „Ich hab’ ganz Kappel verrückt gemacht, hab’ sogar eigene Flyer drucken lassen und verteilt“, erzählt Grüni und grinst. Dass er es jetzt tatsächlich geschafft habe, sei ein Traum. „Das bedeutet mir echt total viel. Gin ist für mich mehr als nur ein Hobby, es ist meine Leidenschaft. Lieben Dank an alle da draußen, die mir ihre Stimme gegeben haben!“ Und klar: Als Gin-König fühle er sich nun natürlich als Repräsentant aller badischen Gins – auch wenn seine Liebe einst mit dem Kappler begann. „Mich begeistert die Vielfalt, die hier aus den vielen kleinen Brennereien kommt, immer wieder“, sagt Grüni, der den Gin am liebsten fruchtig mag – und zwar pur im Nosing-Glas. 

Aus der Ortenau, für ganz Baden

Ein Gesicht für den Badischen Gin – für die großen wie die kleinen Namen: Genau das war auch die Idee hinter dem Wettbewerb, den #heimat-Herausgeber Ulf Tietge gemeinsam mit den Badischen Kleinbrennern aus der Taufe gehoben hatte. „Auch wenn’s am Ende anders kam, als wir anfangs alle dachten: Wir sind sehr froh, dass wir den Wettbewerb mit so einem tollen Finale und all den großartigen Bewerbern, die trotz Verzögerungen und Änderungen bis zum Ende dabeigeblieben sind, erfolgreich abschließen konnten“, sagt Ulf. Mit Stefan habe man zudem einen mehr als würdigen König gefunden. Dem hat Kleinbrenner-Vorstand Ulrich Müller nicht viel hinzuzufügen: „Lieber Stefan, wir freuen uns auf die Zusammenarbeit!“ 

Auch Schirmherr Frank Scherer zeigt sich erfreut darüber, dass mit Stefan „Grüni“ Enderle ein Badischer Gin-König gefunden wurde – der dann auch noch in seinem Landkreis zu Hause ist. „Kappelrodeck ist bekanntermaßen eine Brenner-Hochburg, das freut mich natürlich besonders“, so Scherer. Zumal der Ortenaukreis ja mit seinen mehr als 7 000 Brennrechten ohnehin als Zentrum der Badischen Brennkunst gelte. „Aber ganz klar, der Gin-König wird natürlich auch für alle anderen badischen Brenner Repräsentant sein und Genussbotschafter für die Region. Davon profitieren am Ende alle“, betont der Landrat.

Und was hat König Stefan I. jetzt selber vor? „Ich hoffe natürlich erstmal, dass wir alle wieder mehr rauskönnen und sich auch das Leben in den Kneipen, Bars und Clubs wieder normalisiert“, sagt Stefan. Rausgehen, Menschen treffen. Das sei auch das, was ihn auf Messen immer am meisten begeistert habe – die Begegnung. Dementsprechend ging übrigens auch die Geschichte mit Axel Baßler aus. Der entdeckte Grünis Talent nämlich sofort und gab ihm nach seinem ersten Messeeinsatz gleich zu verstehen: „Dich nehm’ ich jetzt immer mit!“

Einfach mal danke sagen!

Alles lief anders als gedacht, aber alle zogen trotzdem mit – Bewerber wie Sponsoren, Jurymitglieder etc. Deshalb möchten wir an dieser Stelle auch einfach mal Danke für Eure Unterstützung sagen! Danke an unsere Top-Ten, stellvertretend für alle großartigen Bewerber! Danke Anni, Laurentia, Uwe, Roman, Stefan, Selina, Johanna, Dani, Maya und Johnny. Danke auch an unsere Sponsoren und Partner, vor allem an Schwarzwald Radio und Markus Knoll für den super Support, an Huber Kältetechnik, an die Dr. Kuny Assekuranz Gruppe, den Badischen Kleinbrennerverband und das Landratsamt Ortenaukreis mit dem Schirmherren Frank Scherer. Und danke natürlich an alle Brenner, die mit ihren großartigen Gin-Ideen neue Maßstäbe weit über unsere Region hinaus gesetzt haben. Darauf einen leckeren badischen Gin!  

Ihr wollt die Gin-Königin für Euer Event? Dann schreibt uns doch einfach eine E-Mail an info@heimatschwarzwald.de Wir stellen gern den Kontakt zu Stefan her.

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