Restaurant-Tipp im Schwarzwald: Bruggaa im Dreisamtal

Weltoffen und heimisch regional. Dem Bruggaa in Oberried gelingt eine aufregend farbenfrohe Küche inmitten einer traumhaften Landschaft im Dreisamtal. Überall hat’s eine schöne Aussicht!

Text: Pascal Cames Fotos: Brugga/Erik Chmil

Regionale Küche mit einem Twist: Klassisch oder vegetarisch?

Die Halde – 2025 zum „Nest des Jahres“ beim Genuss-Award kuckuck gekürt – kocht gehobene Wellnessküche, und auch die Karte im Bruggaa kann sich sehen lassen. Als weltoffen wird die Küche beschrieben, aber auch als regional. Chefkoch Elias Hegar lässt sich von Tim Mälzer (Bullerei) inspirieren, der „relativ puristisch“ kocht. Das Bruggaa läuft eigenständig, aber Synergien mit der rund 15 Autominuten entfernten Halde in Hofsgrund werden genutzt. So kommen die Kuchen und Torten (die fabelhafte Schwarzwälder!) von dort, auch der Halde-Weinkeller steht Bruggaa offen. Mit diesem Pfund lässt sich wuchern! Rund um das im November 2023 eröffnete Haus ist eine Terrasse angelegt. Es gibt 80 Plätze draußen und 80 Plätze drinnen. Da es so schön liegt, ist es ideal für Feste aller Art. Aber auch fürs Schnabulieren am Sonntagabend!

Schweren Herzens wählen wir nicht die Klassiker (Wiener Schnitzel, Spinatknödel, Tafelspitzsuppe), sondern gehen in die Vollen, um das Restaurant kennenzulernen. Zweimal das Menü, bitte! Einmal mit Fleisch (74 Euro) und einmal ohne (65 Euro). Da wir uns schon etwas länger kennen, tauschen wir die Teller. Welches Menü ist das bessere?

Das vegetarische Menü überzeugt

Das Match Klassisch versus Veggie beginnt für uns mit einem dunklen Tessiner Brot aus Schweizer Buchweizenmehl vom Brotsommelier Schmid. Zuerst vermuten wir Sauerteigbrot, aber falsch gedacht, die Säure fehlt, dafür hat es eine flauschige Krume. Das Brot soll nicht vom Essen ablenken, heißt es, darum kein Sauerteig. Der feine Brotgeschmack passt jedenfalls super zum Olivenöl aus Portugal und dem würzigen Hummus. Double trouble! Die Gefahr besteht, dass man sich daran den Bauch vollschlägt. Wir sagen beide „iss nicht so viel“ und machen es trotzdem.

Beim nächsten Gang trällert der Frühling. Die Gelbflossen-Makrele ist hübsch und bunt angerichtet, dito das Carpaccio von bunten Beeten. Die Makrele ist fest und kein bissl trocken, aber die Beeten toppen alles. Sie sind knackig, leicht sauer angemacht und ein Fest fürs Auge. Bei dieser Runde geht der Punkt an Veggie.

Das Beste aus der regionalen Küche

Auch beim nächsten Gang lohnt es sich, Vegetarier zu sein. Die fein abgeschmeckte Zitronengras-Currysuppe bringt Schärfe in Mund und Rachen, aber sie ist weder brutal noch anhaltend. Die Topinambur-Cremesuppe kontert mit Harmonie. Logisch, ist ja ein bissl Sahne drin. Das Rehfleischküchle in der Suppe schmeckt sehr lecker. Tolle Idee! Darum: Klassisch ist gut gemacht und vegetarisch ist besser.

Beim Hauptgericht übertrumpft der Fleischgang Rücken und Backe vom Milchkalb die gebratene Ricotta-Gnocchi. Das Fleisch ist zart, saftig und schmeckt so, wie man es erwartet. Die Soße, dunkel, fast wie Lack, ist ein Gedicht mit Tiefgang. Bei den Gnocchi macht der Spinat Laune. Überhaupt der Spinat! Der ist bei den Gnocchi super, aber beim Fleischgang genial. Saftig und frisch! An dieser Stelle ein Wort zum Geschirr. Das ist wirklich ausgesucht schön, bei den Gnocchi könnte man glatt meinen, dass Maler Gustav Klimt der Designer war.

Leckere Desserts beim Bruggaa

Beim Dessert kommt’s raus: Inga, die Freundin vom Chef, war wie dieser in der Bullerei und hat dort Restaurantfachfrau und Köchin gelernt. Als Souvenir aus Hamburg hat sie die Cheesecakecreme mitgebracht. Süß, salzig, fettig. Was will man mehr? Bei Tim Mälzer ist dieses süße Finale der Bestseller. Hier bald auch? Das Ananas-Ragout mit Hot Mango-Kokos-Gelato und Kokos-Espuma aus dem Veggie-Menü ist aber auch nicht schlecht. Was heißt nicht schlecht? Es ist ziemlich gut, sehr gut sogar, weil die Fruchtaromen den Gaumen erfrischen.

Apropos: Ab dem späten Nachmittag, so gegen fünf Uhr, ist im Dreisamtal mit erfrischenden Fallwinden zu rechnen. Freuen wir uns also auch auf die Affenhitze im Juli und August. Nach einer Radtour von Freiburg kommend, werden wir beim Bruggaa einkehren. Wir werden bei Brot und Hummus wie die Bauarbeiter zulangen und dann die Klassiker spachteln. Zum Schluss: Mango-Eis und Bullerei-Creme. Vielleicht sogar beide Desserts gleichzeitig. Wenn man nicht in einem Fine-Dining-Restaurant diniert, darf man das auch machen.

4,3 von 5 Zapfen für das Bruggaa

www.bruggaa.de

Telefon: 07661 / 975 45 10

Geroldstalstraße 1, Oberried

Küche: 12–14, 17:30–20 Uhr, Vesper: 14–15:30, Kuchen bis 16 Uhr, Montagmittag, Di/ Mi geschl.

Tipp: Vorher den Dreisamtal-Radweg (30 km, Rundtour) ab Kirchzarten fahren.

#heimat Schwarzwald Ausgabe 53 (2/2026)

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