Das Café Gupi bekommt erhält den Michelin Stern

Klein, fein und ganz casual: Der Guide Michelin hat das Café Gupi in Weil am Rhein völlig unerwartet ausgezeichnet. Wie schmeckt’s denn so? Wir waren dort …

Text: Pascal Cames Fotos: Fabio Bosco

Café Gupi in Weil am Rhein: Sterneküche ohne Größenwahn

Da bekommt man seinen ersten Michelin-Stern. Glückwünsche aus Baiersbronn und einen Brief von einem der besten Köche Deutschlands. Das muss einen doch verändern, oder? Die Macher des Café Gupi, Christoph Düster und Christoph Schneider, schauen sich an und lachen … Nein, muss es nicht. Nicht mit zero Größenwahn.

Anders als das ebenfalls in diesem Jahr frisch besternte Eatrenalin in Rust, hatte man die Newcomer aus Weil am Rhein nicht auf der Liste. „Wir machen eins zu eins weiter wie bisher“, sagt Christoph Schneider (36), der Winzer hinter dem Gupi-Konzept. „Wir wollen auch die Preise nicht erhöhen“, verspricht Koch Christoph Düster (40).

Café Gupi: Vom Weinlokal zum Michelin-Stern

Anfangs, also vor mehr als fünf Jahren, wollten die beiden im historischen Gärtnerhäuschen am Läublinpark eine Weinbar mit Flammkuchen installieren. Denn Wein ist das Megathema für Christoph vom renommierten Weingut am Schlipf – Claus Schneider. Darum gibt es im Café Gupi mit seinen 22 Plätzen zum Menü mit vier Gängen (ab 89 Euro) eine Weinbegleitung (38 Euro) mit hauseigenen Tropfen. Acht Weine sind im offenen Ausschank. Ansonsten ist Vielfalt Programm: 200 Spätburgunder stehen auf der Karte und in Sachen Gutedel sogar welche von der Loire. Ach ja, Gupi ist natürlich ein Kunstwort aus Gutedel und Pinot. Wein, Wein, nur du allein …

Allerdings nicht für Koch Christoph, der noch nie (!) in seinem Leben Alkohol getrunken hat. Das hat sich für den Ex-Fußballer so ergeben, später als Koch und Patissier hat er das beibehalten. Zuletzt kochte er für Diethard Urbansky im Münchner Dallmayr, das mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet war. „Ich weiß, wie man es machen kann“, sagt er über seine Erfahrungen in der Sterneküche.

Sternerestaurant Café Gupi: Das Dreiländereck als Konzept

Christoph Düsters kulinarisches Konzept ist eine Drei-Länder-Küche. Fisch oder auch Käse (Antony, Sundgau) stammen aus dem Elsass, das Fleisch aus der Nachbarschaft und es gibt auf der Karte keine Salzwasserfische. Zudem ist die Karte sehr klein – es gibt genau ein Menü, wahlweise auch vegetarisch. Das gefällt vielleicht nicht jedem, macht es aber der Küche einfacher.

Wir probieren bei unserem Besuch drei Gerichte: Vorspeise, Fisch sowie Dessert. Dazu drei Schneider-Weine. Unser Esstisch steht nicht auf der Terrasse neben dem Brunnen, nicht im Hauptraum mit der Bar, wo man immer einen Käseteller und ein Glas Wein kriegt, nicht in dem pastellgrünen Separee, nicht im Wohnzimmer im ersten Stock – stattdessen findet unser kleines Mahl im Hinterhof auf einem rustikalen Tisch statt, wo oft die Freunde sitzen, mit Blick in die winzige Küche, wo Christoph ganz alleine kocht.

Was ist das? Beim ersten Teller tippen wir zuerst spaßeshalber auf eine Qualle, die ein bisschen bunt angemacht wurde. Aber grottenfalsch. Hier handelt es sich um eine Assemblage aus Melone, Tomaten, Erbsen und Sommerweizen. Was kommt an? Wenig Tomate, aber viel von der Honigmelone im Carpaccio-Style. Der Sud versetzt einen in die Provence. Während die Melone auf der Zunge zergeht, ist der Sommerweizen immer noch resistent. Und als Kontra sogar salzig. Der begleitende Weißburgunder ist natürlich eine gute Wahl zur schlüpfrigen Süße.

Das Menü im Café Gupi: Von Saibling bis Badisch Rotgold

Beim anschließenden Saibling gibt es kein Rätselraten. Das ist ein Fisch mit allerlei interessanten Beilagen, so zum Beispiel einem hocharomatischen Möhrenpüree, dazu geraspelte Karotten, die schön saftig und herzhaft sind, sowie ein Karotteneis. Nach diesem Dreierlei weiß man, was Bugs Bunny und andere Rohkostesser verpassen. Auf dem Teller findet sich zudem ein sehr leckerer Buttermilchsud, etwas Koriander und etwas Sauerampfer.

Großes Kino fürs Auge bietet dann auch das Dessert. Erdbeeren! Aber in Varianten, und so wird die Erber mit Sud, Gel und Jus zum Erlebnis. Die Rolle des bad guy auf dem Teller übernimmt die Kürbiskern-Mayo mit Senf. Sachen gibt’s!

Beim Wein wird noch mal ein bissl gezaubert. Die eher unbekannte und bei manchen verrufene Weinspezialität Badisch Rotgold (gekeltert aus Grau- und Spätburgundertrauben) glänzt bei diesem Gang zu Recht. Schlotzig und süffig und wie das Dessert nicht übertrieben süß, gibt dieser Tropfen seinen Beitrag zum Dessert.

Fazit: Das leckerste Hinterhofessen seit langer Zeit! Könner wie Christoph und Christoph könnten auch hinter einer Tankstelle auftischen: Es würde trotzdem ein wunderbares Erlebnis werden ...

4,7 von 5 Zapfen für das Café Gupi

cafegupi.de

Telefon: 0 76 21 / 9 35 85 53

Römerstraße 1, Weil am Rhein

Mi–Sa 18–22 Uhr geöffnet

#heimat Schwarzwald Ausgabe 54 (3/2026)

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