Camping im Schwarzwald: Eine Nacht Wildnis auf Trekkingplätzen

Ganz allein unter Tannen und Fichten übernachten – mitten im Nationalpark Schwarzwald? Wildcamping ist hier zwar verboten, doch auf Trekkingplätzen wird Camping im Schwarzwald zum legalen Abenteuer. Unsere Autorin hat eine Nacht im Wald verbracht.

Text: Carolin Johannsen Fotos: Paul Wagner
Camping Schwarzwald: Eine Nacht mitten in der Wildnis

Holz knackt, ein Kauz ruft. Die Sterne blinken – und sonst nichts, denn das Handy hat sowieso keinen Empfang. So sieht Ruhe aus! Eine Nacht im Wald ist ein Erlebnis, und eine Nacht im Nationalpark Schwarzwald verspricht noch mehr Wildnis und Abgeschiedenheit. Darf man das? Eigentlich ist Wildcampen in Deutschland und insbesondere in Schutzgebieten verboten.

Eine Ausnahme: offiziell ausgewiesene Trekkingplätze. Und die sind im Schwarzwald sehr beliebt. Wer einen Zeltplatz ergattern möchte, muss frühzeitig online buchen. Allzu orientierungslos sollte man nicht sein, denn die Camps liegen mitten im Wald und werden zu Fuß erreicht. Fließend Wasser und Strom gibt es nicht. Also befördert #heimat mich kurzerhand von der Autorin zur Survival-Expertin ...

Wildcamping im Schwarzwald: Was erlaubt ist und was nicht

Das Abenteuer beginnt auf dem Balkon. Ich baue mein Zwei-Personen-Zelt probeweise auf, um zu sehen, wie ich es ohne Heringe im Boden mit Spannschnüren zum Stehen bringe. Das ist notwendig, da man sein Zelt in einigen Camps auf Holzplattformen aufbauen muss, steht in der Buchungsbestätigung für das Trekkingcamp Erdbeerloch, gelegen nahe Oppenau in der Ortenau, das Städtchen ist Teil der Nationalparkregion. Mein Zelt riecht etwas nach Keller, aber es steht. Also falte ich es wieder zusammen und stopfe es mit einer leichten Isomatte und einem warmen Schlafsack in meinen grünen Trekkingrucksack. Meine bessere Hälfte kommt auch mit. Los geht's!

Start unserer Wanderung ist am späten Nachmittag an der Klosterruine Allerheiligen. Es tut gut, in der Natur zu sein, und noch fühlt sich der Rucksack auch leicht an, aber es ist ja auch nur Gepäck für eine Nacht darin. Zu Zelt, Schlafsack und Isomatte sind noch Kochgeschirr inklusive Gaskartusche und Brenner, Nudeln, Wechselkleidung, eine Stirnlampe, ein Erste-Hilfe-Set, Mückenspray und eine Wasserflasche mit integriertem Filter dazugekommen. Beim Trekking bringt man nur mit, was man bequem selbst tragen kann. Wer ganz sichergehen möchte, nichts zu vergessen, kann sich an der Packliste auf trekking-schwarzwald.de orientieren. Ich fühle mich so auf das Abenteuer perfekt vorbereitet.

Unterwegs zu den Trekkingcamps im Schwarzwald

Von den Allerheiligen-Wasserfällen sind es knapp zwei Kilometer bis zum Camp. Wir haben für unsere Testnacht nur eine kleine Tour geplant, eigentlich sind die Trekkingcamps für Mehrtageswanderungen gedacht. Das Camp Erdbeerloch zum Beispiel lässt sich mit einem Umweg als Unterkunft auf dem Renchtalsteig, dem Westweg und dem Baiersbronner Seensteig ansteuern. Auch Bikepacking ist hier möglich.

Die Wege zu den Camps sind nicht ausgeschildert, erst nach der Buchung bekommt man eine Wegbeschreibung. Zunächst führt unser Pfad am Lierbach entlang, dann geht es über die Straße und direkt wieder auf einen Naturweg. Es geht leicht bergan. Gerade so steil, dass es in den Waden ziept, aber nicht so steil, dass die Luft wegbleibt. Nach ein paar Kehren stehen wir plötzlich vor einer Schutzhütte, einer Feuerstelle und einer Trockentoilette in einer Holzhütte. Die Zeltplätze sind etwas weiter entfernt. Als ein Windhauch durch die Baumwipfel fährt, hört man nur Blätterrauschen und Vogelzwitschern. Hier kann man es aushalten!

Mehr als eine Nacht darf man allerdings nicht auf den Trekkingcamps verbringen und pro Nacht sind auch nur maximal drei Zelte à drei Personen erlaubt. „Die Trekkingcamps sind keine Campingplätze, auf denen man sich den ganzen Tag aufhält, sondern nur ein legaler Ort, um die Nacht zu verbringen“, erklärt Nationalpark-Ranger Lukas Schmidt, mit dem wir uns im Camp verabredet haben.

Trekkingplätze zwischen Naturschutz und Abenteuer

Für den Nationalpark Schwarzwald sind die Trekkingcamps ein Kompromiss zwischen dem Schutz der Natur und der Sehnsucht der Menschen, diese zu erleben, erklärt der Ranger. Und die Lust auf Wildnis ist so groß, dass die Zahl der Trekkingcamps seit dem Start des 2017 vom Nationalpark Schwarzwald, der Naturparke Süd und Mitte/Nord, ForstBW und einiger Kommunen getragenen Projekts stetig wächst. Zehn sind aktuell im Norden buchbar, zwölf im Süden.

Im Laufe der Saison 2026 kommen bei Forbach, Dobel, Todtmoos und Bonndorf neue Plätze dazu. Die Trekkingcamps sind nur von Mai bis Oktober geöffnet, außerhalb der Saison und an anderen Orten sollen Tiere nicht mehr durch Wildcamper gestört werden, lautet das Ziel. Damit das Konzept funktioniert, sind Lukas und Kollegen regelmäßig für Kontrollgänge im Nationalpark Schwarzwald unterwegs. Dann warten sie die Komposttoilette und füllen Brennholz nach, aber klären Camper auch darüber auf, wenn wegen Waldbrandgefahr in dieser Nacht kein Feuer gemacht werden darf.

Eine Nacht im Nationalpark Schwarzwald: Unser Fazit

Was uns nach der Nacht im Nationalpark durch den Kopf geht? Wer im Trekkingcamp übernachtet, hat einige Regeln zu beachten – dafür kriegt man dann Wildnis und Ruhe satt. Wir kommen wieder – vielleicht dann mit Mehrtageswanderung von Camp zu Camp?

Buchung der Camps

Ihr wollt auch eine Nacht in der Wildnis verbringen? Die Camps könnt ihr bei Trekking Schwarzwald buchen. Die Saison geht von Mai bis Oktober. 

#heimat Schwarzwald Ausgabe 53 (2/2026)

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