So baut man einen Van aus!

Verreisen im selbstausgebauten Van: Diesen Wunsch erfüllten sich Alex Und Max aus Kandern mit ihrer einjährigen Europareise

Text: Sarina Doll · Fotos: Dimitri Dell

Zwölf Monate, 36 Länder, 45 000 Kilometer – und das alles auf nur sieben Quadratmetern. Alex und Max aus Kandern im Südschwarzwald haben 2020 für ein Jahr lang das Leben geführt, wovon immer mehr Menschen träumen: eines im Van. Raus aus dem Alltag, rein ins Abenteuer auf vier Rädern. Kurz gesagt: Vanlife. Nach ihren Rucksackreisen durch die Welt haben Alex und Max beschlossen, einen eigenen Van für eine Europareise auszubauen. Also kündigten sie ihre Jobs und Wohnungen, um sich aus einem gebrauchten Mercedes Sprinter ein Zuhause auf Zeit zu bauen.

Bye Schwarzwald, hallo Welt!

Wir treffen die beiden zusammen mit ihrem einjährigen Sohn Bruno am Kreuzweg, dem höchsten Punkt des Sirnitzpasses und einem beliebten Spot für Camper aller Art – schließlich wollen wir auch gleich mal wissen, wie sich so ein Trip in die Natur anfühlt. Schmale Passstraßen schlängeln sich hier von Badenweiler auf der einen und Neuenweg im Kleinen Wiesental auf der anderen Seite hoch. Vor uns liegt ein postkartenreifes Schwarzwald-Panorama: eine idyllische Hügellandschaft, saftige Wiesen, weidende Kühe und Sonne satt. In der Ferne thront der Belchengipfel, vor uns lenkt Max seinen Van auf einen staubigen Schotterparkplatz. Zwischen einem uralten VW-Bus, der nur mit Matratze und Campingkocher ausgestattet ist, und einem noblen Hymer-Wohnmobil parkt er ein. Und wie souverän! „Na, wir sind damit schließlich schon durch die schmalsten Gassen von Istanbul gefahren“, erzählt der 30-Jährige, als er uns stolz die Schiebetür zum Van öffnet. 

Dahinter verbirgt sich ein lichtdurchflutetes Raumwunder. Ein 1,40 Meter breites Bett zum Ausziehen, eine Küchenzeile inklusive Backofen, Stauraum in jedem Winkel, eine Nasszelle mit Warmwasserdusche (dank Solarmodulen), drehbare Autositze für maximale Platzersparnis – wow! Ein bisschen fühlt es sich an, als wären wir zu Besuch bei Freunden – zu Hause. 

Wie zu Hause

Genau das beschreibt die 35-jährige Alex auch als größten Vorteil vom Leben im Van: „Egal, wo wir hinkommen, wir sind daheim.“ Außerdem: Mit so einem Gefährt komme man an Orte, die man mit pauschalen Reisen nie erreichen würde, könne kommen und gehen, wann immer man möchte. Vor allem in weitläufigen Ländern wie Schweden, wo Wildcampen erlaubt ist, lässt sich das voll und ganz auskosten. Doch glücklicherweise gibt es da auch bei uns im Schwarzwald immer mehr Angebote (s. Kasten auf der nächsten Seite). „Ist man erst mal auf der Straße, ist Vanlife sowieso ein Selbstläufer“, findet Max. 

Jetzt reinhören!

Alex und Max erzählen Euch, wie der Prozess zum eigenen Van war und was ihre Highlights auf der Europatour waren!
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Die Sache mit dem Platz ...

Dass Max auf der geschlossenen Trockentrenntoilette sitzt, während er uns das erzählt? Egal. So viel Platz gibt’s im Van eben nicht. Beim Vanlife beschränkt man sich aufs Wesentliche und lernt, seine Bedürfnisse zu priorisieren. Entweder noch ein Paar Schuhe oder die Musikbox. Für beides wird der Platz zu knapp. Solche Dinge eben. Ausgebaut haben die beiden den Van, der sie (übrigens ohne eine einzige Panne) Tag für Tag zwischen 50 und 80 Kilometer quer über unseren Kontinent gebracht hat, komplett in Eigenleistung. Der Wiedererkennungswert: Schwarzwälder Holz. Quasi ein Stück Heimat immer im Gepäck. Max ist als Sohn eines Schreiners und Campingfans aufgewachsen und hat deshalb viele Handwerk-Skills mitgebracht. Für Alex hieß es: learning by doing. Die größte Herausforderung war jedoch die Planungsphase. Ganze anderthalb Jahre haben sich die beiden dafür Zeit gelassen, sie haben Stunden im Van verbracht, um Pläne zu schmieden. Was es für einen Ausbau also braucht? „Viel Zeit und technisches Know-how.“ Anders geht’s nicht, finden die beiden – auch wenn man auf Social Media den Eindruck bekommen könnte: Das kann doch jeder.

A propos Social Media

Spätestens seit der Corona-Pandemie ist Vanlife der absolute Hit – nicht zuletzt auf Social Media. Allein auf Instagram hat der Hashtag #vanlife unfassbare 14,7 Millionen Beiträge (zum Vergleich, der Hashtag #Schwarzwald schafft es grade mal auf 1,8). Dort zu sehen: teils luxuriös ausgebaute Vans, dazu Menschen, die scheinbar mitten in der Wildnis den Sonnenuntergang vom Bett aus betrachten und ein Leben in absoluter Freiheit genießen. Max findet, dass dieser Trend mit Vorsicht zu genießen ist. „Für mich bedeutet Vanlife auch Freiheit, klar. Aber auf Instagram werden oft nur die richtig tollen Momente geteilt. Für mich heißt es dabei aber auch: offline sein und den Moment genießen, ohne die Bestätigung im Netz zu suchen.“ 

Auch wenn Alex und Max diese Momente auf ihrer Reise zuhauf erlebt haben, sind sie nach zwölf Monaten gerne wieder in die Heimat zurückgekehrt. Vor allem Alex fehlten am Ende der Reise eine feste Struktur und eine Aufgabe. Generell ist Vanlife nicht für jeden was: naturverbunden, ruhesuchend, flexibel, kompromissbereit und offen für Neues sollte man sein – sonst wird’s schwierig, finden die Profis.

Von der Leidenschaft zum Business

In den Schwarzwald zurückgekehrt sind die beiden übrigens nicht nur mit zwei marokkanischen Straßenhunden, die sie unterwegs aufgepäppelt haben, sondern auch mit einer Business-Idee: Sie wollen auch anderen dieses Erlebnis ermöglichen. Mit ihrem Unternehmen Black Forest Van haben sie anfänglich nur ihr eigenes Fahrzeug vermietet, mittlerweile kamen zwei weitere dazu. Für rund 850 bis 1000 Euro für einen einwöchigen Trip kann man auf Tour gehen. Außerdem bauen die beiden auch zusammen mit einem Schreinermeister Vans für ihre Kunden ganz nach deren Wünschen im Schwarzwald-Style um. Ihr aktuelles Projekt: ein vollelektrischer VW ID. Buzz – als Tiny-Camper. „Man braucht ja immer wieder auch neue Herausforderungen“, findet Max.

Obs mal eine Panne gab und was herausfordernd war?

Das erzählen Euch Alex und Max – jetzt reinhören!
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