Der Kämpfer

Frank Elstner ist eine lebende Legende. Wir trafen den Showmaster in seiner Wahlheimat Baden-Baden und sprachen mit ihm über seinen erfolgreichen Kampf gegen Parkinson, sein Engagement für den Artenschutz und die Zukunft des Fernsehens mit neuen Stars wie Joko und Klaas

Text: Ulf Tietge Fotos: Jan Reiff

Frank Elstner hat die Abendgarderobe gegen den Trainingsanzug getauscht. Wir treffen Deutschlands großen Showmaster ja auch nicht auf oder hinter einer großen Bühne, sondern im Medical Center Baden-Baden. Zwei Stunden Sport, eine Stunde Interview, dann wieder ein paar Übungen und das Beantworten der täglichen Fan-post: So ist das, wenn man den Kampf gegen eine unheilbare Krankheit als Fulltime-Job begreift. Doch schnell wird klar: Es geht Frank Elstner auch mit 81 Jahren nicht um die eigene Person – sondern um viel mehr: um unsere Welt von morgen und um die Würdigung außergewöhnlicher Mitmenschen.

Lieber Frank, du gehst seit vier Jahren offen mit Deinem Kampf gegen Parkinson um. Thematisieren statt tabuisieren – warum?

Man kann versuchen, die Öffentlichkeit zu meiden. Aber was bringt das? Irgendwann erwischt einen ja doch irgendein Reporter. Also nutze ich lieber die Öffentlichkeit und mache anderen Mut, denen es ähnlich geht wie mir.

Du hast mit Medizinern, Sportwissenschaftlern und Physiotherapeuten eine neue Therapie entwickelt, um die Krankheit aufzuhalten. Wie gut klappt das?

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich überrascht bin von der positiven Wirkung. Normalerweise wird man ja bei Parkinson von Woche zu Woche schlechter in dem, was man aushält. Ich dagegen fühle mich eher besser als schlechter. Dafür mache ich sehr viel Sport: Boxen, Tischtennis, dazu Koordinations- und Gedächtnisübungen auf Maschinen, die extra dafür entwickelt wurden. Vor einigen Jahren hat man nicht geglaubt, dass sich Zellen im Hirn erneuern können. Heute weiß man, dass es geht. Ich kann also meine Krankheit vielleicht noch nicht besiegen, aber ich kann auf jeden Fall ihre Entwicklung verlangsamen.

Was braucht es, um Parkinson ein Schnippchen zu schlagen? Disziplin? Mut? Oder einfach ein bisschen Glück?

Alles. Ich habe das Glück gehabt, mit Prof. Dr. Jens Volkmann, dem großen Parkinson-Forscher von der Uni Würzburg, den richtigen Arzt gefunden zu haben. Aber auch Marc Hohmann und André Inthorn muss man hier erwähnen, die mir als Physiotherapeuten und Sportwissenschaftler sehr helfen. Dass ich mit den beiden feststelle, dass sich viele Werte und Testergebnisse verbessern und wir echte Fortschritte machen, ist fantastisch. Es lohnt sich, diesen Kampf aufzunehmen!

Besteht die Chance, dass eines Tages auch andere von der Elstner-Therapie profitieren?

Ja! Ab sofort können Betroffene in Baden-Baden eine Intensivtherapie von zwei Wochen absolvieren, eine Kombination aus Sport- und Physiotherapie. Dabei liegt der Schwerpunkt auf motorischem und kognitivem Training, auf Koordinations- und Gleichgewichtsübungen, die mit der Physiotherapie individuell auf die Bedürfnisse angepasst werden.

Du kämpfst auch gegen das Artensterben auf unserer Welt. Elstners Reisen läuft mit großem Erfolg beim SWR und in der ARD. Was aber steckt dahinter? Eine persönliche Mission?

Auf die Idee bin ich gekommen, weil mir Tierschützer imponieren. Ich habe schon mit Heinz Sielmann ein gutes Verhältnis gehabt. Ich fand den Grzimek einen tollen Mann. Und ich habe den Zoodirektor von Karlsruhe zum Freund gewonnen, Matthias Reinschmidt, den ich bei der Auswilderung einer in freier Wildbahn ausgestorbenen Papageienart begleiten durfte.

Was aber noch kein Grund ist, um mit 80 schweißüberströmt durch den Dschungel von Borneo zu stapfen…

Wir wollen so viele Menschen wie möglich besuchen, die etwas Großes tun, um Tiere vor dem Aussterben zu retten. Menschen wie Willie Smits, der in der Zwischenzeit mehr als 1000 Orang-Utans gerettet hat und einen bewundernswerten Kampf für den Lebensraum dieser Tiere führt. Das Habitat wilder Tiere wird von uns Menschen immer kleiner gemacht, das kann man auf Borneo beobachten, in Südamerika und in Australien. Wenn wir Pech haben, gibt es in Australien in 30 Jahren keine Koalas in freier Natur mehr. Das ist doch Wahnsinn!

Man mag es sich nicht vorstellen.

Als ich zehn oder elf war, habe ich meinen Lehrer nach dem Elefanten mit den langen Haaren gefragt. Was denn das für ein Tier sei, dieses Mammut. Ein ausgestorbenes, hat er gesagt. Und wenn wir nicht aufpassen, dann bekommen unsere Kinder diese Antwort künftig bei Fragen nach ganz vielen Tieren.

Daher auch das neue Buch?

Ich habe große Tierschützer auf der ganzen Welt kennengelernt, mir ihre Argumente angehört und verbunden mit meiner eigenen Meinung und dem Wissen der Experten vom Zoo ein Buch daraus gemacht. Wir retten Tiere heißt es, und wer es kauft, unterstützt die Artenschutzarbeit vom Zoo Karlsruhe. Gleichzeitig ist es voller beeindruckender Bilder, Geschichten, Erfahrungen und nimmt den Leser mit an die Orte, an denen man für den Artenschutz kämpft.

Wenn wir bei Artenschutz sind, müssen wir auch über Nachhaltigkeit und Klimaschutz reden. Bist Du zuversichtlich, dass wir unseren Planeten nachfolgenden Generationen in einem guten Zustand übergeben?

Ich bin da nicht besonders optimistisch. Es ist fürchterlich, was im Moment in unserer Welt geschieht. Wir haben diesen schrecklichen Krieg in der Ukraine, wir haben das Artensterben, die Probleme mit der Reinhaltung des Wassers und die Klimaprobleme. Wir werden sehen, wie wir mit der Umstellung auf Elektrofahrzeuge zurechtkommen und womöglich feststellen: Das ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Ich habe Angst um meine Enkel, dass die uns eines Tages vorwerfen, „Mensch, ihr habt uns wirklich eine schlechte Welt hinterlassen“.

Was ist Deine Meinung zu den Klimaklebern, zu den Aktivisten der Letzten Generation?

Jeder, der etwas für den Klimaschutz tut, sollte bewundert werden. Bewundert werden dafür, dass er etwas tut. Aber ich würde mir bei dem einen oder anderen auch Kritik erlauben.

Inwiefern?

Ich würde sagen: Lasst euch etwas Besseres einfallen! Lasst euch etwas einfallen, was hilft, aber anderen Menschen nicht schadet. Ich möchte als 80-Jähriger ungern sagen, dass die heute 18-Jährigen alles richtig machen. Aber ich habe mich immer gefreut, wenn junge Menschen angesichts von Problemen neue Wege suchen und finden. Und mir sind Klimaschützer, die sich festkleben lassen, lieber als gleichgültige Menschen.

 

Du bist in Linz geboren, hast in Berlin und Köln gelebt, bist im Badischen aufgewachsen und warst dann viele Jahre in Luxemburg: Was ist für Dich Heimat?

Das bin ich oft gefragt worden, aber ich habe es noch nie gut beantworten können. Wenn ich ein bisschen was getrunken habe, kann ich noch immer ganz gut badisch schwätze. Ansonsten ist Heimat für mich, wenn ich gute Freunde treffe oder die Familie um mich habe. Aber auch bei Willie Smits in Borneo, in Manhattan oder auf Mallorca habe ich ein Stück Heimat.

Welche Rolle spielt Baden-Baden für Dich?

Baden-Baden ist für mich etwas sehr Besonderes, auch wenn es ein völlig falsches Image hat. Die meisten jungen Leute sagen, Baden-Baden sei eine Stadt für alte Leute und im Grunde bin ich ja auch eine Bestätigung dieser These. Aber das stimmt nicht! Die Stadt ist voller toller, junger Menschen und ich würde sagen: Es gibt mehr Elektro-Scooter als Rollatoren.

Mit Wetten,dass…? und Co. hast Du ganze Familien im Wohnzimmer zusammengebracht. Heute hat jeder seinen eigenen Screen in der Hand, streamt was, hat die Pods im Ohr – wie siehst Du diese Entwicklung?

Du meinst, dass ich ein Prophet bin? Ich kann nur sagen, was ich erlebe. Die Menschen, die ich kenne, gucken heute ganz wenig fern. Ich glaube, meine Kinder haben schon lange überhaupt kein Fernsehen mehr gesehen. Und trotzdem gibt es Sendungen, die mir Spaß machen und wo ich auch die Moderatoren gut finde.

Wen zum Beispiel?

Ich bin ein absoluter Fan von den Jungs aus Berlin, also von Joko und Klaas und dem, was die beiden auf Pro7 so anstellen. Wenn man denen nicht zuschaut, hat man etwas verpasst. Und ich bin überzeugt: Solange man so eine Art von Ereignis-Fernsehen machen kann, wird es immer Fernsehen geben.

Und was läuft ansonsten bei Deutschlands lebender Fernseh-Legende über den Bildschirm? ARD oder Netflix? RTL oder DAZN?

Alles kann vorkommen. Fußball suche ich natürlich immer, drücke dem SC Freiburg und anderen sympathischen Vereinen die Daumen. Spielshows gucke ich mir auch gern an und natürlich Günther Jauch, bei dessen Quizshows ich mit meiner Frau immer gern mitrate – und sie häufiger richtig liegt als ich.

Frank Elstner

Hörspiele für den SWF vertont, von der Schule geflogen, zum Radio – und seit 1964 beim Fernsehen: Niemand hat die deutsche Fernsehwelt so geprägt wie Frank Elstner, der eigentlich Timm Franz Maria heißt. Weil es bei Radio Luxemburg aber schon einen Tom gab und Chefredakteur Camillo Felgen nicht Tim und Tom am Mikrofon haben wollte, bekam Frank Elstner als Künstlernamen den Vornamen seines Bruders.

Elstner ist Vater von fünf Kindern und lebt mit seiner Frau Britta Elstner in Baden-Baden. Er arbeitet fürs Fernsehen, schreibt Bücher, unterstützt die Parkinson-Stiftung und ist als Content Creator so erfolgreich, dass er 2019 den Youtube Goldene Kamera Digital Award in der Newcomer-Kategorie gewann.

#heimat Schwarzwald Ausgabe 38 (3/2023)

Freut Euch in dieser #heimat auf Erdbeer-Rezepte, Schwarzwälder Van-Life, eine Boots-Tour im Elsass, ein spannendes Interview mit Frank Elstner und unser Heimatwald-Projekt – zusammen mit weiteren spannenden Menschen und ihren Geschichten. Was hat es zum Beispiel mit dem Schneekönig auf sich – im Mai? Und wer steckt hinter dem Titel Badens Winzer des Jahres? Lest selbst!

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