Klettern im Schwarzwald – mit Daniela und Robert Jasper

Die Extremkletterer Daniela und Robert Jasper haben ihr Basislager im Schwarzwald – wir klinken uns mal ein und besteigen mit ihnen den Schwedenfelsen im Schlüchttal.

Text: Jens Grosskreuz Fotos: Lorenz Guggenberger, Daniel Schoenen

Der Schwedenfelsen ist nicht die Eiger-Nordwand – abstürzen will hier aber trotzdem keiner. Konzentriert sichert Daniela Jasper ihren Ehemann Robert beim Aufstieg an der gut 40 Meter hohen Wand im Schlüchttal bei Ühlingen-Birkendorf. Die beiden sind seit Jahrzehnten eine eingespielte Seilschaft: Robert macht den Vorstieg entlang der Route mit den bereits in den Fels geschlagenen Sicherungen. Daniela passt auf, dass das Seil ihm genug Bewegungsfreiheit gibt, ihn aber auch auffängt, falls er doch einmal den Halt verlieren sollte.

So sicher, wie das Kletter-Spitzenduo den Fels bezwingt, ist das für den Betrachter aber kaum vorstellbar. Trotzdem ist die Wand ein eher unbequemer Ort für ein Interview. Wie gut, dass wir die beiden zuvor in ihrem Basislager im Südschwarzwald besucht haben.

Daniela und Robert Jasper: im Schwarzwald zuhause

Daniela und Robert leben seit 2020 in einem ehemaligen Bauernhaus im oberen Schopfheim. Bei gutem Wetter kann man durchs Fenster die Alpen sehen – dort haben sie viele Touren unternommen und die Erstbegehung einer besonders schwierigen Route an der Eiger-Nordwand gemeinsam gemeistert. In Momenten, in denen alles von Körper und Geist abverlangt wird, erinnern sie sich gerne an die Geborgenheit ihres Hauses. „Es gibt ja auch Bergsteiger, die von Expedition zu Expedition ziehen, aber ich könnte mir nicht vorstellen, komplett ohne eine Heimat zu sein“, sagt Robert.

Schon mit Anfang 20 hatte der 1968 in Waldshut geborene Extrembergsteiger mehr als 100 der schwierigsten Routen in den Nordwänden der Alpen im Alleingang durchstiegen – einige davon als Erstbegehung. Robert war zudem einer der ersten staatlich geprüften Berg- und Skiführer aus dem Schwarzwald. Er reist noch immer für ausgewählte Expeditionen um die ganze Welt – ins Everest-Gebiet im Himalaya, nach Feuerland oder Grönland. In diesem Frühjahr zog es ihn nach Patagonien.

Abwechslungsreiche Kletterrouten im Schwarzwald

Im Schwarzwald sehen die Jaspers zum einen Heimat, zum anderen aber auch Trainingsgebiet: „Wir haben Berge und Kletterfelsen fürs Training, wir können laufen und mountainbiken für die Ausdauer, es ist einfach eine tolle Landschaft mit schöner, intakter Natur“, sagt Robert.

Wen das Bergfieber gepackt hat, der hat den Schwarzwald mit seinen Granit-, Gneis- und Porphyrfelsen (alles Urgestein) nicht unbedingt auf dem Schirm, dabei gibt es auch hier abwechslungsreiche Routen mit Geheimtippcharakter. „Man kann wunderbare Abenteuer auch vor der Haustür erleben“, sagt Robert. Und kann sich so den ein oder anderen Stau auf der Fahrt in die Alpen sparen.

Neben dem Schlüchttal, wo Robert in seiner Jugend einige anspruchsvolle Routen selbst eröffnet hat, ist das Ehepaar Jasper häufig zum Trainieren im Feldberggebiet oder Albtal. Klettern könne man laut Daniela aber nicht jeden Tag, da Ruhephasen wichtig sind – aber in der Regel sind sie jeden zweiten Tag in den Felsen oder in der Boulderhalle. Anfängern empfiehlt Jasper, erst unter fachkundiger Anleitung in der Kletterhalle das Klettern zu erlernen. „Die Natur ist nicht genormt, die Gesteinsqualitäten nicht immer gleich. Es kann immer passieren, dass ein Griff abbricht“, sagt Robert.

Klettern: Die beste Begleitung

Wer sich das erste Mal zum Klettern nach draußen wagt, sollte daher unbedingt einen erfahrenen, geprüften Bergführer an der Seite haben. Gut, wenn man sich an einer steilen Wand blind auf den Partner verlassen kann. Die Seilschaft aus Daniela und Robert hält schon seit 1993. Kennengelernt haben sich die beiden in den Felsen des Basler Jura. Viele gefährliche Situationen haben die zweifachen Eltern gemeistert.

Auch, als es vor sechs Jahren nicht gut um Robert stand: Eine schwere Lebensmittelvergiftung nach einer Kletterreise hatte katastrophale Auswirkungen auf seinen Organismus. „Da machst du dein Leben lang die gefährlichsten Kletterrouten und dann erwischt dich ein Ziegenkäse“, ergänzt Robert mit Galgenhumor. Aber beim Bergsteigen lernt man eben damit umzugehen, wenn das Leben anders läuft als geplant.

„In meiner Krankheitszeit habe ich das so gehandhabt wie eine Expedition: Ich muss da jetzt eben durch ein ganz tiefes Tal.“ Beim Klettern ist klar: Man kann mittendrin nicht aufgeben, man muss die Route bis zum Ende durchziehen. Das ist bei den Jaspers zur Lebenseinstellung geworden. „Man entwickelt als Bergsteiger auch eine gewisse Resilienz gegenüber den Widrigkeiten des Lebens – Kälte, Hunger, Müdigkeit“, sagt Daniela.

Genuss mit Ausblick

Eines von Roberts jüngsten Abenteuern: Von einem Filmteam des Bayerischen Fernsehens begleitet ist er im vergangenen Sommer mit dem Fahrrad von Schopfheim bis zum Fuß der Eiger-Nordwand geradelt und dann 1800 Meter vertikale Fels- und Eiswände hochgeklettert. Ein schon länger gehegter Traum. Die Verbindung zwischen seiner Heimat und dem Berg, der ihm und seiner Frau so viel bedeutet, habe er komplett aus eigener Kraft schaffen wollen, sagt Robert. Oben an der Wand gab es zur Belohnung eine auf dem Gaskocher gekochte Biersuppe. Zutaten: Ein Bier und großartige Aussicht!

So adrenalingeladen und puristisch geht es beim Ehepaar Jasper aber nicht immer zu: Sie lieben es, Spaziergänge mit einem Stück Schwarzwälder Kirschtorte zu feiern. „Wir sind schon auch Kaffee-Tanten und wissen zu genießen. Wenn du wochenlang frierend in der Kälte hockst, dann weißt du auch die Gemütlichkeit zu schätzen“, sagt Robert. Zwischen den Polen Kirschtorte und Kletterpartie gibt es viel zu entdecken – nicht nur für Extrembergsteiger. Es lohne sich immer, aus der Haustüre zu treten und in den Schwarzwald zu gehen, finden die Jaspers. „Und wenn man das wie bei einer Expedition auch mal allein macht, dann wird man merken, wie diese Natur eine Ruhe und Energie gibt und man viel entspannter zurückkehrt. Es muss nicht immer das Extreme sein. Irgendwo dazwischen kann definitiv jeder Mensch ansetzen“, rät Robert.

Klettersteige im Schwarzwald

Teufelsfelsen

Das Holz-Chalet Teufelsfelsen am Hilserhof in Triberg ist ein besonderes Basislager für Kletterfans: mit eigenem Boulder-Bereich, Kletterwand am Haus und dem Teufelsfelsen mit rund 25 Kletterrouten direkt in der Nähe. Nach der Kraxelei wartet Entspannung im Whirlpool.

Naturferien Hilserhof
Obertal 5, 78098 Triberg-Gremmelsbach
Telefon: 0 77 22/91 98 86
naturferien@hilserhof.de
hilserhof.de

 

Battertfelsen

Der Battertfelsen bei Baden-Baden zählt zu den traditionsreichsten Klettergebieten im Schwarzwald – mit 15 bis 60 Meter hohen Felsen und bekannten Routen wie Turm des Übermuts, Villa Steig oder Predigtstuhl. Wegen brütender Falken ist die Badener Wand vom 15. Januar bis 31. Juli gesperrt; bei schlechtem Wetter bietet die DAV-Kletterhalle am Bahnhof Baden-Baden eine Alternative.

Deutscher Alpenverein e.V.
Sektion Baden-Baden/Murgtal
Flugstraße 17, 76532 Baden-Baden
Telefon: 0 72 21/96 85 13
alpenverein-baden-baden.de

 

Kletterfelsen Todtnau

Der Kletterfelsen Todtnau im Hochschwarzwald bietet Routen von Grad 3 bis 7c sowie zwei Klettersteig-Varianten durchs Schwimmbadfelsmassiv. Das Stahlseil dient dabei nur zur Sicherung, nicht als Kletterhilfe. Kurse für Gruppen bietet die Kletterfreunde Todtnau an.

Kletterfreunde Todtnau
Nesslerstraße 25, 79674 Todtnau
Telefon: 0 76 71/86 72
info@kletterfreunde-todtnau.de
kletterfreunde-todtnau.de

 

Gfällfelsen

Die Gfällfelsen bei Oberried zählen zu den größten Klettergebieten im Südschwarzwald – mit rund 100 Routen an bis zu 70 Meter hohen Felsen. Dank guter Absicherung, vielfältiger Schwierigkeitsgrade und Klassikern wie dem Studentenweg eignet sich das Gebiet auch für Familien und Einsteiger.

Black Forest Magic
Ob der Hohlen 8, 79227 Schallstadt
Telefon: 0 76 64 / 613 77 00
info@BlackForestMagic.de
blackforestmagic.de

 

Karlsruher Grat

Der Karlsruher Grat bei Ottenhöfen verbindet Wandern und Kraxeln: Der 13 Kilometer lange Genießerpfad führt über die Edelfrauengrab-Wasserfälle hinauf zum 400 Meter langen Felsengrat. Der ungesicherte Klettersteig erfordert Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und feste Schuhe – bei Regen besser die Alternativroute über den Dreierschrofen nehmen.

Genießerpfad Karlsruher Grat
Dauer 4:35 h
Länge: 12,5 Kilometer
660 Höhenmeter
ottenhoefen.de

 

#heimat Schwarzwald Ausgabe 53 (2/2026)

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