Die besten Hausmittel bei Erkältungen

Kräuterpädagogin Corinna Plege verrät uns, wie man Tinkturen, Sirup und Tee ganz einfach selber herstellt

Text: Verena Vogt · Fotos: Galina Ens

Hust! Röchel! Schnief! So schlimm wie in diesem Winter hat uns die Erkältungswelle schon lange nicht mehr erwischt. Zum einen werden bislang deutlich mehr Infekte als in den vergangenen Jahren vermeldet, zum anderen erleben viele von uns – nach zwei Jahren Corona-Schutzmaßnahmen und entsprechend untrainierten Immunsystemen – auch heftigere Erkrankungen als sonst. Trotzdem gilt: Wenn die Nase läuft, der Hals kratzt oder der Kopf weh tut, muss man nicht immer gleich zu Fiebersaft, Antibiotika oder Aspirin greifen. Schnell und einfach hergestellte Hausmittel aus heimischen Kräutern und nach altbewährten Rezepturen können bei kleineren Leiden oft genauso gut helfen wie die Medikamente aus der Apotheke – oder dafür sorgen, dass man gar nicht erst erkrankt …

Das Aspirin der Natur

Eine, die genau weiß, welches Kraut bei welchen Wehwechen Wunder wirkt, ist Kräuterpädagogin Corinna Plege aus Marxzell. Seit 15 Jahren beschäftigt sie sich mit der Heilwirkung heimischer Pflanzen und veranstaltet regelmäßig Kräuterwanderungen im Schwarzwald. „Ein absolutes Hammerkraut bei Erkältungen und Kopfschmerzen ist zum Beispiel Mädesüß“, sagt die Expertin. Wegen seiner schmerzlindernden Substanz Salicylsäure wird das Rosengewächs auch als Aspirin der Natur bezeichnet. „Ich bereite daraus gerne meinen Kopfwehtee zu (siehe unten) zu, das hilft hervorragend bei Spannungskopfschmerzen. Dazu stärkt Mädesüß das Immunsystem und schmeckt dank seiner leichten Vanillenote auch richtig lecker!“ Eine Mädesüßtinktur aus klein geschnittenen Kräutern und hochprozentigem Schnaps (siehe unten) könne zudem vor Atemwegserkrankungen schützen, so Plege. Das habe etwa auch ihrer zu Lungenentzündung neigenden Oma geholfen, in ihren letzten Lebensjahren gut durch die kalte Jahreszeit zu kommen.

Wichtig sei aber, die Tinktur nicht das ganze Jahr hindurch zu nehmen: „Wenn alle um einen herum anfangen zu husten und zu niesen, nimmt man die Tinktur etwa zwei Wochen lang vorbeugend ein.“ Und: Man sollte auch nicht immer nur dieselbe Tinktur verwenden. „Ich empfehle, etwa alle vier bis sechs Wochen das Kraut zu wechseln. Sonst gewöhnt der Körper sich zu sehr an die Inhaltsstoffe.“

Frisch von der Wiese

Gut also, dass man eine Kräutertinktur aus so ziemlich allen heimischen Heilpflanzen herstellen kann. Aus Spitzwegerich zum Beispiel, der reizlindernd und antibakteriell wirkt und gut bei Entzündungen im Rachenraum oder Husten hilft. „Man nimmt entweder jeden Tag einen Teelöffel der Tinktur ein oder gurgelt damit, das beruhigt den Hals ungemein“, sagt Plege. Den Spitzwegerich verwendet sie außerdem für ihren selbstgemachten Honigsirup (siehe linke Seite), den sie am liebsten pur oder im Tee genießt. „Natürlich sollte man auch nicht vergessen, dass man Spitzwegerich – wie alle Heilkräuter – einfach direkt und unverarbeitet von der Wiese essen kann“, so Plege. „Sie werden merken, dass das dann oft erst mal bitter schmeckt, weil unser Gaumen nicht mehr an Bitterstoffe gewöhnt ist. Tatsächlich sind sie aber ungemein wichtig für unsere Leber, den Magen und den Darm.“

Coole Minze, wärmender Ingwer

Jetzt aber wird erst mal geerntet. Aus ihrem herrlich duftenden Kräutergarten holt Plege ein paar Zweige Minze, die sie neben ihrem Kopfwehtee auch für Fieberwadenwickel verwendet. „Wichtig ist grundsätzlich, Minze nur dann bei Erkältungen zu verwenden, wenn man nicht friert“, erklärt die Kräuterexpertin und ergänzt: „Wer schlottert, sollte besser zu einem wärmenden Ingwer-Zitronen-Tee greifen.“ Für ein gutes Raumklima landet getrocknete Minze bei Plege zudem regelmäßig auf dem Räucherstövchen, denn: "Minze stärkt die Konzentration, versorgt Körper und Geist mit Energie, wirkt er- frischend und reinigt außerdem die Raumluft.“ Wieder was gelernt!

Verjüngender Salat

Wer am liebsten gar nicht erst krank werden will, sollte indes öfters mal Wiesen-Labkraut an seinen Salat geben. Es stärkt nicht nur das Immunsystem, sondern enthält neben Vitamin C auch jede Menge Kieselsäure – „das beste Anti-Aging-Mittel überhaupt!“ Darüberhinaus wirkt es entzündungshemmend und stärkt die Nerven. „Für mich ist es ein ganz tolles Salatkraut – genau wie Sauerampfer“, so Plege. Letzterer sei besonders wegen seiner säuerlichen Note eine leckere Ergänzung im Salat und helfe wegen seines hohen Gehalts an Vitamin C ebenfalls dabei, das Immunsystem zu stärken. Und auch der Brennnessel – in vielen Gärten ein eher unbeliebter Gast – kann sie nur Gutes abgewinnen. „Wussten Sie, dass die Brennnessel sieben Mal so viel Vitamin C wie eine Orange enthält? Statt die Pflanze zu bekämpfen, sollte man sie besser ernten und einen Salat oder Smoothie damit aufpeppen.“

Spricht’s, verschwindet in ihrer winzigen Küche und kommt wenige Minuten später mit einem frisch gemixten Hagebutten-Brennnessel-Smoothie (siehe unten) wieder zurück. „Möchten Sie mal probieren?“ Na, da höre ich mich nicht „Nein“ sagen! Schon beim ersten Schluck merke ich, dass der mit Sanddorn und Orangensaft abgerundete Drink nicht nur wahnsinnig gut schmeckt, sondern mir genau den Energiekick gibt, den ich an diesem trüben Dezembermorgen bitter nötig habe. 

Heilende Hagebutte

Für den Smoothie verwendet Plege getrocknete Hagebuttenfrüchte, die sie in einem Mixer zu feinem Pulver verarbeitet. Das wiederum nutzt sie außerdem, um einen pflegenden Lippenbalsam mit Shea- und Kakaobutter herzustellen (siehe unten) – eine wahre Wohltat für winter-spröde Lippen. „Die Hagebutte ist auch so ein Alleskönner“, sagt Plege. „Sie stärkt die Immunabwehr, wirkt schmerzlindernd, entzündungshemmend und dazu noch antioxidativ. Deshalb verwende ich das Pulver das ganze Jahr hindurch.“

Möglich ist das natürlich nur, wenn man vorausplant. Denn Labkraut, Sauerampfer und viele andere Heilpflanzen gedeihen zwar von Januar bis Dezember – Mädesüß, Brennnesseln oder Hagebutte aber haben nur kürzer Saison und müssen getrocknet werden, um sie das ganze Jahr über nutzen zu können. Und auch hier hat die Kräuterfachfrau ein paar wichtige Tipps parat. „Im Prinzip ist es ja simpel, Sie hängen die Kräuter einfach auf – aber nur für maximal drei bis vier Tage“, erklärt Plege. Bei hoher Luftfeuchtigkeit dürften es auch mal fünf sein. Mehr braucht es normalerweise nicht – denn wenn die Kräuter zu lange hängen, verlieren sie schnell ihre Inhaltsstoffe und werden wertlos. „Wenn man die Kräuter nach dem Trocknen dann dunkel und luftdicht lagert, halten sie sich etwa ein Jahr.“

Die Vielfalt vor der Haustür

All dieses fast vergessene Wissen rund um Heilkräuter und ihre Anwendungsmöglichkeiten teilt Plege auf ihren Kräuterwanderungen, die von März bis September etwa einmal im Monat stattfinden. Meist geht es dabei von ihrem Zuhause am Waldrand von Marxzell aus über die Wiesen und Felder des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord – und die Teilnehmer staunen oft nicht schlecht, welche Vielfalt man bei uns direkt vor der Haustür findet.

„Das Tolle ist ja: Labkraut, Spitzwegerich und viele andere Heilkräuter findet man bei uns im Schwarzwald auf so ziemlich jeder heimischen Wiese“, sagt Plege begeistert. „Bei uns im Ort wächst der Sauerampfer sogar direkt am Bahnhof! Und ich freue mich einfach, wenn ich den Menschen so etwas mehr Achtsamkeit für ihre Umgebung beibringen kann.“

Tinkturen

1 Handvoll Kräuter Eurer Wahl (z.B. Mädesüß,
Spitzwegerich, Labkraut, Kunigunde oder Gänseblümchen)
Schnaps (40% Vol.)

Kräuter waschen, trocknen und in etwa 1 cm große Stücke schneiden. In ein kleines Gefäß geben, sodass es zu etwa drei Vierteln gut gefüllt ist. Jetzt mit Schnaps auffüllen, sodass alles gut bedeckt ist. Etwa vier bis sechs Wochen ziehen lassen, durch ein Sieb geben und in eine Flasche abfüllen. Bei Bedarf täglich 1 TL einnehmen oder damit gurgeln.

Mädesüßtee

1 EL getrocknetes Mädesüß
1 EL getrocknete Minze
1 TL Spitzwegerich-Sirup
(optional)

Das getrocknete Mädesüß mit der Minze in einen Teebeutel geben.

Mit kochend heißem Wasser überbrühen und 5–10 Minuten ziehen lassen. Wer es lieber süßer mag, gibt noch etwas Spitzwegerich- Sirup oder Honig dazu

Spitzwegerich-Sirup

1 Handvoll Spitzwegerich
Schwarzwald-Honig
vom Imker
Zitronensaft (optional)

Die Zubereitung ist dieselbe wie bei der Tinktur, nur dass Ihr Euer Gefäß mit Honig statt mit Schnaps auffüllt. Darauf achten, dass alle Kräuterstückchen mit Honig bedeckt sind, damit euer Sirup nicht schimmelt. Nach vier Wochen durch ein Sieb geben, nach Belieben ein paar Spritzer Zitronensaft unterrühren und im Tee oder pur genießen. Hält etwa ein Jahr.

Hagebutten-Lippenbalsam

10 g Sheabutter
6 g Kakaobutter
16 g Mandelöl
2 TL Hagebuttenpulver 
Teebeutel
8 g Bienenwachs

Sheabutter und Kakaobutter in einem Wasserbad schmelzen. Das Hagebuttenpulver in einen Teebeutel geben und zusammen mit dem Mandelöl zur Buttermasse geben. Eine Stunde bei geringer Hitze im Wasserbad ziehen lassen. Den Teebeutel ausdrücken und entfernen. Das Bienenwachs im heißen Öl auflösen, die Masse in eine Lippenstift-Hülse füllen und erkalten lassen.

Hagebutten-Brennnessel-Smoothie

1 kleine Banane
1 EL Sanddornsaft
1 TL Hagebuttenpulver
1 TL getrocknete Brennnesselblätter
200 ml Orangensaft

Banane schälen. Zusammen mit den restlichen Zutaten in ein hohes Gefäß geben und pürieren. Wer mag, gibt noch etwas Hafermilch hinzu. Fertig!

Gut gerüstet

Mit Kräutern oder Gewürzen das Immunsystem zu stärken, wird in Deutschland immer mehr zum Trend. Laut einer Yougov-Umfrage aus dem vergangenen Jahr verwenden 30 Prozent der männlichen Befragten und 40 Prozent der Frauen Heilkräuter im Winter. Dazu stehen Gewürze wie Ingwer und Kurkuma bei 37 Prozent der Männer und 46 Prozent der Frauen regelmäßig auf dem Speiseplan.
Kräuterpädagogin Corinna Plege veranstaltet übrigens regelmäßig Kräuterwanderungen für bis zu 15 Personen. Die nächste findet am 19. März in Wolfartsweier bei Karlsruhe statt. Mehr Infos unter: www.es-gibt-kein-unkraut.de

 

#heimat Schwarzwald Ausgabe 36 (1/2023)

Seid ihr auch schon im Fasnachtsfieber? Wir freuen uns wie Bolle, dass dieses Jahr endlich wieder richtig gefeiert werden kann – und haben uns deshalb für die neue Ausgabe der #heimat schon mal in Schale geworfen. Wie es dabei zuging, seht ihr hier! Und wie ihr bei unserer großen Fasnachtsaktion „Narr der Woche“ mitmachen könnt, erfahrt ihr ab Donnerstag – dann gibt’s die neue #heimat überall am Kiosk. Narri narro!

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