Menschen von hier

Der höchste Schwarzwälder

Hoch, höher, noch höher. Ralf Dujmovits aus Bühl ist der Mann für die großen Taten im Hochgebirge. Er hat fast alles erreicht, was ein Bergsteiger erreichen kann. Und was er nicht geschafft hat? Wie fühlt sich das an? Das hat uns auch interessiert

Text: Pascal Cames
Bild 1

IN DER HEIMAT Hier ist er aufgewachsen. Nicht weit weg von dieser Schutzhütte in Kappelwindeck liegt der legendäre Skibuckel, auf dem er Skifahren gelernt hat. 200 Meter Schuss! Seine Jogging-Strecke führt hier auch vorbei

Was sagt einer, der schon die Eiger-Nordwand bezwungen hat, auf dem 8125 Meter hohen Nanga Parbat stand und überhaupt schon auf allen 8000er-Gipfeln war? „Hallo, ich bin der Ralf!“ Das sagt er dann im sympathischen Bühler Dialekt. Der Ralf, das ist der Ralf Dujmovits, 59, der vielleicht nicht ganz so bekannt ist wie Reinhold Messner oder die Huber Buam. Aber warum eigentlich? Müssen einem erst die Zehen abfrieren und braucht’s irre Bergdramen? Ja gell, anders geht’s halt auch.

Klettern lernen im Schwarzwald

Wie bei so vielen, die von einem Thema bis zu den Haarspitzen besessen sind, beginnt auch bei Ralf die Leidenschaft für die Berge in der Kindheit. Sein Vater, ein gebürtiger Sudetendeutscher und begeisterter Kletterer, hat ihn schon als kleinen Kerl in den Schwarzwald mitgenommen. Ralf, der sich heute überall in der Welt auskennt, hat die Kletterei in der Heimat gelernt. Im Gottschlägtal (Karlsruher Grat) bei Ottenhöfen und „oben bei Baden-Baden“ ging er zum ersten Mal in den Fels. Bis sein Vater 80 Jahre und älter war, sind sie jedes Jahr zusammen geklettert, zunächst im Badischen, dann in den Alpen, später dann eine Nummer kleiner, Klettersteige. Die Beziehung zum Vater ging weit über eine normale Vater-Sohn- Beziehung hinaus. Das liegt daran, dass man in den Bergen eine Seilschaft eingeht. „Man legt sein Leben in die Hände eines anderen.“ Ein falscher Handgriff, ein schlechter Knoten oder einmal nicht aufpassen und es geht schlecht aus.

Risiko minimieren, keine Fehler machen

Obwohl massive, graue Wolken über das Tal ziehen, sind sogar noch die Vogesen zu sehen. Ab und zu weht ein Schwall Regen in die Schutzhütte hinein. „Ich liebe es, wenn der Wind so knallt“, ruft er in den Sturm. Aber es geht ja bekanntlich noch härter, Ralf erzählt dann von Patagonien, wo man sich „in den Wind hineinlegen kann“. Er streckt die rechte Hand in den Wind und schwärmt von den Baggerseen, den Reben, dem Battert und wieder von der Hütte über Bühl. „Hier habe ich geheiratet“ – seine frühere Frau Gerlinde Kaltenbrunner ist vom Fach, gehört zu den erfolgreichsten Höhenbergsteigerinnen. Er hängt sehr an der Heimat. Ralf berichtet von seiner Kindheit, von der Anhöhe über Bühl, der Guckenhütte. Ralf gehört nicht nur zum kleinen Kreis derjenigen, die es nach ganz oben geschafft haben, sondern bei denen noch alles dran ist. Finger, Zehen, keine Erfrierungen, keine Amputationen. Von den 16 Bergsteigern, die auf allen 8000ern waren, haben nur zwei keine körperlichen Schaden davongetragen. Woran liegt’s? Vielleicht am Risikomanagement. „Das richtige Wetter, die richtige Tour, der richtige Partner“, zählt Ralf auf. „Es sind immer Fehler gemacht worden.“

Von Gipfel zu Gipfel

Was er nie bereut hat, ist seine Reise als junger Mann nach Südamerika. Danach war’s eigentlich um ihn geschehen und auch acht Semester Medizinstudium und zwei tolle Jahre in einem Tübinger Krankenhaus konnten daran nichts ändern, dass er für einen normalen Beruf nicht mehr zu gebrauchen war. Es folgte eine fast beispiellose Tour durch die Welt, er hat alle Alpenviertausender bestiegen, die Seven Summits (die höchsten Gipfel aller Kontinente) bezwungen, hat an Antarktisexpeditionen teilgenommen und vieles mehr. „Ich bin gerne abenteuerlich unterwegs“, sagt er auf seine lässige Art. Der frühe Entschluss, eine Firma für Bergreisen zu gründen, war richtig. „Das war wie eine Lizenz zum …“, Ralf überlegt einen Moment und sagt nicht „zum Geld drucken“, sondern „zurelativ guten Leben“. 15 Bergführer, fünf Leute im Büro und er immer am Telefon, so beschreibt er sein Leben als Firmenchef.

2011 verkaufte er die Firma und lebt seitdem etwas entspannter, macht immer noch Bergtouren, verkauft Fotos und Videos, klettert für sich, arbeitet als Speaker. „Aber nicht als Motivationstrainer“, stellt er klar. „Ich will nicht erzählen, was wir machen sollen.“

Nicht jedes Ziel erreicht

Dass alles im Lot ist, sieht man ihm an. Die Gesichtsfarbe ist von einem hellen Braun, sein Lachen ansteckend, sein Blick offen, sympathisch, strahlend. Kein Gramm zu viel auf den Rippen, davon ist auch durch die Outdoorkleidung auszugehen. Drahtig, neugierig und erzählfreudig berichtet er dann auch von seinen Versuchen, den Everest auch ohne Sauerstoffzufuhr zu besteigen. Mehrere Jahre in Folge versuchte er es, aber Erdbeben, zu wenig Luft, ein höhenkranker Partner und andere Gründe mehr vereitelten die Besteigung des höchsten Berges der Welt ohne Sauerstoffgerät. „Ich habe wohl ein Jahr auf dem Everest verbracht“, rechnet er seine Lebenszeit zusammen, die er dort oben war. Dass er es auf diesen Gipfel nie ohne Sauerstoffgerät gebracht hat, nimmt er jetzt so hin. „Es tut schon ein bisschen weh, aber ich kann gut damit leben.“ Keine Obsession.

30 Minuten für 30 Meter

Aber es gibt ja noch viele andere Ziele und Herausforderungen und hier beginnen die Augen wieder zu leuchten. Sportklettern reizt ihn, zum Beispiel auf den griechischen Inseln. Das vergleicht er mit einem Puzzle, bei dem nur die richtigen Bewegungen, Schritte, Tritte, Schwerpunktverlagerungen weiterführen. Manchmal braucht’s eine halbe Stunde für 30 Meter. Zudem gibt es tatsächlich noch ein paar Gipfel auf der Erde, die noch nicht bestiegen sind. „Es gibt noch weiße Flecken“, sagt er wie einer dieser Entdecker vor 100 Jahren. Im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan gäbe es noch 8000er-Gipfel, die bislang wegen Krieg und der Taliban gesperrt waren. Auch 6000er hat es noch zuhauf und die sind mit Sicherheit genauso anspruchsvoll wie so manch ein 7000er. Was ihn aber nicht mehr so reizt, ist eine Nordwand. Zu kalt. Ralf aus Bühl hat schon so einiges gerissen, beweisen muss er niemanden was. Ein sonniger Typ im Hier und Jetzt. www.ralfdujmovits.de

Ralfs Top Five im Schwarzwald

Ralf Dujmovits klettert gerne auf der ganzen Welt, aber im Schwarzwald hängt er
auch gerne in der Wand. Hier seine Top Five:

1. Battert, Baden-Baden
2. Falkenfelsen, oberhalb von Bühl
3. Gfäll bei Oberried/Freiburg
4. Todtnauer Klettergarten
5. Albtal bei Albbruck

#heimat Schwarzwald Ausgabe 29 (6/2021)

#heimat, Ausgabe 29 (6/2021)

Schöne Bescherung: Mit dem Oldtimer durch den Schwarzwald und dann 'ne fette Gans unter der Haube.

Jetzt bestellen!

Jetzt kaufen

Weitere tolle Artikel aus der #heimat

Café Heimatliebe
Ausgehen

Café Heimatliebe

Epfendorf – getestet von Lars
Wendlinger Schiere
Ausgehen

Wendlinger Schiere

Freiburg i.Br. – getestet von Jens & Michael
Mosers Blume
Ausgehen

Mosers Blume

Haslach i.K. – getestet von Karl & Ulla
Kartoffelhaus
Ausgehen

Kartoffelhaus

Freiburg i.Br. – getestet von Jessica & Larissa