Wie im Schwarzwald besondere Holzküchen entstehen

Paul Claussen baut im Schwarzwald außergewöhnliche Küchen aus Holz – individuell geplant und handwerklich umgesetzt.

Text: Stephan Fuhrer · Fotos: Jigal Fichtner

Was haben ein Schiff und eine Küche gemeinsam? Man könnte über diese Frage trefflich philosophieren, wenn man möchte. Mit beiden kann man zum Beispiel auf Reisen gehen: einmal in die große weite Welt und einmal in die Welt des großen Geschmacks. So was in der Art. Man könnte auch von Kapitänen fabulieren, von Abenteuern – aber irgendwie wäre das ja alles auch schräg von hinten durch die Brust ins Auge. Deshalb fragt man am besten einfach bei Paul Claussen nach. Der Mann hat früher mal in Hamburg Schiffe gebaut – und macht jetzt im Schwarzwald ziemlich stylische Küchen. Lebenswege gibt’s …

 

Ab durch den Getränkeautomat!

Wer mit Paul tiefer in seine Geschichte eintauchen will, kann ihn wie wir in seiner Kreativhöhle in Ohlsbach besuchen – im Studio Biom in einer ehemaligen Zimmerei, direkt an der alten Hauptstraße gelegen. Die Säge, mit der gerade aus einem massiven Stück Esche einzelne Holzbretter herausgeschnitten werden, dröhnt bis auf die Straße. Über ihr hängt ein Schiffsrumpf an Seilen von der Decke. „Ein aus Hamburg mitgebrachtes Projekt für irgendwann mal“, sagt Paul schmunzelnd und läuft mit uns zielgerichtet auf einen alten Getränkeautomaten zu.

Erstmal was trinken? Nope. Mit einem Handgriff öffnet sich das Ding und gibt den Blick in die hinteren Räumlichkeiten frei – in den Denkraum wie Paul das hier nennt. Hier präsentiert der Designer und Küchenbauer auch das ein oder andere Veranschaulichungsprojekt: edle freistehende Module und Schränke stehen hier, schlicht und dennoch mit ihren vielen erkennbar handgearbeiteten Details direkt ins Auge fallend. Imposant! Genau wie der Weg hierhin. Der Automat ist eine Tür? „Ein kleiner Gag“, erklärt Paul grinsend. Allerdings einer, der direkt etwas über die Art aussagt, wie dieser nicht so ganz gewöhnliche Küchenbauer offensichtlich denkt: out of the box und gleich noch mit um die Ecke. Kreativ und schöpferisch, dabei aber zielgerichtet. Eine Idee? Super! Macht sie Sinn? Dann mal los!

 

Mehr Designstudio als Tischlerei

Mit diesem Mindset geht der Ohlsbacher Küchenbauer schließlich auch auf seine Kunden zu. „Die eigene Küche ist ein sehr persönlicher Ort“, erklärt Paul. Und vor allem ein zentraler: Hier treffen sich Paare, Freunde und Familie, verbringen Zeit, sprechen, genießen, leben ihren Alltag. „Genau deshalb reden wir am Anfang mit unserem Kunden erstmal über persönliche Dinge, wollen herausfinden, wie die Küche später genutzt wird und welches Gefühl sie dabei vermitteln soll“, so der Küchenbauer, der eigentlich gelernter Schiffs- und Bootsbaumeister ist und anschließend ein Design-Studium absolvierte. Letzteres (und die Tatsache, dass er selber leidenschaftlich gern in der Küche steht) habe ihn schließlich auch zum Thema gebracht. „Durch mein Studium fokussierte ich mich immer mehr auf den Menschen als Nutzer in seinem individuellen Umfeld. Und das ist in Küchen eben besonders stark ausgeprägt“, erläutert er. Sein Business versteht Paul entsprechend auch nicht als klassische Küchentischlerei, sondern als Designstudio, das sich auf Objekte und Interaktionen in der Küche spezialisiert hat.

Mit den entstandenen Ideen und Entwürfen geht es dann wieder in den Austausch mit den Kunden. Und schließlich ans Umsetzen. Was dann am Ende eines Auftrags rauskommt, sind hoch individualisierte Küchen, ästhetisch und dennoch funktional aus langlebigen Materialien, die ebenfalls gerne einen persönlichen Bezug haben dürfen. „Wenn jemand seinen eigenen Baum aus dem Garten dafür verwenden möchte, dann machen wir das“, sagt Paul. Ansonsten suche man gemeinsam mit den Kunden besondere Holzbohlen aus und verarbeite diese dann.

„Im Schwarzwald sind die Möglichkeiten, mit regionalem und besonderem Holz zu arbeiten, ja auch noch mal bedeutend spannender als in meiner alten Heimat“, sagt Paul. Spanplatten und dergleichen kommen im Studio Biom jedenfalls nicht zum Einsatz „Zuletzt waren wir zum Beispiel mit Räuchereichenbohlen am Werkeln“, erzählt Paul weiter. Dafür wird das Holz mit Ammoniak bedampft, wodurch es sich schließlich dunkel bis schwarz färbt. „Dazu dann Edelstahl – das sieht mega aus!“, schwärmt der Küchenbauer, der mit David Riehle einen weiteren Schreiner-Meister beschäftigt. Pauls Frau Nathalie kümmert sich mit ums Marketing und ums Backoffice – und ansonsten gemeinsam mit Paul noch um den Nachwuchs. Und das ist sie dann auch schon, die gesamte Studio-Biom-Mannschaft.

 

Die freistehenden Schränke, Tische und Module werden schließlich noch mit wertigen technischen Gerätschaften ergänzt und dann vor Ort beim Kunden persönlich angeliefert und fertigmontiert. Oberschränke gibt es zusätzlich keine. Die brauche es in einer gut geplanten Küche auch nicht, findet Paul, der seinen Kunden dafür lieber offene (mitunter ebenfalls selbst entworfene Metall-) Regale ans Herz legt. Allein schon aus ästhetischen Gründen. Was das alles kostet? Das hänge natürlich von den Materialien und Gerätschaften ab. Nach oben hin gebe es da keine Grenzen. „Aber ich sag mal so: Eine individuelle Küche kann und muss auch erschwinglich sein. Wir beraten unsere Kunden dazu gern“, sagt Paul.

Bleibt die Frage, wie ein Schiffsbauer wie er denn überhaupt von Hamburg in den Schwarzwald kommt. „Der Klassiker, meine Frau ist von hier. Und ich hab mich mit meinem Holzfaible natürlich schnell dem Schwarzwald zugeneigt gefühlt“, berichtet Paul. Vermissen tut er manchmal das Stadtleben, und natürlich die Schiffe. Zum Glück hat er eines mitgenommen. Wenn das wieder in Schuss sei, müsse er allerdings noch rauskriegen, wo man hier den Stapellauf machen kann. „Die Kinzig scheint mir dafür nicht so ganz geeignet“, sagt Paul und muss lachen.

Mehr über Paul und sein Studio Biom

… und natürlich auch noch mehr Küchenbilder gibt es auf Studiobiom.

#heimat Schwarzwald Ausgabe 51 (4/2025)

Die Winterausgabe ist da – und bringt alles mit, was diese Jahreszeit im Schwarzwald so besonders macht: Glühwein an kalten Fingern, leise knirschenden Schnee und Geschichten, die wärmer machen als jede Sauna.

In dieser Ausgabe begleiten wir unseren Reporter mitten hinein in den Freiburger Weihnachtsmarkt, wo er zwischen Striebele, Schlangen und Schmunzlern Glühwein zapft, bis die Brille beschlägt. Außerdem tauchen wir ein in die neue „Marie-Mania“: Die kleine Schwarzwald-Marie reist weiter um die Welt, sorgt für Kultmomente – und für jede Menge Herzklopfen bei Sammlern.

Dazu gibt’s wie immer Genuss, Handwerk, Rezepte und jede Menge Schwarzwald zum Wegträumen. Ein Heft zum Einmummeln, Durchblättern und Dableiben.

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