Mit der Rangerin unterwegs auf Schneeschuhen

Schneeschuhwandern im Nationalpark Schwarzwald: Ein besonderes Erlebnis! Wer eine Rangerin dabei hat, lernt dabei noch einiges über Tiere und Menschen…

Text: Jana Welle Fotos: Ulrike Klumpp

Flapp, flapp, flapp. Im Gänsemarsch gleiten wir über den Schnee. Um uns herum nur Wald und Weite. Was immer wieder ins Auge sticht: Spuren im Schnee. Ein Auerhuhn, ein Fuchs oder sogar ein Wolf? Immerhin hat Rangerin Nadine Berger, die unsere Gruppe anführt, schon mal einen Blick erhaschen können auf den sesshaften Rüden, der um die Hornisgrinde streift. Nadine und ihre Kollegen bieten immer wieder geführte Touren durch den Nationalpark Schwarzwald an – wenn genug Schnee liegt, mit Schneeschuhen. Denn das hat einen besonderen Reiz, gerade, wenn Neuschnee gefallen ist und das Schutzgebiet unter einer unberührten weißen Decke ruht. Auch ohne Wolf am Horizont fühlt man sich da wie in „Ruf der Wildnis“ von Jack London…

Auf zum Ruhestein!

Schon seit Jahrtausenden nutzt der Mensch Schneeschuhe, um Energie zu sparen und in der weißen Masse besser voranzukommen. In den kalten Schwarzwälder Wintern waren die einst mit Lederriemen bespannten Holzreifen oder Fassdauben das Mittel der Wahl, um den Nachbarn besuchen zu können oder dringende Besorgungen zu machen, wenn der Hof schon eingeschneit war. Mit Erholung hatte das damals wenig zu tun. Heute frohlocken Wintersportfans, wenn am Ruhestein genug Schnee liegt. Dann sollte man sich entweder früh am Tag einen Parkplatz sichern – oder besser noch mit der Regiobuslinie 400 anreisen.

Schon um 10 Uhr an diesem Dienstag füllt sich der Hang gegenüber vom Nationalparkzentrum mit Skifahrern und Snowboardern, und auch die ersten Langläufer machen sich bereit. „Was viele nicht wissen: Der Nationalpark kümmert sich auch um die Wege für den Wintersport“, sagt Nadine. Insgesamt präpariert das Loipenteam des Nationalparks Schwarzwald 154 Kilometer Loipen, zwei Rodelhänge und einige Kilometer Winterwanderwege. Die rosa Schilder mit den weißen Schneeschuhmännchen weisen heute uns den Weg. Aber bevor wir uns aufmachen in das Winterwunderland, müssen erst die Schneeschuhe sitzen. Anders als Skifahren ist diese Art der Fortbewegung schnell erlernt und für jeden Fitnessgrad geeignet. Unsere Modelle sind aus Plastik, haben Spikes und lassen sich an so ziemlich jeden Trekking- oder Wanderschuh schnallen – der wasserdicht sein sollte. Wer hat, bringt eigene Schneeschuhe zu den Winterführungen im Nationalpark Schwarzwald mit, ab Schuhgröße 30 kann man diese aber auch am Ruhestein ausleihen. Je nach Schneetiefe sind zusätzlich Gamaschen oder Schneehosen sinnvoll. Beim Laufen im Storchengang wärmt sich der Körper schnell auf, deswegen tragen wir Zwiebellook. Für das bessere Gleichgewicht auf unebenem Grund empfehlen sich Trekkingstöcke.

Gleiten wie ein Auerhuhn

Wo ist der rechte, wo der linke Schneeschuh? Eselsbrücke: Die Schnallen sollten immer nach außen zeigen. Als alles festgezurrt ist, geht es los. Linker Hand von der Skipiste zeigt uns das rosa Schild, wo es langgeht: den Berg hoch, über die Schneedecke hinweg, aus der vereinzelt die Spitzen von Heidelbeersträuchern ragen.

 

Anfangs sind die überlangen Füße noch etwas ungewohnt, aber mit jedem Schritt geht es sicherer hinauf. Schon ein ungewöhnliches Gefühl am Anfang, über den Schnee zu laufen und dabei kaum einzusinken. Wie ein Auerhuhn eigentlich. Denn auch der seltene Vogel bewegt sich mit einer Art von Schneeschuhen fort, erklärt uns Rangerin Nadine. Zwischen den Zehen der Auerhühner befinden sich kleine Hornstifte, die man auch gut bei ihren Abdrücken erkennen kann. Überhaupt: Wer mit Schneeschuhen wandert, möchte am liebsten gleich noch Spurenleser werden. Die Rangerin hat bei ihren Führungen Stempel dabei, mit denen sie die Unterschiede zwischen den Pfoten eines Luchses, Wolfes und Fuchses zeigen kann. Wenn man solche Spuren findet: Hinterherlatschen und den Trail aus Hoffnung auf eine Tierbegegnung verlassen sollte man auf keinen Fall. „Winterzeit ist Ruhezeit im Nationalpark“, sagt Nadine. Die kalte Jahreszeit zehrt an den Reserven der Tiere. Das Auerhuhn zum Beispiel findet im Winter statt frischer Blätter, Samen und Beeren jetzt nur noch Kiefern- und Fichtennadeln zum Fressen, die wenig Energie spenden. Jede Flucht kostet Tiere im Winter Kraft und kann damit lebensbedrohlich werden. Deshalb räumt der Nationalpark im Winter zusätzliche Ruhebereiche ein. Alle Sperrungen können vor einem Besuch des Nationalparks auf der tagesaktuell gepflegten Wegsperrungen-Karte auf der Webseite eingesehen werden.

Orientierungshilfe in der Wildnis

Zu Nadines Aufgaben zählt es auch, auf ihren Rundgängen dafür zu sorgen, dass die Wegsperrungen nicht missachtet werden. „Da muss man sich durchsetzen können“, sagt die Rangerin. Oft sind die Menschen aber auch froh über die Orientierungshilfe in der Wildnis. Wie die Gruppe junger Männer zum Beispiel, die uns mit Schlafsäcken und dünnen Isomatten entgegenkommt. Sie wollen am Wilden See übernachten, erklären sie Nadine auf Nachfrage. Der malerische Karsee ist so etwas wie das Aushängeschild des Nationalparks. Ihn umgibt ein Bannwald, der schon seit mehr als 100 Jahren unter Schutz steht. Ein besonders sensibler Bereich mit seltenen Arten wie der Zitronengelbe Tramete, einem europaweit gefährdeten Pilz. Dort ist im Winter Wildtierruhezone und das Übernachten und Feuer machen ist im Nationalpark generell nicht erlaubt.

 

Winterführungen im Nationalpark Schwarzwald

Für viele Tiere bringt der Winter einige Herausforderungen mit sich. Reh, Fuchs und Hase haben verschiedene Strategien, diese Zeit zu überleben. Werden sie allerdings in ihren Quartieren gestört, müssen sie flüchten und verbrauchen mehr Energie, als sie durch ihre Nahrung aufnehmen können. Rücksichtnahme ist daher im Winter besonders wichtig. Wie Wandern im Winterwald trotzdem viel Spaß machen kann, erfahrt ihr auf einer geführten Tour mit den Rangerinnen und Rangern des Nationalparks Schwarzwald. Bei ausreichend Schnee könnt Ihr zu den Terminen eure eigenen Schneeschuhe mitbringen oder die Ausrüstung am Ruhestein ausleihen. Eine Anmeldung auf der Webseite nationalpark-schwarzwald.de/erleben/veranstaltungskalender ist erforderlich.

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