Die besten neuen Lokale im Schwarzwald

Bei uns ist es nicht nur schön, sondern auch ganz schön lecker. Wir präsentieren: einen Gewinner, ein paar Andersdenkende und Onkel Karl im Doppelpack

Text: Karen Heckers

Ganz ehrlich: Wir wissen nicht alles. Zum Beispiel: Wie viele Karls es im Schwarzwald gibt, die Onkel waren oder noch sind. Sie taugen jedenfalls super als Namensgeber für gastronomische Geheimtipps. Wir haben gleich zwei entdeckt …

Onkel Karls in Staufen  

„Hier kommen wir noch mal hin“. Der Entschluss stand nach unserem ersten Besuch im Onkels Karls sofort fest. Denn das Restaurant im historischen Hofgut Mayer-Mühle Staufen ist einfach zauberhaft. Das Gebäude stammt aus dem 14. Jahrhundert und atmet aus jedem Eichenbalken Geschichte. Im November 2019  hat Thomas End dort das Restaurant Onkels Karls eröffnet. Das gastronomische Angebot ist bodenständig und lecker: Badisches Dreierlei – Wurstsalat, Bibbeleskäs und Brägele – steht auf der Karte, Salate aus dem Hofgut-Garten, badischer Flammkuchen oder Blechkuchen wie von der Oma. Damit’s besser rutscht, hat Wirt Thomas End noch ein paar sehr feine Wässerchen und feine Weine auf der Karte. Und wir schließen uns dem Volkslied von Ludwig Auerbach aus dem 19. Jahrhundert gerne an: O Schwarzwald, o Heimat, wie bist Du so schön … 

Onkel Karls im Hofgut Mayer Mühle
Bürgerlich-Badisch, sehr schöner Biergarten. Perfekt für Events und Familienfeiern. 
Bahnhofstraße 6c, 79219 Staufen im Breisgau, geöffnet Sonntag und Montag: 9 – 23 Uhr; 
Donnerstag bis Samstag: 14 – 23 Uhr.
www.onkel-karls.de

Onkel Karls in Gengenbach 

Der nächste Karl findet sich etwas weiter nördlich – in Gengenbach. Hier eröffnete Jochen Wussler im Herbst 2019 sein – ja was eigentlich? Kuhstall-Café? Dorf­laden? Vesperstube? Wohl von allem ein bisschen, und genau das macht den Charme aus. „Wir passen in kein Klischee“, sagt der junge Gastro-Unternehmer. Er hat den alten Kuhstall im großelterlichen Hof – der tatsächlichen nach deren Tod seinem Onkel Karls gehörte – umgebaut. Das Ambiente ist ein bisschen urig, ein bisschen modern. Gastronomisch ist das Angebot überschaubar: Es gibt sehr leckeren Kuchen von Jochens Mama, dazu ein gutes und reichhaltiges Frühstück (unbedingt das selbstgemachte Holzofenbrot probieren!) und eine bissle Vesper. Und die Wusslers beweisen: Hausfrauen-Style ist kein Schimpfwort, sondern ein Gütesiegel. Was uns auch sehr gefallen hat: der schnuckelige Unverpackt-Laden mit Spezialitäten aus der Region. Tante Emma bei Onkel Karl eben !

Kuhstall-Café Onkel Karls
Bodenständig-Badisch mit Frühstück, Vesper, Kaffee & Kuchen. Perfekt für umweltbewusstes Einkaufen und den kleinen Hunger zwischendurch.

Hubstraße 26, 77723 Gengenbach, geöffnet Mi bis Fr: 11:30 – 18 Uhr, Sa: 9 – 18 Uhr, jeden ersten Sonntag im Monat: 9 bis 16:30 Uhr
www.onkelkarls.de

Kulturküche in Karlsruhe 

Ungewöhnlich – das war unser erster Gedanke, als wir die Kulturküche in der Alten Seilerei in Karlsruhe entdeckten. Es ist kein Restaurant im klassischen Sinn. Hier gehts ums Austauschen, Essen, Reden, Netzwerken und Mitmachen, über Altersgruppen, Ethnien und soziale Schichten hinweg. 

„Es ist ein Erlebnisraum mitten in der Innenstadt“, sagt Sandra Schmidt, eine der vielen ehrenamtlich Engagierten. Dass Essen eine wichtige Rolle spielt – klar: „Wir arbeiten nur mit Produkten aus fairem Handel oder von regionalen Betrieben“, sagt Hossein Fayaz Pur. Er kocht in der Kulturküche und ist Geschäftsführer zweier erfolgreicher Catering-Unternehmen in Karlsruhe. Eine Speisekarte gibt es nicht. Gekocht wird, was Region und Saison bieten. Bio? Logisch! Insofern ist die Kulturküche auch Hort einer Lebensphilosophie …

Kulturküche Karlsruhe
Regionale, saisonale Bio-Veggie-Küche – mal badisch, mal mediterran. Perfekt für Vegetarier und Veganer sowie für Events.
Kaiserstr. 47, 76131 Karlsruhe, geöffnet Montag bis Freitag: 11–20 Uhr, Samstag: 11–15 Uhr
www.kulturkueche-karlsruhe.de

Krabba-Nescht Holzbronn 

Im Nordosten des Schwarzwalds gibt es einen absoluten Geheimtipp: das Krabba-Nescht in Holzbronn bei Calw, dem württembergischen Teil des Schwarzwalds.  Beim Kuckuck 2019, dem Genuss-Award von Schwarzwald Tourismus, wurde das Gasthaus Sieger bei den Ausflugslokalen. Und das Lokal ist mehr als nur einen Ausflug wert – versprochen! 

Wo anfangen, wo aufhören? Beim Hingucken und Entdecken. Und natürlich beim Verkosten. Das Ambiente ist außergewöhnlich: Im Krabba-Nescht (schwäbisch für Rabennest) wirkt es fast ein bisschen wie in einem landwirtschaftlichen Museum: Alte Weinfässer und Wagenräder, Dreschflegel, Milchkannen und vieles mehr aus der guten, alten Zeit hat Walter Seeger über Jahre hinweg zusammengetragen und liebevoll arrangiert. „Ich hatte vor mehr als 20 Jahren die Idee, aus der alten Scheune etwas zu machen“, sagt Walter. „Manche haben mich ein bisschen für verrückt erklärt, aber wie man sieht – es klappt ja!“

Walter ist halt ein Querdenker. Oder Weiterdenker. Ganz wie man’s nimmt. Schon 1991 widmete er sich mit Leidenschaft dem Whisky-Brennen.  Lange bevor im gelobten Obstwässerle-Land Baden-Württemberg  an so etwas überhaupt zu denken war. Ihn faszinierte der Mythos Whisky. „Mein Vater  hielt mich für übergeschnappt, als er von der Idee hörte“, erinnert sich Walter. Ihm war es herzlich egal. Heute ist sein Whisky ein Renner. In seinem urgemütlichen Black Wood Keller bietet er Verkostungen an, natürlich nur mit eigenen Produkten. Neben seinem Whisky (Single Barrel, acht Jahre alt) gibt es Gin, diverse Obst- und Kräuterspezialitäten – in flüssiger Form – und einen sensationellen Apfel Sherry. Er ist halt anders, der Walter. Umtriebig sowieso. Seine Familie unterstützt ihn, allen voran Tochter Christine. „120 Plätze auf zwei Etagen, dazu der Biergarten und diverse Familienfeierlichkeiten: Alleine wäre das gar nicht zu schaffen“, sagt Walter. 

Sonderzug nach Holzbronn   

Auch Promis kommen hierher. Udo Lindenberg zum Beispiel. Der, so heißt es, war ganz angetan von der urigen Atmosphäre und den schwäbischen Spezialitäten. „Wir lieben die schwäbische Küche und zeigen das auch“, sagt Walter. Ob der Schwabenteller (für den man vorher besser ein bisschen Schwarzwald abgeholzt haben sollte) oder der Zwiebelrostbraten mit Spätzle und Rotweinsauce: Liebhaber schwäbischer Küche kommen hier voll auf ihre Kosten. Auch Gerichte, die von vielen Speisekarten weg-modernisiert wurden, haben hier noch ihren Platz: Saure Nierle und Saure Kuttle zum Beispiel. Falls noch Platz ist: Die Kratzete mit Apfelbrei sind eine Wucht! Das Krabba-Nescht brummt und Christine meint: „Für uns war der Sieg beim Kuckuck 2019 auch ein Zeichen, dass wir richtig liegen.“

Krabba-Nescht
Schwäbische Spezialitäten. Perfekt für Ausflüge und alle möglichen Feierlichkeiten.
Bannstraße 1, 75365 Calw, geöffnet: Mittwoch bis Samstag: 17–1 Uhr, Sonntag und Feiertage: 11–23 Uhr
www.krabba-nescht.de

#heimat Schwarzwald Ausgabe 19 (2/2020)

Auf Eiersuche: Wir lassen uns von den Wusslers aus Gengenbach was ins Nest legen, verputzen die Wutz und zapfen an Tannen. Zudem erzählen wir, wie (und warum) der Schwarzwald tickt und warum es sich auf jeden Fall lohnt, nach Colmar zu fahren.

#heimat, der Genussbotschafter für den Schwarzwald 

In der Zeitschrift #heimat geht es um Genuss in der Region, um (kulinarische) Traditionen und gute Adressen, um Manufakturen und Menschen. Idee und Konzept für #heimat stammen von Chefredakteur Ulf Tietge und seinem Team. Das Magazin wurde 2016 mit dem Ortenauer Marketingpreis ausgezeichnet und ist inzwischen bundesweit erhältlich.

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