Schmieden lernen: Zu Besuch in der Schmiede Tata

Kein scharfes Messer in der Küche? Einfach selber schmieden! Die Schmiede Tata macht es möglich. Wir haben einen Lehrling nach Straubenhardt in den Nordschwarzwald geschickt ...

Text: Nele Augenstein · Fotos: Dimitri Dell

Messer schmieden im Schwarzwald

Ohne Schmied lief früher auf dem Dorf nichts. Er schmiedete Messer, Äxte, Pflugscharen – und beschlug die Pferde der Bauern. Genau das war einst der Job von Fabian Webers Ur-Urgroßvater. Vor fünf Jahren hat der 29-Jährige in Straubenhardt im Enzkreis die Schmiede Tata gegründet und bietet Kurse an. Seine Mission: Bei anderen die Leidenschaft für das Handwerk seiner Vorfahren entfachen. Klappt das auch bei mir, #heimat-Schmiedelehrling Nele? Schauen wir mal, ob ich es schaffe, mir ein Messer zu schmieden ...

Fabians Werkstatt befindet sich im zweistöckigen Gebäude eines ehemaligen Sägewerks. Schon von draußen sind Hammerschläge zu hören. Stahl trifft auf Stahl – ganz so, wie ich es von einer Schmiede erwartet habe. Wir betreten die Schmiede, ich schnuppere und sauge den Duft nach Silvester ein. „Das ist der verbrannte Kohlenstoff“, erklärt mir Fabian: „So funktionieren auch Wunderkerzen.“

Im Inneren der Schmiede überrascht mich vor allem eines: die zeitgemäße Ausstattung. Ich habe Asche, düstere Backsteinmauern und offenes Feuer erwartet. Stattdessen finde ich einen offenen Raum mit mehreren Ambossen und einem modernen Gasofen vor. Fabian hat seinen eigenen Weg gefunden, das alte Handwerk Laien zugänglich zu machen. „Der Gasofen ist nachhaltiger und eignet sich besser für Kurse“, erklärt der Schmied. Dort verteilt sich die Hitze gleichmäßig, sodass viele Stücke zeitgleich auf die gewünschte Temperatur erhitzt werden können. Ein klassischer Kohleofen bietet weniger Platz und braucht mehr Erfahrung. Der Schmied erkennt an der Farbe des Stahls, ob das Werkstück schon heiß genug ist, um bearbeitet zu werden. Ein unerfahrener Kursteilnehmer weiß das nicht.

Schmieden: Das ist die richtige Technik

Mich juckt es in den Fingern, selbst den Hammer zu schwingen. Aber zunächst führt mich Fabian durch seine ganz persönliche Geschichte des Schmiedens – von seinem ersten, kleinen Messer, das er in der Schmiede seines Opas geschmiedet hat, bis hin zur edlen Damast-Klinge, die heute zu seinen Spezialitäten zählt. Letztere liegt verblüffend leicht in der Hand. Alle Stücke sind Unikate und mit Liebe gefertigt, wie die exquisit gearbeiteten Holzgriffe und einzigartigen Maserungen des Damast-Stahls beweisen. Selbst Messer der gleichen Serie weisen unterschiedliche Muster auf.

Dann zeigt mir Fabian, woraus ich heute ein Messer schmieden werde. Dabei hält er mir eine seltsame, spiralförmige Stahlfeder unter die Nase. „Eine alte Fahrzeugfeder“, erklärt er mir. Für den Kfz-Mechaniker Abfall, für Fabian wertvolles Rohmaterial. Außerdem bringt der Stahl die richtigen Eigenschaften mit. Stabil, aber doch biegsam.

Fabian hat für mich schon eine Feder gekürzt, geradegebogen und zur besseren Handhabung an eine Haltestange geschweißt. Ich dürfe keine Werkzeuge mit bloßen Händen anfassen, warnt er, als er mir Schürze, Schutzbrille und Handschuhe überreicht. Doch da habe ich schon selbstvergessen an die heiße Stange gelangt. Autsch! Erste Lektion: Nicht alles, was nicht sichtbar glüht, ist kalt ...

Darf ich jetzt den Hammer schwingen? Nein, den Hammer lässt man hüpfen. Ich lerne die richtige Technik: den Hammer hochhalten, kontrolliert auf den Rohling fallenlassen und dabei den Impuls unterdrücken, dem Rückstoß entgegenzuwirken. Der Hammer muss locker in der Hand liegen und nach dem Aufprall leicht zurückspringen. Das ergibt kraftvollere Schläge und schont die Gelenke.

Vom Rohling bis zur glühenden Klinge

Los geht's! Ich schiebe meinen Rohling in den Gasofen und warte. Erst, als der Stahl goldgelb glüht, darf ich ihn herausnehmen und vorsichtig zum Amboss tragen. Selbst bei einem halben Meter Abstand spüre ich die Hitze. Die Herausforderung ist es, sowohl kraftvolle als auch präzise Schläge zu landen. Gar nicht so einfach, das Metall überhaupt zu treffen! Aus dem zylindrischen Rohling soll ich ein Vierkant hämmern. Dafür schlage ich senkrecht auf den heißen Stahl, wende um 90 Grad und schlage erneut zu. Mir bleibt nur wenig Zeit: Bereits nach wenigen Schlägen wechselt der Rohling seine Farbe von orange zu kirschrot zu grau. Meine Schläge zeigen immer weniger Wirkung. Das Metall muss zurück in den Ofen. Und dann wieder auf den Amboss ...

Diesen Arbeitsschritt wiederhole ich immer wieder. Leuchtet der Rohling hellgelb, verhält er sich wie eine zähe, formbare Masse – in diesem Stadium lässt sich der Stahl ziehen, erklärt mir Fabian. Was er damit meint, verstehe ich erst im nächsten Schritt so richtig. Da gilt es, aus dem Vierkant eine Spitze zu formen. Indem ich die vordere Kante des Rohlings mit seitlichen Schlägen bearbeite, ziehe ich den Stahl in die gewünschte Form.

Dann zeigt mir Fabian, wie früher besonders effizient geschmiedet wurde: mehrere Schmiede stellen sich um den Amboss und hämmern im Rhythmus auf den Rohling ein. Heute machen wir das zu zweit und lassen unsere Hämmer abwechselnd hüpfen. Klonk! Klonk! Klonk! Der gleichmäßige Rhythmus formt eine flache Klinge. Mich überrascht es, dass wir uns nicht in die Quere kommen. Doch einmal im Flow, bewegen sich meine Arme wie von allein.

So wird das Messer richtig scharf

Los geht's! Ich schiebe meinen Rohling in den Gasofen und warte. Erst, als der Stahl goldgelb glüht, darf ich ihn herausnehmen und vorsichtig zum Amboss tragen. Selbst bei einem halben Meter Abstand spüre ich die Hitze. Die Herausforderung ist es, sowohl kraftvolle als auch präzise Schläge zu landen. Gar nicht so einfach, das Metall überhaupt zu treffen! Aus dem zylindrischen Rohling soll ich ein Vierkant hämmern. Dafür schlage ich senkrecht auf den heißen Stahl, wende um 90 Grad und schlage erneut zu. Mir bleibt nur wenig Zeit: Bereits nach wenigen Schlägen wechselt der Rohling seine Farbe von orange zu kirschrot zu grau. Meine Schläge zeigen immer weniger Wirkung. Das Metall muss zurück in den Ofen. Und dann wieder auf den Amboss ...

Diesen Arbeitsschritt wiederhole ich immer wieder. Leuchtet der Rohling hellgelb, verhält er sich wie eine zähe, formbare Masse – in diesem Stadium lässt sich der Stahl ziehen, erklärt mir Fabian. Was er damit meint, verstehe ich erst im nächsten Schritt so richtig. Da gilt es, aus dem Vierkant eine Spitze zu formen. Indem ich die vordere Kante des Rohlings mit seitlichen Schlägen bearbeite, ziehe ich den Stahl in die gewünschte Form.

Dann zeigt mir Fabian, wie früher besonders effizient geschmiedet wurde: mehrere Schmiede stellen sich um den Amboss und hämmern im Rhythmus auf den Rohling ein. Heute machen wir das zu zweit und lassen unsere Hämmer abwechselnd hüpfen. Klonk! Klonk! Klonk! Der gleichmäßige Rhythmus formt eine flache Klinge. Mich überrascht es, dass wir uns nicht in die Quere kommen. Doch einmal im Flow, bewegen sich meine Arme wie von allein.

Messerpflege: So geht's

Vier Tipps vom Schmied zur richtigen Messerpflege: Immer auf Holz schneiden, denn so bleibt die Schneide länger scharf. Regelmäßig Klinge und Griff mit Speiseöl einölen (kein Olivenöl). Die Spülmaschine ist tabu, denn das Salz greift die Schneide an. Und zuletzt: Messer nicht lose in die Schublade werfen. Besser: an die Magnettafel damit.

Bei der Schmiede Tata (Holzbachtal 20, Straubenhardt) kann man übrigens nicht nur Messer schmieden. Auf der Website findet ihr eine Kursübersicht. 

#heimat Schwarzwald Ausgabe 55 (4/2026)

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