Was Genuss und Glaube im Schwarzwald verbindet

Baiersbronn hat Deutschlands einzigsten Gastropfarrer. Wir habem Matthias Lasi getroffen und mit ihm über sein Leben zwischen Küche und Kanzel gesprochen...

Text: Daniel Oliver Bachmann Fotos: Ulrike Klumpp

Baiersbronn ist einzigartig: Zwei Drei-Sterne-Restaurants und zwei Restaurants mit einem Stern findet man hier. Baiersbronn ist außerdem nicht nur die größte Wald-, sondern auch die größte Tourismusgemeinde Baden-Württembergs. Hier, im Herzen der Nationalparkregion, treffen wir den bundesweit einzigen Gastronomie-Pfarrer. Matthias Lasi. Der 61-Jährige ist seit 2022 für den gesamten Kirchenbezirk Freudenstadt zuständig, seine Aufgabe ist anspruchsvoll. „In erster Linie geht es darum, den Menschen in der Gastronomie bei ihren Sorgen und Nöten zu helfen.“ Zum Beispiel: immer arbeiten, wenn Freunde und Familie frei haben. Oder die vielen Unsicherheiten. „Während Corona ging es mir richtig schlecht“, berichtet Jörg Möhrle, Chef des Hotels Tanne im Tonbachtal. „Ich hatte große Existenzsorgen. Damals konnte ich bei Matthias mein Herz ausschütten. Das hat mir richtig gutgetan.“

Nahrung für die Seele

Was versucht der Pfarrer seinen Schützlingen in solchen Situationen mit auf den Weg zu geben? „Es gibt etwas, das nenne ich den Halt im Leben“, sagt Matthias. „Eine Grundüberzeugung, die uns weiterhilft, wenn Schwierigkeiten überhand nehmen. Wenn Sie so wollen, eine Botschaft des Guten, mit der wir weitermachen können.“ Eigentlich haben ihre Berufe viel gemeinsam, finden Hirte und Wirt. „In der Seelsorge erwarten Menschen eine Stärkung ihres positiven Lebensgefühls“, sagt Matthias. Das will auch die Gastronomie ihren Gästen schenken – Nahrung für die Seele eben.

Wie wird man Gastronomie-Pfarrer? Matthias' Amt gibt es schon seit 2004, er hatte einige Vorgänger. Er selbst kennt den Landkreis Freudenstadt schon länger: Seinen Vorbereitungsdienst für den Beruf des evangelischen Pfarrers hat er als Vikar in Pfalzgrafenweiler absolviert. Nach Station im Donautal ging es für den Geistlichen nach Kiev, die Hauptstadt der Ukraine. „Ich wollte etwas anderes sehen“, sagt Matthias. „Das war vor dem Krieg. Ich wusste noch nicht, was auf mich zukam.“ Es kam einiges auf ihn zu. „In Kiev hatte ich es viel mit Atheisten zu tun. Das rührte noch aus der langen Zeit des Kommunismus. Dann kamen sie doch in den Gottesdienst und nahmen mit ganzen Herzen teil.“ Vielleicht auch deshalb, weil der Pfarrer eine Botschaft hat, die ankommt. „Im Christentum kennen wir Gott auf der Seite von uns Menschen. Er möchte, dass wir leben. Dieses Grundvertrauen in Gott, dass er mein Leben gelingen lässt und ich an einem Platz verweile, wo ich gewollt bin, ist sehr wichtig.“ In der Ukraine heiratete er seine Frau Tamila. Dann kam der Krieg – und Matthias wechselte nach Baiersbronn. Seither übt er sein Amt im Kreis Freudenstadt aus.
50 Prozent seiner Arbeitskraft widmet er seiner Gemeinde in Baiersbronn-Schwarzenberg. Die restlichen 50 Prozent gehören der Gastronomie-Seelsorge.

 

 

Matthias wollte für seinen neuen Job die Gastronomie genau kennenlernen. Deshalb hat er in der Tanne ein Praktikum gemacht, Frühstücksomelette für die Gäste gebacken und in der Küche geholfen. Alles, um besser zu verstehen, was seine Gemeinde umtreibt. Dreimal im Jahr bietet er eigene Gastro-Gottesdienste an: nach Ostern, zum Abschluss der Urlaubssaison und nach Weihnachten. Damit auch Menschen in der Kirche zu Ruhe kommen können, die sonntags und an Feiertagen Vollgas für ihre Gäste geben.

Er bricht das Brot und brät Eier

Zu Matthias’ Alltag gehören auch unzählige Gespräche mit Hoteliers und Mitarbeitern sowie Veranstaltungen, die Geistliches und Gastronomisches verbinden. Zur Wildwoche in der Tanne las er zum Beispiel eine Hubertusmesse, im Hotel Sackmann in Baiersbronn-Schwarzenberg hat er das Thema Genuss seelsorgerisch aufbereitet, in der Vesperstube Vogtsmichelhof in Alpirsbach-Ehlenbogen die Heimat. „Bei solchen Veranstaltungen kommen wir tief ins Gespräch“, sagt der Pfarrer.

Für Matthias hat Gastfreundschaft einen sehr hohen Stellenwert im christlichen Glauben. Um das zu erkennen, müsse man nur das Neue Testament lesen. „Nicht zufällig ist eines der Wunder von Jesus, Wasser in Wein zu verwandeln, damit die Menschen weiterfeiern können.“ So gesehen stellt sich die Frage, warum es einen Gastro-Pfarrer nur in Baiersbronn und dem Landkreis Freudenstadt gibt …

Amen!

Mehr Infos zur Evangelischen Kirchengemeinde Schwarzenberg und zu Veranstaltungen und Gottesdiensten. 

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