Elch jetzt?

Der größte Hirsch der Welt, Flamingos, Schakale, Wölfe:
2025 war wieder tierisch was los im Schwarzwald! Unsere Autorin hält mittlerweile sowieso nichts mehr für unmöglich …

Text: Jana Welle

Die Natur hat immer eine Überraschung auf Lager. Während wir mit Kriegen und Klimawandel Verwüstung – und dazu noch mit KI Verwirrung – verbreiten, schaffen es viele Tierarten irgendwie, nicht nur zu überleben, sondern sich auszubreiten. Der Schwarzwald ist das beste Beispiel: Kein Tag vergeht ohne Tiersichtung in der Tageszeitung. Wenn man als Zugezogene eh nicht genau weiß, was hier heimisch ist, kann man schon die Orientierung verlieren. Ich jedenfalls halte nichts mehr für unmöglich, seit ich unterwegs auf der B462 zwischen Schiltach und Schramberg eine Herde Gämsen neben der Fahrbahn habe weiden sehen. Ja, diese Bergziegen, die man aus den Alpen kennt. Wunderschöner Anblick, aber für mich in diesem Moment ein kompletter Riss in der Matrix. Verfahren hatte ich mich da schon, aber doch nicht bis in die Schweiz? Vor Schreck wäre ich fast im Graben gelandet.

Du hast doch einen Vogel!

Kurz darauf veröffentlichte der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord den Aprilscherz, am
Hochmoor Kaltenbronn gäbe es Flamingos. Ich: Hab’s geschluckt. Mir gefällt es da gut, warum nicht auch rosa Vögeln, die auf Stelzen laufen? Meine Freunde haben mich für meine Gutgläubigkeit ausgelacht. Ein paar Monate später hat sich dann tatsächlich ein Flamingo in den Schwarzwald verirrt. Weiter südlich, an den Titisee. Mein Triumph: grenzenlos. Sowieso freue ich mich über jedes neue Vieh, das sich im Schwarzwald niederlässt – abgesehen von der Tigermücke. Ich fiebere mit jeder Luchsauswilderung mit. Otter in der Dreisam: frohlocket! Schakale: goldig! Und als ich bei der Schwarzenbachtalsperre mal fast in Wolfslosung getreten wäre, da habe ich mich wie Jack London gefühlt. Der Ruf der Wildnis erschallt lauter zwischen Waldshut und Pforzheim. Wer muss noch nach Afrika, Kanada oder Alaska reisen?

Nur das mit dem Elch, das war mir dann doch fast etwas zu bizarr. Im vergangenen Oktober wurde ein Exemplar der größten Hirschart der Welt im Kinzigtal gesichtet. Man fürchtete, Bulle „Erwin“, wie das Landratsamt Ortenaukreis ihn nach Abstimmung taufte, könnte auf die Straße laufen, stattdessen stieg der Elch auf Rosis Garagendach in Wolfach. Mittlerweile ist klar: Erwin ist nicht aus Polen eingewandert. Er stammt aus  dem Wildpark Pforzheim und sollte eigentlich in ein neues Zuhause in Passau gebracht werden. Da kam er nie an. Gegen die Tierspedition wurde ermittelt – aber so richtig klar ist bis heute nicht, wie Erwin in den Schwarzwald ausbüxen konnte. Heute mampft der Bulle wieder bei Mutter und Tante in seinem Gehege im Pforzheimer Wildpark vor sich hin. Eine sehr wilde Geschichte!

Jedenfalls: Wenn bald Schwarzwaldmammuts durch meinen Instagramfeed stampfen, kann mich das nicht mehr überraschen ...

#heimat Schwarzwald Ausgabe 51 (4/2025)

Die Winterausgabe ist da – und bringt alles mit, was diese Jahreszeit im Schwarzwald so besonders macht: Glühwein an kalten Fingern, leise knirschenden Schnee und Geschichten, die wärmer machen als jede Sauna.

In dieser Ausgabe begleiten wir unseren Reporter mitten hinein in den Freiburger Weihnachtsmarkt, wo er zwischen Striebele, Schlangen und Schmunzlern Glühwein zapft, bis die Brille beschlägt. Außerdem tauchen wir ein in die neue „Marie-Mania“: Die kleine Schwarzwald-Marie reist weiter um die Welt, sorgt für Kultmomente – und für jede Menge Herzklopfen bei Sammlern.

Dazu gibt’s wie immer Genuss, Handwerk, Rezepte und jede Menge Schwarzwald zum Wegträumen. Ein Heft zum Einmummeln, Durchblättern und Dableiben.

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