Steigenberger Europäischer Hof Baden Baden

Der Europäische Hof ist zurück: Baden Badens legendäres Luxushotel erstrahlt nach Jahren der Renovierung neu.

Text: Alexandra Monsch · Fotos: Jasmin Fehninger

Baden-Baden war schon immer ein Ort, an dem die Zeit ein wenig anders tickt. Man spaziert durch Alleen, hört das leise Rauschen der Oos, blickt auf die hellen Fassaden der Belle-Époque-Gebäude und könnte schwören, dass gleich hinter einem Marmorpfeiler ein Herr im Frack auftaucht. Und mittendrin: der Europäische Hof, ein Hotel, das über Generationen hinweg Bühne feiner Gesellschaft war. Selbst Kaiserin Elisabeth von Österreich, „Sisi“, soll hier übernachtet haben – lange, bevor Influencer in Bademänteln hier für Social Media posierten. Heute, nach elf Jahren Pause, ist das Traditionshaus frisch renoviert wieder erwacht und läutet ein neues Kapitel in der Geschichte der Baden-Badener Luxushotels ein. Ganz klar, dass wir da mal jemanden zum Probeliegen vorbeischicken mussten ...

In Baden-Baden aß man nie einfach nur zu Abend – man dinierte. Hier schlief man nicht – man residierte. Im 19. Jahrhundert galt die Stadt als Sommerhauptstadt Europas. Könige, Dichter, Diplomaten – sie alle kamen, um zu kuren, zu spielen, zu sehen und gesehen zu werden. Und jetzt endlich bin ich dran, #heimat-Hoteltesterin Alexa. Schon der Moment, in dem ich vorfahre, könnte aus einem Film stammen. Ein Mann tritt schnellen Schrittes ans Auto und weist mich freundlich darauf hin, dass man hier nicht parken dürfte. Als ich stammele, ich sei Gast des Hauses, weiten sich seine Augen, dann lächelt er – plötzlich ganz Valet – und fragt, ob er den Wagen für mich parken dürfte. Für mich? Ich nicke, und schon verschwindet der Mann samt Schlüssel und Auto. Im Inneren öffnet sich die Lobby großzügig und hell, mit bequemen Sesseln und exotischen Blumenarrangements. Früher rollten Pferdekutschen durch diesen Raum, heute lediglich noch Koffer. An der Rezeption werde ich freundlich empfangen. Um mein Gepäck wird sich ebenso wie von Zauberhand gekümmert wie eben schon um mein Auto. Ehe ich mich versehe, gleite ich schon im Aufzug nach oben.

 

Komfort bis ins letzte Detail

Mein Zimmer mit Blick auf die Trinkhalle ist groß, gemütlich und – wenn man ehrlich ist – ungefähr so geräumig wie meine Wohnung. Auf dem Tisch stehen frische Blumen, auf dem TV-Bildschirm mein Name, auf dem Bett liegt ein Kissenmeer, in dem ich sofort versinken will. Über dem großen Bett hängt eine riesige Pferdefotografie – eine Hommage an die nahe gelegene Rennbahn in Iffezheim. Kaum habe ich mich umgesehen, da klopft es: eine Hotelmitarbeiterin steht mit einem Früchteteller und Pralinen vor der Tür. Als ich ihr den Teller abnehmen will, lächelt sie und sagt, sie mache das gern selbst. Ich nicke verschämt und bedanke mich mindestens fünfmal – ich schätze, ich muss mich erst einmal an diese VIP-Behandlung gewöhnen.

Ich treffe Marketing Managerin Natalie Kirstein für eine Führung und erfahre mehr über die lange Geschichte des Hauses. Vor 95 Jahren hat Albert Steigenberger das im Jahr 1840 erstmals eröffnete Hotel übernommen und hat damit den Grundstein für die Marke gelegt, die bis heute Bestand hat. König Edward VII, Kaiser Wilhelm, Winston Churchill – sie alle logierten einst hier. 2014 dann die Schließung, wegen Brandschutz und Eigentümerwechsel, das Haus wurde umfassend renoviert. Ziel war es dabei, historischen Glanz mit zeitgemäßem Luxus zu verbinden. Das Gebäudeensemble wurde denkmalgerecht saniert, die Innenräume mit viel Feingefühl modernisiert – edle Materialien, warme Farben, maßgefertigte Möbel. Angesprochen werden sollen Gäste, die Eleganz und Individualität schätzen – von Wellness-Liebhabern über Geschäftsreisende bis hin zu internationalen Gästen. Das denkmalgeschützte Treppenhaus ist heute immer noch ein historisches Juwel: Wer die Treppe hinaufsteigt, wird sofort in die Vergangenheit katapultiert, in eine Zeit von feinen Kleidern, Zylindern und leisen Gesprächen über Kurpark, Casino und Weltgeschehnisse. Der große Leuchter, inspiriert von den Perlenketten der Grandes Dames, hängt imposant in der Mitte und erhellt Gästen den Weg auf ihre Zimmer. Eine Etage tiefer wartet der vielleicht ungewöhnlichste Teil des Hauses: Ein Porsche-Studio, das tagsüber Verkaufsfläche ist und abends als Eventlocation genutzt wird. Wer hier sein Auto kauft, fährt es direkt aus dem Hotel hinaus, fast wie in einem James-Bond-Film. Und ganz oben: die neue Rooftop-Bar mit 360-Grad-Blick über Baden-Baden – mit vielen Speiseangeboten in Form von Tapas und anderen Fingerfoods, kreativen Cocktails und moderner Lounge-Atmosphäre – alles Teil des Konzepts und auch für Nicht-Gäste des Hotels geöffnet.

Dinner mit Déjà-vu

Am Abend geht es ins Café de l'Europe, das bekannte Restaurant des Hauses. Der Name klingt nach Glanz und Opernball, doch das Ambiente ist eher leger. Die Räume sind eindrucksvoll gestaltet, mit einzigartigen Deckenleuchten und Designermöbeln. Trachten-Porträts von Sebastian Wehrle schmücken die Wände, als kleiner Liebesbeweis an die Region. Im Restaurant trifft moderne europäische Küche auf regionale Produkte – und heute auch auf meine Geschmacksnerven. Ich bestelle als Erstes warmen Tomatensalat und Hummerbisque. Als Hauptspeise gibt es auf Empfehlung des Hauses das „Reh Baden-Baden“, mit zartem Fleisch und leckerer Demi-Glace – eine kräftige Bratensauce. Alles ist so köstlich, dass ich bei meinem großen Prinzessinnenmoment fast den Drink verschütte. Das Personal agiert unaufdringlich und äußerst freundlich und der direkte Blick auf die Oos und die Trinkhalle erinnert immer wieder daran, dass Baden-Baden seit Jahrhunderten genau weiß, wie man Stil inszeniert.

Zurück auf dem Zimmer stelle ich fest, dass es anders aussieht als zuvor. Natürlich bin ich es gewohnt, dass Hotelzimmer täglich gereinigt werden – aber dass jemand abends meine Bettdecke aufschlägt, die Vorhänge zuzieht und Hausschuhe auf einem Vorleger bereitstellt, hat mich dann doch überrascht. Im Badezimmer wurden meine Kosmetikutensilien neu arrangiert – bis ins kleinste Detail. Der Service ist makellos – und nach den vielen Eindrücken des Tages sinke ich erholt in das flauschige Bett. „Genau so muss sich auf Wolken schlafen anfühlen“, denke ich. Irgendwo zwischen Baumwollträumen und Gedanken an Sisi und Perlenketten schlafe ich mit einem Lächeln ein.

 

Am Morgen führt mich der erste Weg zum Frühstücksbuffet. Das Essen ist reichhaltig: Es gibt Croissants, Mini-Quiches, Müsli, frische Säfte und Smoothies und auch warme Speisen. Daneben kann man auch à la carte bestellen – Eggs Benedict, Omelettes und zahlreiche Kaffee- und Teevariationen. Ich beobachte die Gäste, manche wirken, als wären sie geschäftlich hier, andere wie ich auf der Suche nach einem Moment Luxus und Ruhe. Der Duft von frisch aufgebrühtem Kaffee und Gebäck liegt in der Luft, während die Oos leise vor sich hinplätschert.

Schon bald folgt mein letzter Programmpunkt – ein Facial im „The Vault & Spa“ des Hauses. Der Wellness-Bereich erstreckt sich über 1300 Quadratmeter und einige Teile befinden sich in den ehemaligen Tresorräumen der Dresdner Bank. Meine Gesichtsbehandlung umfasst auch eine Nacken- und Handmassage. Ich genieße die kleine Auszeit in vollen Zügen, bevor ich zurück in die #heimat-Redaktion muss. Jetzt darf ich noch mal Prinzessin sein.

Als ich das Hotel verlasse, werfe ich einen letzten Blick auf die Fassade. Baden-Baden hat über die Jahrhunderte viel Glanz gesehen – und steckt derzeit in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Doch mit dem neu eröffneten Hotel Steigenberger Icon Europäischer Hof kehrt ein Hauch jener alten Eleganz zurück. Wer hier übernachtet, reist ein Stück in die Vergangenheit – und nimmt zugleich etwas davon mit. Vielleicht auch nur das Gefühl, dass in jedem von uns eine kleine Prinzessin steckt.

Lust auf mehr?

Mehr Infos über das Steigenberger Icon Europäischer Hof, die Zimmer, Spa und Angebote gibt es auf der Website.

 

#heimat Schwarzwald Ausgabe 51 (4/2025)

Die Winterausgabe ist da – und bringt alles mit, was diese Jahreszeit im Schwarzwald so besonders macht: Glühwein an kalten Fingern, leise knirschenden Schnee und Geschichten, die wärmer machen als jede Sauna.

In dieser Ausgabe begleiten wir unseren Reporter mitten hinein in den Freiburger Weihnachtsmarkt, wo er zwischen Striebele, Schlangen und Schmunzlern Glühwein zapft, bis die Brille beschlägt. Außerdem tauchen wir ein in die neue „Marie-Mania“: Die kleine Schwarzwald-Marie reist weiter um die Welt, sorgt für Kultmomente – und für jede Menge Herzklopfen bei Sammlern.

Dazu gibt’s wie immer Genuss, Handwerk, Rezepte und jede Menge Schwarzwald zum Wegträumen. Ein Heft zum Einmummeln, Durchblättern und Dableiben.

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