Mundart: über die Familie

Wenn die ganze Bagaasch zusammenkommt, wird im Badischen nicht lange gefackelt. In diesem Kapitel der Mundartreihe geht es um Familie – und um all die Wörter, die man nur versteht, wenn man hier aufgewachsen ist.

Text: Pascal Cames Fotos: Konstantin Yuganov

Sobald ä Fierdi (Feiertag) oder ä Feschtle (Fest) isch, rollt die ganze Bagaasch ins Huus. Es ist nicht die Heilige Familie, die sich in der Stubb trifft, sondern die badische Familje. Dazu gehören Vadder und Mudder, auch Mamme und Bappe genannt, die Kinder, Cousinen und Cousins, dazu Onkel und Tante. Nie dabei sind selle Krupfigel, die dabei entstanden sind, wenn „einer isch näbe nuss gonge“.

Wie alli Wält weiß, gab es früher mehr Kinder. Je nach Temperament wurden sie Kneckes, Krompe, Keibe, Zornigel, Birschdel oder Gramboler gerufen. Natürlich waren auch damals schon süße Maidli und Bieble bekannt. Babys und Kindergartenkinder werden sogar heute noch als siase Grott (süße Kröte) oder Butzele geherzt. Passend dazu wird ihnen dann über den Birzel gestreichelt. Du siase Grott du du du!

Eierlikör für die Großen („des wär’ doch nidd nädig gsi“) und ein Geschenkle für die Kleinen waren schon immer willkommene Mitbringsel. Senioren erinnern sich noch an den Einmarkschein (!) oder das Fünfmarkstück, das einem vom Geddi (Patenonkel) in die Hand gedrückt wurde, oder die Gutsle (Bonbons) von der Geda oder Godde, wie die Patentante im Dialekt heißt. Von den Paten gab es früher nix zu Weihnachten, dafür aber beim „Klause holen“ (Nikolaus) oder beim „Has jagen“ an Ostern.

Je nachdem wird man mit long scho nimmer gsä begrüßt. Will man nett sein, sagt man du wirsch nid älder oder du siehsch immer glich us, was aber auch so oder so ausgelegt werden kann. Will der Seggl mich verepple?

Sobald d’Litt widder daheim sin, wird ehrlicher gesprochen. Der isch alt worre, heißt es dann  über Onkel Hugo, oder Gottverdeckel, der hett aber zugelegt (wieder Hugo), oder ä bissl netter gesagt der isch halt ä bissle rund geworre. Manche waren aber schon vorher fest oder kräftig. Eine Frau, die dürr ist, wird manchmal auch als Zähe beschrieben. Ist diese Person aber eine „rese“ oder „räse“, also ä Ripp, kommt zum Untergewicht noch ein giftiger Charakter. Manchmal wäre Bisszong passender …

Aber hinterum schwätze gehört sich nicht (noi, mache mer nid!), und darum zurück an den fürstlich gedeckten Tisch, wo alli Litt verschiedene Brode (Braten) mit Gmies un' Spätzle spachteln und sich an den Bliemle freuen. Wäm der Brode nid schmeckt, isst halt am Obe (Abend) mehr, dann Schnitzel und Kartoffelsalat. Früher gab’s oft Schunke, Erdäpfelsalat und Gallerei. Das ist eine Tellersülze mit Schweinefleisch, Brodwurscht, Zung, Nierle und Speckle. Schon damals hat’s nicht jedem geschmeckt, aber wie het’s der Vadder g’sait: Es wird gässe, was uff der Disch kommt! Auch das ist Familje.

#heimat Schwarzwald Ausgabe 51 (4/2025)

Die Winterausgabe ist da – und bringt alles mit, was diese Jahreszeit im Schwarzwald so besonders macht: Glühwein an kalten Fingern, leise knirschenden Schnee und Geschichten, die wärmer machen als jede Sauna.

In dieser Ausgabe begleiten wir unseren Reporter mitten hinein in den Freiburger Weihnachtsmarkt, wo er zwischen Striebele, Schlangen und Schmunzlern Glühwein zapft, bis die Brille beschlägt. Außerdem tauchen wir ein in die neue „Marie-Mania“: Die kleine Schwarzwald-Marie reist weiter um die Welt, sorgt für Kultmomente – und für jede Menge Herzklopfen bei Sammlern.

Dazu gibt’s wie immer Genuss, Handwerk, Rezepte und jede Menge Schwarzwald zum Wegträumen. Ein Heft zum Einmummeln, Durchblättern und Dableiben.

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