Le Parc Obernai Spa Wellness im Elsass

Im Le Parc Obernai trifft französische Spa Kultur auf Design, Ruhe und überraschend gute Küche.

Text: Ulf Tietge Fotos: Nils&For

Die Franzosen planschen einfach anders. Man kann das gar nicht so ganz genau greifen, aber im Yonaguni Spa im Le Parc Hotel von Obernai ist man irgendwie in einer ganz eigenen Welt. Nicht zu vergleichen mit den großen Thermen und Erlebnisbädern auf deutscher Seite wie dem Caracalla in Baden-Baden oder dem Badeparadies Schwarzwaldin Titisee und auch ganz anders als beim Sackmann in Baiersbronn oder beim Schmiederer auf dem Dollenberg. Aber lohnt es sich,das Day Spa der Franzosen mal anzusteuern, wenn man auf deutscher Seite schon überall mal abtauchen war? Unsere Antwort: ja! Auch und gerade, weil das Boutique Spa im Windschatten vom Odilienberg so anders ist. Irre ideenreich, verwinkelt und romantisch, mit ganz viel Liebe zum Detail in der Architektur und mit einer großartigen Küche dank Marie und Cyril Bonnard, die bei einigen der berühmtesten Köche der Welt am Herd standen. Daher kochen die beiden auch nicht einfach nur gut elsässisch, aber dazu später mehr …

Unten ohne? Mon Dieu!

Denn jetzt erstmal raus aus dem Alltag und rein ins Spa. Die Basics vorweg: Klar gibt es auch hier im Elsass Sauna und Salzgrotte, Dampfbad und Ruheräume, Außenpool und Anwendungen. Aber das alles eben mit Badehose oder Bikini. Denn die Franzosen bleiben angezogen, auch in der Panorama-Sauna. Das fühlt sich anfangs merkwürdig an, und wenn man nach dem Sauna-gang in die Eiskammer geht, wo bei null Grad künstlicher Schnee aus der Decke rieselt, ist das mit der nassen Badehose auch nur so semischön. Aber gut: andere Länder, andere Sitten!

Was wir besonders genossen haben: morgens ins Yonasaya Spa! Wenn die anderen Hotelgäste noch am Frühstückstisch sitzen, schon in diesen herrlichen Pool steigen, eingefasst mit balinesischem Naturstein und hineingemeißelt ins Untergeschoss vom Le Parc. Den Whirlpool haben wir auch noch ganz für uns allein, dann noch zehn Minuten ins Hamam: So kann man mal ins Wochenende starten!

Nach dem Frühstück gehen wir nach nebenan, ins große Yonaguni Spa mit seinen
2500 Quadratmetern Fläche über drei oder vier Etagen. Als Hotelgast spart man sich die 112 Euro Eintrittsgeld und marschiert einfach im Bademantel an der Spa-Rezeption vorbei und direkt zum Wasserlabyrinth. Spa-Tasche abstellen, Bademantel an den Haken hängen und rein ins Vergnügen! Wer an deutsche Spas gewöhnt ist, dem kommt das Labyrinth vergleichsweise laut vor – aber es weckt unseren Entdeckungsgeist. Was passiert wohl, wenn wir auf diesen Knopf hier drücken? Oh! Das ist ja mal eine Massagedüse! Nicht von schlechten Eltern!

Ein Vergnügen für alle Sinne versprechen auch die sensoriellen Duschen im Obergeschoss – denn hier steht man nicht einfach unter einer Brause, hier betritt man kleine Theater mit fantasievollen Lichteffekten, passender Klangkulisse und feinen Düften. Lust auf zwei Minuten Monsun? Oh ja! Im Raum nebenan liegen wir danach auf warmen schwarzen Steinbänken und genießen einen warmen Tropenregen, ehe wir uns im Hamam von warmen Dampfschwaden benebeln lassen … Herrlich! Kein Wunder, dass wir danach auf den warmen Wasserbetten im Himalaya-Spa mit den großen Salzquadern an der Wand binnen Minuten eingeschlafen sind.

Seifenschaum und Sauce Tartare

Dabei gibt es noch so viel mehr zu entdecken: Die mit ihrem nackten Holz an Nester erinnernden Ruheinseln zum Beispiel, das türkische Bad mit der Seifenschaummassage, die Spa-Bibliothek, die sieben Suiten für Massagen und Pflegerituale, die Rooftops mit Blick auf die Vogesen. Vorher aber stärken wir uns noch mal in der Yuzu-Bar, wo das Team von Küchenchef Cyril Bonnard jeden Mittag ein Buffet auftischen lässt, das man in deutschen Wellness-Hotels sicher nicht findet. Echt gut! Und: Das Essen ist im Day-Spa-Eintritt schon inklusive.

 

Von Maxime und dem Zauber der Tiefe

Was man überall spürt: Hotelchef Maxime Wucher ließ sich beim Bau des Spas von seinen Entdeckungen und Reisen durch Asien inspirieren: Er sah hängende Pools, Onsenquellen, antike Thermen und mystische Ruinen verlassener Tempel. Tatsächlich übte die Legende von den Unterwasserruinen von Yonaguni im Ryukyu-Archipel in Südostjapan den entscheidenden Einfluss auf seine Überlegungen aus. Denn dort findet sich in 30 Metern Tiefe eine beeindruckende Anlage, die mit geometrisch angeordneten Stufen und Terrassen ausgestattet ist und wie eine versunkene Pyramide aussieht. Dieser Megalith hätte vor mehreren tausend Jahren von Menschenhand geschaffen werden können, da in Stein gehauene Inschriften vom Glauben einer verschwundenen Kultur und vom Wiederaufleben des Kontinents Mu, dem Atlantis des Pazifiks erzählen …

„Manchmal sagen uns Gäste, dass sie bei uns Ort und Zeit vergessen“, sagt Maxime später, der Gastgeber hier im Le Parc, das mit seiner insgesamt 3500 Quadratmeter großen Wellnesslandschaft als bestes Spa Frankreich gilt. Nun kann man sagen: Das ist ja auch nicht soooo eine große Herausforderung, denn die meisten Spas in Frankreich sind dann doch nicht viel mehr als Massagestudios mit kleinen Pools und den großen Namen renommierter Kosmetik-Label, aber egal. Elf Millionen hat Maxime Wucher investiert, jetzt kamen noch mal anderthalb Millionen für das Yonasaya hinzu, zudem bekommt das Hotel nach Plänen von AEA Architekten bis 2026 auch noch für 25 Millionen Euro eine neue Lobby, zwei neue Restaurants, neue Suiten und weitere 10 000 Quadratmeter Platz.

„Ich wollte heimkehren“, sagt Maxime Wucher, wenn man ihn fragt, warum er 2010 den fernen Osten gegen das nahe Obernai eintauschte. Shangri-La, Mandarin Oriental, Raffles und Fullerton, Singapur und Vietnam: alles Geschichte. Wobei: nicht ganz. Zum Tauchen fliegt er immer noch gern nach Japan oder Bali – um dann mit neuer Energie im Elsass wieder aufzutauchen. Die Familiengeschichte fortschreiben. Das nächste Kapitel in Angriff nehmen. Das Hotel aufs nächste Level heben, wie es zuvor Papa Marc und Oma Hélène gemacht haben.

Oma Hélène: eine echte Heldin

An dieser Stelle muss man ein bisschen ausholen – denn Oma Hélène würde auch als Heldin für einen Roman taugen. Wie sie als Teenager 1940 mehr als 100 Menschen auf der Flucht vor der Wehrmacht durch die Vogesen schleuste und nach Kriegsende mit dem französischen Verdienstorden ausgezeichnet wurde. Das Croix de Guerre avec Palmes – mit 18. Neun Jahre später ist diese junge Frau dann Witwe und lässt sich auch davon nicht unterkriegen. Ganz im Gegenteil. Aus dem Gasthof von Mama Marie macht Hélène erst eine kleine Pension und gemeinsam mit Sohn Marc die erste Adresse von Obernai. Bald schon steht das Le Parc für neue Ideen: Buffets in der Küche, kleine Snacks, Essen im Stehen: in den 1970er-Jahren ist das revolutionär - genau wie der erste Saunabereich, der Whirlpool und die Bowlingbahn. Für so viel avantgardistischen Geist müssen die Wuchers viel Kritik einstecken – und werden kopiert. Funktioniert eben doch, wenn man mehr zu bieten hat als Edelzwicker, Baeckeoffe und Fachwerk-Fassade …

Mit Blick auf die Familiengeschichte ist es also gar nicht so verwunderlich, dass Maxime und seine Schwester Marie das Le Parc so kosmopolitisch ausrichten: Mit dem balinesisch inspirierten Yonaguni Spa, dem Infinity-Pool im Garten, mit moderner Küche (künftig gibt es hier sogar asiatisches Streefood wie in Bangkok) und mit diesem ambitionierten 25-Millionen-Euro-Investitionsprogramm auf dem kleinen Grundstück im Ort mit Blick auf den Odilienberg. Dass es so viel einfacher wäre, einfach auf der grünen Wiese zu bauen? Zugegeben, sagt Maxime. Aber es gibt eben die Verantwortung in einem Familienunternehmen, es gab die Sehnsucht nach daheim, die Liebe zu den Eltern, zur Familie, und außerdem: „Es ist immer besser, einen kleinen Ort für sich zu haben, als einen großen nur zu managen.“

Wachsen kann das Le Parc nur qualitativ. Es geht dabei aber nicht um fünf Sterne oder eine Auszeichnung vom Guide Michelin, sondern darum, etwas Besonderes zu sein. „Ein ganz eigenes Universum mit charmanten Geheimnissen“, sagt Marie dazu. Auf jeden Fall anders als andere. Ein Stück weit traut man sich hier, den etwas altbackenen Elsass-Tourismus neu zu erfinden und mehr zu bieten als Flammkuchen, Weinprobe und mittelalterliches Städtchen. „Das Elsass ist mehr als nur Tradition“, sagt Maxime dazu, während wir in der Waydelich-Bar sitzen. „Aber das Elsass muss auch mehr sein als nur Tradition.“ Gerade, wenn man mithalten will mit der Cote d’Azur, der Normandie und den Alpen. Wenn man junge Gäste ansprechen will, die für ein Wochenende von Paris rüberkommen, aus Basel oder Lyon. Eine oder zwei Nächte, dann hat man Obernai gesehen, war einmal in jeder Sauna, hat genügend Bilder im Spa gemacht und mit den Instagram-Freunden geteilt.

 

Neulich noch bei Gordon Ramsey

Als Deutsche zücken wir erst abends unsere Handys – und zwar beim ausgezeichneten Menü von Marie und Cyril Bonnard im Signature Restaurant. Ma-
ximes Schwester ist Cheffe Patissiere, ihr Mann ist Küchenchef, und kennengelernt haben sich die beiden im Job. Aber nicht irgendwo, sondern im Team von Drei-Sterne-Koch Joel Robuchon. Vorher war sie mit Gordon Ramsey (***) in Tokio, er war bei Pierre Gagnaire (***) in Paris, gemeinsam haben sie mit Yannick Alléno das One & Only The Palm in Dubai eröffnet – und sind dann heim nach Obernai.

Entsprechend international wird aufgetischt. Man findet elsässische Klassiker auf der Karte – aber eben nicht nur. Stattdessen Wolfsbarsch mit frittierter Artischocke, Entenbrust mit Sauerkirschen, ein Tataki vom Angus Rind und Foie Gras. Die Hauptgerichte liegen um die 30 bis 40 Euro, noch empfehlenswerter ist das Fünf-Gang-Menü für 90 Euro. Unser Abend endet dann aber mit einem Risotto aus Linsen (Cyrils Signature-Dish), das so umwerfend gut ist, dass wir es gar nicht angemessen beschreiben können. Am besten also, ihr probiert es selbst einmal …

Das Le Parc in Obernai

Perfekt für ein Pärchen-Wochenende, bei man nicht nur abtauchen will: Das Le Parc in Obernai bietet Wellness ohne Nackedeis und eine sehr gute Küche. 

 

#heimat Schwarzwald Ausgabe 51 (4/2025)

Die Winterausgabe ist da – und bringt alles mit, was diese Jahreszeit im Schwarzwald so besonders macht: Glühwein an kalten Fingern, leise knirschenden Schnee und Geschichten, die wärmer machen als jede Sauna.

In dieser Ausgabe begleiten wir unseren Reporter mitten hinein in den Freiburger Weihnachtsmarkt, wo er zwischen Striebele, Schlangen und Schmunzlern Glühwein zapft, bis die Brille beschlägt. Außerdem tauchen wir ein in die neue „Marie-Mania“: Die kleine Schwarzwald-Marie reist weiter um die Welt, sorgt für Kultmomente – und für jede Menge Herzklopfen bei Sammlern.

Dazu gibt’s wie immer Genuss, Handwerk, Rezepte und jede Menge Schwarzwald zum Wegträumen. Ein Heft zum Einmummeln, Durchblättern und Dableiben.

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