Vom Kloster zum Resort: Erlenbad neu gedacht

Wo früher Franziskanerinnen beteten, ist ein Ort irdischer Freuden entstanden: Architekt Jürgen Grossmann hat das Kloster Erlenbad in ein Resort verwandelt und wir klopfen mal an die Himmelspforte ...

Text: Ulf Tietge · Fotos: Jigal Fichtner

Der Schwarzwald ist ja immer wieder für eine Überraschung gut. Wir übernachten heute in einem Kloster, hat’s geheißen, aber was da am Ortsrand von Sasbachwalden in den Himmel ragt: Das ist doch ein Schloss, oder? Mit einem wundervollen Park vornedran, einem Zaun wie am Buckingham Palace, und wenn wir uns nicht sehr irren: Da vorn steht doch ein Rolls Royce! Wir sind nur gut zehn Kilometer von Baden-Baden weg, schon klar, aber dennoch: So etwas haben wir nicht erwartet, als es hieß, dass wir heute für eine Nacht in die himmlischen Zimmer von Kloster Erlenbad ziehen sollen. Angeblich haben die beiden größten Suiten 280 Quadratmeter. Drei Schlafzimmer, zwei Bäder, eine Sauna – eine Präsidentensuite, in der man auch mit der ganzen Familie oder den besten Freunden Platz findet. Kostenpunkt: um 750 Euro die Nacht. Alles andere als ein Schnäppchen, aber nun gut: Wenn man dafür dann auch wie im Himmel schläft?

Auf den Spuren der Nonnen

Obwohl sich am Himmel heute graue Wolken ballen: Wir nehmen nicht den direkten Weg vom Parkplatz zur Himmelspforte, sondern laufen noch ein paar Schritte durch den Klosterpark. Was die alten Bäume wohl für Geschichten erzählen könnten aus den 100 Jahren, die das Kloster inzwischen steht? Wie das hier wohl mal war, als die Nonnen zu Ostern den Park noch reich geschmückt haben? Ein Journalistenkollege hat mir davon mal erzählt, ebenso von den Prozessionen zu hohen Feiertagen, den weihnachtlichen Konzerten und dem stillen Zauber, der von diesem Ort immer ausging. Denn das Erlenbad Resort mit seinen heute 45 Ferienapartments und drei großen Suiten (alles via Airbnb zu buchen) geht zurück auf das Kloster Erlenbad und die Erlenbader Franziskanerinnen, die sich hier Mitte des 19. Jahrhunderts gründeten, in den USA das große Geld machten und fortan in der ganzen Welt tätig waren. Schulen und Krankenhäuser haben die Schwestern von hier aus aufgebaut, und das sogenannte Mutterhaus war bei seiner Fertigstellung 1926 gar nicht mal unbedingt nur dazu da, den Nonnen ein Dach über dem Kopf zu sein – es war eher eine Art Hochschule für Ordensschwestern, ein Fortbildungszentrum für Franziskanerinnen.

Das Mutterhaus damals bestand aus großen Lehrsälen, einer Klosterkirche mit Kuppel, aber natürlich auch vielen, vielen Schlafräumen für die Schwestern. In den 1920er- Jahren sollen die meisten Wände noch kunstvoll bemalt gewesen sein – doch dann kamen die Nazis und das Kloster musste als eine Art Sanatorium herhalten, wo Soldaten wieder genesen sollten. Die Wandmalereien verschwanden, die prachtvollen Säle wurden nicht mehr gebraucht, stattdessen machte man aus dem Schloss Gottes eine Absteige mit unendlich vielen, kleinen Kammern. Ganz dünne Wände, sehr einfache sanitäre Anlagen, Klos in kleinen Kabuffs. Was für ein Kontrast zur prachtvollen Fassade aus Naturstein, zu den säulenbewehrten Balkonen und Arkaden. Mit anderen Worten: Außen hui – innen puh …Und heute? Das wollen wir schleunigst herausfinden, drücken die große, schwere Holztür vom Haupteingang auf – und stehen an der Rezeption neben Jürgen Grossmann. Architekt und Projektentwickler, einer mit Händchen für Gebäude mit Geschichte. In Bühl hat er Schloss Rittersbach umgebaut, in Offenburg aus dem Gefängnis das Hotel Liberty gemacht, in Lahr den Löwen zum Laufen und in Sasbachwalden den Adler wieder zum Fliegen gebracht. Kloster Erlenbad hat er vor fünf Jahren gekauft, hat sich mit seiner Frau Mila (selber Architektin und die Chefin von Grossmann Interior) an die Sanierung gemacht – und ist jetzt gerade dabei, mit Handwerkern ein Bild hinter der Rezeption auszurichten. Dass er das selber macht, spricht Bände. „Willkommen im Erlenbad Resort“, sagt Grossmann, strahlt dabei übers ganze Gesicht und lässt es sich nicht nehmen, uns persönlich zu unserer Suite zu bringen. „Auf dem Weg dahin kann ich euch noch ein bisschen durchs Haus führen und euch zeigen, was wir hier in den vergangenen Monaten auf die Beine gestellt haben. Wollt ihr?“

Aber klar, sagen wir, und schon geht’s los durch lange Gänge, die Treppe hoch, ums nächste Eck, vorbei an einer Phalanx von Türen. Wir erfahren, dass viele Stuck-Elemente originalgetreu nachgebaut wurden, dass dafür extra eine Werkstatt im Keller eingerichtet wurde, wie die alten Türen aufgearbeitet und schalldicht wurden, wie man aus Fluren Zimmer macht, und stehen plötzlich auf einem Balkon hoch oben in der Klosterkirche. „Unsere Honeymoonsuite“, erklärt uns Grossmann. Gedacht für Brautpaare vor und nach der Trauung in der Klosterkirche, die zwar lang säkularisiert ist, aber gerade deshalb wohl für freie Trauungen so gefragt ist. Schon aber geht’s weiter. Durch die Lounge, die einen mit ihrer Bar irgendwie an den großen Gatsby erinnert, an zwei Praxen vorbei und runter ins Erdgeschoss, wo skurrilerweise zwei Rinderrücken gleich gegenüber von einer Hautarzt-Praxis in ihrem Dry-Age-Kühlschrank hängen.

Nicht nur Brot und Wein

Grossmann geht schnurstracks daran vorbei, macht eine Tür auf, und wieder sind wir baff – denn wir stehen im Innenhof vor einem supermodernen Restaurant: das Abbatia. Komplett verglast, einladend möbliert, mit viel Chrom, feinem Eichenholzparkett und einer in der Raummitte angeordneten Bar, wo der heilige Josef ein Modell von Kloster Erlenbad in der Hand hält. Hier kann man es aushalten! Auf der Karte stehen Zwiebelrostbraten, Dry-Aged-Steaks und Wiener Schnitzel und eine Sekunde lang bedauern wir es, dass wir auf dem Weg zum Kloster noch eingekauft haben …

Denn aus Angst vor Wasser und Brot haben wir uns mit einer anständigen Vespertüte gewappnet. Wurst Case statt worst case, wenn man so will, und nachdem wir jetzt vom Architekten so eine exklusive Führung bekommen haben, wollen wir nicht am Tisch weiter über das Resort reden? Gesagt, getan. Für Kloster-Verhältnisse fällt unsere Vesper recht weltlich aus. Kein Niederknien, kein Vaterunser – dafür Schmalseite und Bauernbrot, Feldsalat und Speck, Schwarzwurst mit Senf und Fritz Kellers Spätburgunder-Rosé vom Kaiserstuhl. Das Ganze an einem fast fünf Meter langen Tisch mit Kerzenschein und einem digitalen Kaminfeuer über den Riesenfernseher an der Wand. Dazu der Rhythmus vom Winterregen, der von draußen an die Scheiben klopft. Wundervoll gemütlich das Ganze und irgendwie fühlt sich das Kloster in diesem Moment ein bisschen nach Trutzburg an. Was auch immer da draußen in der Welt gerade passiert, was auch immer an neuen Nachrichten gerade aufploppen mag: Wir sind gefühlt ganz weit weg vom Alltag – und das ist ein herrliches Gefühl!

Jürgen Grossmann erzählt uns derweil, wo wir uns gerade befinden. Im Musizierzimmer der Schwestern, wo man sich sonntags traf, um Geige oder Klavier zu spielen. An diese Ära erinnert heute noch die große Bühne mit dem Theatervorhang. Dahinter finden sich zwei Schlafzimmer, vis-à-vis davon unser Highlight der Suite: die Küche mit der großen Kücheninsel aus weißem Marmor. Perfekt für Küchenpartys mit Freunden, denke ich. Erst ein bisschen was brutzeln, dann mit einem Glas Wein auf die Couch und was spielen oder einfach nur quatschen: himmlisch!

Heute aber steht uns der Sinn nach etwas anderem, nachdem wir Jürgen Grossmann verabschiedet haben – denn im großen Bad steht eine Wanne frei im Raum. Goldene Armaturen, moderne Mosaikfliesen an der Wand. Schon sehr einladend. Wenn man die Wanne jetzt noch mit warmem Wasser füllt, ein paar Kerzen in den Raum stellt, leise Musik laufen lässt und für nachher noch die Sauna anwirft: Wäre das nicht göttlich? Finden wir auch …

Gesegneten Schlaf!

Noch mehr Infos zu den Ferien-Suiten, dem
Restaurant Abbatia: Erlenbad Resort

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