Mundart: über die alemannische Fasnacht

Wenn im Südwesten die Fasnacht beginnt, wird nicht nur gefeiert, sondern auch ganz eigens gesprochen. Dieses Kapitel der Mundartreihe taucht ein in die Sprache der alemannischen Fasnacht.

Text: Pascal Cames Fotos: C. Schüßler

Alle drille durch. Fasnacht! Fascht iwwerall isch ebbs los, in Schramberg geht’s da Bach da und in Rottweil gibt’s der Narrensprung. Auch anderswo stellen Spättle, Hansele un’ Häxe die Welt auf der Kopf. 

Gucke mer nach Gengenbach. Da wird am Schmotziga Donnerschdag (Pardon, das war Schwäbisch) der Schalk geweckt. In Offenburg wird noch vor dem Morgengrauen die Bohnesupp’ ausgelöffelt. Danach ziehen Trommler und Pfeifer durch’s Städtle. Nicht jeder weiß, was der Krach soll. Aber für die echten Narren sin Rämmidämmi, Schnurre, Häxeverbrännung, Hoorig, hoorig isch die Katz’ un’ Schlussrambo so wichtig wie der Bläck Fraidej für der Räscht der Wält. Keiner will das Spektakle verpassen. Nid ämol fir allis Geld uff der Wäld. Aase! 

Aber um es mal klarzustellen: Die Fasnacht gibt es nicht. Während sie im Breisgau Faasnet sagen, heißt es im Klettgau Fassnet. Angeblich heißt’s in der Ortenau Faasent oder Foosent. So steht es im Alemannischen Wörterbuch, die aber au nid alles wisse. Die studierte Simpel! So gibt es zwischen Huuse und Hasli eine unsichtbare Grenze. In Hausach sagen sie Fasent und in Haslach Fasnet. Auch in Sachen Hemdglunkerle liegen Welten. Die in Haslach renne im weißen Nachthemd rum, aber nicht in Hausach. „Mir sind rächt anzoge, man hat immer ä alter Kittel.“  In Hasli brummelt's arg. Am Donnerstagmorgen geht es los mit Katzemusik, am Nachmittag geht die Narrenmutter mit den Kindern etwas heischen, also betteln. Der Spruch geht so: „Der Metzger soll läbe, soll uns ebbes gäbe.“ War er spendabel, geht’s so weiter: „Der Metzger isch ä gueter Mo, man sieht es ihm am Schnurrbart o.“

Abends sind die Erwachsenen unter sich in der Wirtschaftsfasend. Beim Tischschnurren ziehen Maskierte durch die Kneipen und erzählen den Leuten Dinge, die sie nicht erzählt haben wollen. „Mir mache halt Fez.“ Zu den Masken sagen sie in Hasli Larven oder Schemme.

Am Sundig isch Umzug, am Mändi verlassen die Handwerker ihre Werkbänke und gehen zur Elfimess, die aber in einer Wirtschaft gefeiert wird. Apropos Alkohol. „Die Junge müsse des noch lehre.“ Die tolle Zeit endet erst Dienstag um Mitternacht, wenn die Schtraubupp (Strohpuppe) verbrannt wird. Vorher wird aber der  Fasent hinterhergebrielt (nachgeweint) – mit echten Tränen. Unvergessen ist der Emil, der als Heringsfischer durch die Wirtschaft zog. Wenn’s einen hett, dann hett se einen, die Fasent. Aber nur, wenn einem die Fasent in die Wiege gelegt wurde, was in Hausach und Haslach, Rottweil und Schramberg ganz sicher der Fall ist. „Die wo nicht mitmachen, sin halt die, wo kei Humor henn.“

#heimat Schwarzwald Ausgabe 52 (1/2026)


Wenn auf verschneite Gipfel die ersten warmen Sonnenstrahlen fallen, fühlt sich das Leben an wie ein einziger Neubeginn: In dieser #heimat-Ausgabe feiern wir den Übergang zwischen Winter und Frühling im Schwarzwald.
Wandert mit uns durch funkelnde Wälder zu urigen Hütten und Après-Ski-Spots, hebt mit den Hexen der Löffinger Fastnacht ab und blüht auf in der Lichtentaler Allee in Baden-Baden!
Lasst Euch inspirieren von Extremsportler Danny Run und Autorin Geraldine Schüle, die auf einem 500 Jahre alten Hof in Sachen Selbstversorgung experimentiert.
Ein Heimat-, Reise- und Genussmagazin für alle, die Schwarzwald, Natur und Lebensart lieben.

Weitere tolle Artikel aus der #heimat

Danny Run aus Offenburg

Warum bei Extremläufer Daniel Hernes der Kessel brennt

Extremläufer Daniel Hernes hat 26 Fernwanderwege des Schwarzwalds bezwungen – oberkörperfrei, bei jedem Wetter und mit flotten Sprüchen. Damit bewegt ...
Säfte von hübner

So gelingen gesunde Cocktails ohne Alkohol

Alkoholfrei und gesund liegt auch an der Bar im Trend. Wir haben zusammen mit Säften von hübner aus Ehrenkirchen leckere Cocktails gemixt – so wird au...
Frühling in Baden-Baden

Wie Gärtner in der Lichtentaler Allee mit Blüten malen

Der Black Forest kann auch bunt: Wenn in der Lichtentaler Allee in Baden-Baden erst die Krokusse, dann die Magnolien aufblühen, werden nicht nur Botan...
Hotel Die Reichsstadt

Zu Gast beim Koch des Jahres im Moya

Der durch die Hochgastronomie gestählte Daniel Wallenstein hat sich in das Hotel Die Reichsstadt in Gengenbach und in den Schwarzwald verliebt. Mann u...
... Kolumnen Mundart: über die alemannische Fasnacht