Schlemmen auf hohem Niveau

Im Berghotel Wiedener Eck bei Todtnau kommen Fisch- und Fleischliebhaber auf über 1000 Metern Höhe voll auf ihre Kosten

Text: Daniel Oliver Bachmann Fotos: Markus Ruf

Wanderer, kommst Du zum Wiedener Eck, liegen nicht nur etliche Kilometer hinter Dir, Du hast auch ordentlich Höhenmeter gemeistert, denn das Belchenmassiv ist ein wahrer Klotz von Berg. Dein Hunger ist groß, der Durst auch – zum Glück ist es keine Fata Morgana, die sich vor Dir auftut: Das Berghotel Wiedener Eck taucht aus dem Nebel auf, den es hier oben auf 1050 Metern nicht gerade selten gibt. 

Für die schnelle Kalorienzufuhr, und falls geschlossen, haben Marie und Lorenz Wissler als fürsorgliche Wirtsleute einen Verpflegungsautomaten vors Haus gestellt, der mit hausgemachten Wildbratwürsten punktet. Zu Öffnungszeiten geht man aber besser ins Restaurant. Das gilt auch für Autofahrer, die aus dem Münstertal kommen, aus dem Wiesental oder vom Belchen her. Drei Straßen treffen am Wiedener Eck zusammen und unzählige Wanderwege. 

Nose to Tail ohne Chichi

Alle, die es hierher schaffen, dürfen froh sein, dass es diesen Gasthof in klassischer Schwarzwald-Architektur noch gibt. Erbaut wurde das Wiedener Eck 1901. Marie und Lorenz Wissler betreiben Hotel und Restaurant in der vierten Generation. Was hier aus der Küche kam, war auch bei Lorenz' Eltern Martin und Maria schon auf hohem Niveau. Nun treibt Lorenz das Kochen mit regionalen und saisonalen Produkten sowie Wildgerichten aus der eigenen Jagd konsequent voran. Alles Wild wird von ihm „Nose to tail“ verarbeitet. 

Wir sind von der aufgeräumten Atmosphäre im Restaurant gleich beim Eintreten schon sehr angetan. Denn wir mögen es nicht, wenn man dicht an dicht sitzt; hier aber sind die Tische auch für ein romantisches Tête-à-Tête weit genug auseinander. Apropos romantisch: An diesem Abend ist es überhaupt nicht neblig, sondern sternenklar. Draußen zieht ein Vollmond über den Nachthimmel und wirft seinen hellen Lichtschein durch die großen Panoramafenster. 

Marie Wissler begrüßt uns freundlich mit einem Versucherle aus der Küche: Hauchdünner luftgetrockneter Hirschschinken, der sein ganzes Aroma zur Geltung bringt. Als ob sie wüsste, dass ein Brotfan am Tisch sitzt, gibt es hausgemachtes Bauernbrot mit Salzbutter. Ich bin schon einmal gut eingestimmt.

Die Stunde meiner Begleitung schlägt beim Hauptgang: Wolfsbarsch und Garnelen mit Pfifferlingen, Blattspinat und Risotto lassen ihr Herz in Vorfreude höher schlagen. Nun kommt es darauf an, dass aus der Vorfreude Freude wird – und das gelingt. Denn an den Tisch gelangt ein appetitlicher Mini-Turm aus Wolfsbarsch und Meeresfrüchten. Die Wolfsbarsch-Filets sind auf der Haut in Butter gebraten und munden meeresfrisch. Die Garnelen sind schön knackig. Blattspinat und Pfifferlinge schmecken, wie sie sollen: Der Eigengeschmack ist erhalten, alles ist ohne Chichi auf dem Teller angerichtet. Oder wie es Marie und Lorenz Wissler ausdrücken: Lecker, ohne nach irgendwelchen Trends zu schielen. So gibt es auch am Risotto nichts zu mäkeln: Es ist herrlich sämig, trotzdem mit Biss, und weist eine dezente Zitronennote auf. Dieser einzeln wählbare Gang aus dem Abendmenü kostet 32 Euro – da haben wir anderswo schon mehr bezahlt. 

Ich bin neugierig, was der Küchenchef in der eigenen 1200 Hektar-Jagd erlegt hat. Meine Wahl fällt auf das Wiedener Reh mit Kastanien, Waldpilzen, Moosbeeren und Semmelknödel. In Sachen Fleisch macht Lorenz Wissler so schnell keiner was vor: Der Rehrücken ist rosa gebraten und derart zart, dass mein Messer wie von selbst hindurchgleitet. Die Beilagen harmonieren super und 37 Euro sind ein reeller Preis für diesen Gang. Die Karte empfiehlt dazu einen Tempranillo, was mir aber zu duftig ist. Wenn Fleisch, dann soll nichts davon ablenken. Mit einem Spätburgunder vom Weingut Dörflinger aus Müllheim (8 Euro das Viertele) bin ich gut bedient. Meine Begleitung hat einen Rosé der Winzergenossenschaft Oberbergen gewählt (6,50 Euro), und als sie nachbestellt, ist klar: Auch sie ist zufrieden. Überhaupt dominieren auf der Karte regionale badische Weingüter, ergänzt durch den einen oder anderen ausgesuchten Wein aus Frankreich, Italien und Spanien. 

Bei der Frage Dessert oder Digestif muss ich nie lange grübeln, und auch meine Begleiterin wählt lieber den edlen Tropfen. Für mich gibt es ein Zibärtle (7,50 Euro), für sie ein feines Mirabellenwasser (4 Euro). Beides wird in stilvollen Gläsern serviert. Und so genießen wir, während von draußen der Vollmond neidisch zu uns hereinblickt … 

3,7 von 5 Sternen für das Wiedener Eck

Wie es unserem Autor und Restauranttester Daniel Oliver Bachmann in Wieden geschmeckt hat? So sieht seine Bewertung im Detail aus:

Geschmack

Wie hat das Essen geschmeckt?

Preiswürdigkeit

Wie ist das Preis-Leistungs-Verhältnis?

Speisekarte

Wie ist die Auswahl der Speisen?

Getränkekarte

Wie ist die Auswahl der Getränke?

Innovationsgrad

Gab es Neues oder Überraschendes?

Ökologie

Wie viel Wert wird auf Nachhaltigkeit gelegt?

Besonderheit

Wie einzigartig ist das Essen und/oder die Location?

Ambiente & Aufenthaltsqualität

Sitzkomfort, Stimmung, Licht, Dekoration, Sauberkeit, Toiletten?

Service

Freundlichkeit, Aufmerksamkeit und Gastfreundschaft?

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