Dieter und mein Weg zum Survival

Dieter Junker ist der Mann, der hinter der Idee der Schwarzwälder Survival Challenge steht – und er hat unseren Redakteur Thomas davon überzeugt, mitzumachen. In diesem Text erzählt Thomas, wie es dazu kam

Text: Thomas Glanzmann · Fotos: Jigal Fichtner

Von Dieter Junker erfahre ich, als mir meine Kollegin Annika zum ersten Mal von der Survival Challenge erzählt. Ob ich daran teilnehmen möchte, fragt man mich in der Redaktion. Klingt cool, denke ich – und recherchiere los. Erstes Bild: Dieter Junker mit dem Stirnband vor einem Tipi-Zelt. Und bald erfahre ich auch mehr über die Survival Challenge:

Auf die Beine gestellt hat die das Team um Dieter Junker und seine Tochter Olivia Junker aus Nordrach. Es geht – um es auf den Punkt zu bringen – ums Überleben im Wald. Genauer gesagt darum, eine ordentliche Wegstrecke hinter sich zu bringen – nur muss man diese überhaupt erst mal finden. Aber die genauen Regeln erfahre ich selbst erst bei meinem Besuch bei Dieter. „Wir müssen uns kennenlernen und per du sein“, sagt er am Telefon. „Sonst kann ich dich nicht mitlaufen lassen.“ Also gut, dann gern nach Nordrach …

Dieter hat in Nordrach sein Sägewerk in fünfter Generation. Er ist spezialisiert auf Platten, die wie OSB-Platten funktionieren, aber ohne Leim auskommen – ein Patent, das er in alle Welt verkauft. Zusammen mit Olivia hat er außerdem ein Unternehmen aufgebaut, das komfortable, teils zweistöckige Tiny Houses in Form von Tipis herstellt. Eines der größten seiner Art in ganz Europa ist auf dem Betriebsgelände aufgebaut. Daran erkenne ich auch, dass ich richtig gelandet bin hier im Nordracher Hintertal. Klingeln nicht nötig, denn Dieter ist natürlich draußen und ruft mich von der Terrasse seines Hauses zu sich nach oben den Hang hoch, als ich zuerst unten beim Sägewerk herumirre.

Von Indianern gelernt

Prüfend schaut er mich an, als ich die Treppenstufen nach oben komme, und begrüßt mich herzlich. Am Kopf trägt er das dünne, schwarze Stirnband, das mir schon bei der Internetrecherche aufgefallen war, aber eigentlich sticht es so in live gar nicht so sehr hervor. Von all dem, was Dieter von seinen Survival-Trips in Kanada mitgenommen hat, ist das wohl der geringste Teil. Die größten Schätze, die er bei seinen Touren auf Spuren des Goldrauschs geborgen hat, sind äußerlich nicht sichtbar. Das wird schnell klar, als mir Dieter und seine Frau Heike von den Expeditionen erzählen, die sie als Familie gemacht haben, und von Dieters extremen Touren von bis zu 500 Kilometern und mit bis zu 30 Kilo Gepäck auf dem Buckel. Außerdem haben sie jahrelang in den Sommermonaten als geduldete Weiße unter Indianern in dem Dorf Teslin Village im Yukon gelebt und sich gegen Bezahlung in die Jagd und in schamanische Praktiken einweisen lassen. Dass man da ein anderes Verhältnis zur Natur bekommt, glaube ich aufs Wort. Während ich noch in meine Notizen auf dem Block versunken bin, erzählen sie mir euphorisch von dem Rotmilan, der gerade über unsere Köpfe geflogen sei. Dass der jetzt Nachbars Hühner holen wird – oh, kurzes Schweigen – sei Natur. Heike und Dieter versuchen mir zu erklären, dass genauso auch Zecken zur Natur gehören und ich mir da ja nicht übermäßig Angst machen soll. Soso.

 

Bei der Survival Challenge werde ich von einem mir unbekannten Startpunkt aus 40 Kilometer Luftlinie in zweieinhalb Tagen machen und dabei zuerst einmal den Weg finden. Zuerst geht das allein mit Marschkompasszahl, ab dem zweiten Tag dann zusätzlich mit einer Landkarte. Dafür muss ich wie alle anderen 28 Teilnehmer ab dann in einem nur zwei Kilometer breiten Korridor marschieren – ob es Wege gibt oder nicht. Kontrolliert werden alle Laufrouten via GPS von Dieters ältestem Sohn Adrian und seiner Offenburger Tech-Firma Junker.

Selbst, was in den Rucksack darf, ist streng reglementiert: Schlafsack und Isomatte, ein Messer, Feuerzeug oder Streichhölzer, ein Tarp (eine Art Überzelt), Kochtopf und Gaskocher, insgesamt vier Liter Wasser, ein Hygieneset und dazu neun Pflichtgegenstände, darunter Kompass, Armbanduhr und Warnweste. Mehr nicht. Ganz schön viele Herausforderungen auf einmal also.

Obwohl ich mich noch ein bisschen anstelle wie ein Büromensch und dementsprechende Rückfragen stelle, glaubt Dieter alles in allem, dass ich das Ziel in der vorgegebenen Zeit erreichen werde. „Es kann alles passieren“, sagt er. „Auch ich bin auf meinen Touren schon umgekehrt und wenn es dir so gehen sollte, ist das keine Niederlage. Andererseits bist du aber fit und könntest auch als Erster ins Ziel kommen. Ich werde dir jedenfalls einen ehrgeizigen Teamkollegen zuteilen, der Vollgas gibt.“

Ich bin darauf vorbereitet und mache mir erstmal keine Gedanken. Wie das Wandern wird, sehe ich dann. Und Ihr könnt es im vollständigen Erlebnisbericht nachlesen! 

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