Bikepackerin Wiebke Lühmann: Das Abenteuer im Gepäck

Die Freiburger Influencerin verbreitet den neuen Radtrend Bikepacking. Im Schwarzwald trainiert sie für Touren weltweit

Text: Joshua Kocher Fotos: Rémy Vroonen

Bevor Wiebke Lühmann aufbricht, um mit ihrem Mountainbike die Berge der Alpen zu überqueren, strampelt sie auf Schotter durch das Bohrertal bei Freiburg. In ihrem Rücken werden die Häuser der Stadt immer kleiner, vor ihr erhebt sich der Schauinsland, durch die Fichtengiebel am Wegesrand dringt das Nachmittagslicht.

Am Fahrrad hat Wiebke schon die Gepäcktaschen für den Alpentrip festgezurrt. In einer Tasche am Lenker stecken Zelt, Proviant, Wertsachen. In der Satteltasche Wechselkleider, Schlafsack, Isomatte. Sie plant, mit ein paar Freundinnen ab München die Pässe zu erklettern und dann runter nach Mailand zu rollen. Alles Content für die 75 000 Follower ihres Instagram-Accounts @wiebkelueh. Mit diesem hat sich die 29-jährige Freiburgerin zu einer der bekanntesten Influencerinnen für Bikepacking entwickelt, der Off-Road-Reise mit dem Fahrrad. Sie verkörpert die Sehnsucht nach wilder Natur, nach Freiheit, nach einem einfachen Leben im Takt der Pedale.

Bikepacking: Freiheit auf zwei Rädern

An diesem Abend will sie im Schwarzwald testen, ob sie bereit für ihre Alpenüberquerung ist. Denn sie fühlt sich nicht ganz fit. Sie hat dafür ihre Lieblingsrunde gewählt, von Freiburg hoch auf die 600 Meter hohe Luisenhöhe bei Horben und dann wieder runter. Perfekt, findet sie, nur eine kurze Fahrt von Freiburg aus, und schon steht man vor Schwarzwaldhöfen und kann durchatmen.

Der Anstieg. Auf Wiebkes Radtrikot bilden sich erste Schweißflecken. Während sie ihr Mountainbike steuert, erzählt die 29-Jährige, warum sie das Fahrrad so liebt. Sie nennt es: die ultimative Freiheitsmaschine. Man kommt an Orte, an die Autos nie kommen. Ist unmittelbar mit der Natur verbunden. Spürt seinen Körper. „Beim Radfahren merke ich, wie unglaublich weit meine eigene Kraft mich tragen kann“, sagt Wiebke. „Das macht mich unabhängiger und selbstbewusster.“

2019 hat sich die Abenteurerin in Südamerika erstmals an das noch junge Phänomen Bikepacking gewagt. Das hat seinen Ursprung in den mehrtägigen Radrennen wie dem Race Across America. Dabei rasen die Fahrer tagelang durch die Wildnis und müssen alles, was sie zum Überleben brauchen, möglichst windschnittig an ihrem Fahrrad befestigen. Nach und nach schwappte diese Art zu reisen in den Mainstream über. 

Quer durch den Schwarzwald

Der Schwarzwald eignet sich besonders gut dafür: die vielen Waldwege, die Aussichten, die Seen. An kaum einem anderen Ort sind die Radstrecken so vielfältig. Längst sind auch hier einige Mehrtagestouren zum Bikepacken ausgeschildert. Die längste ist der Schwarzwald-Radweg, der analog zum Westweg über 375 Kilometer von Karlsruhe über Baiersbronn, das Kinzigtal und Neustadt bis nach Lörrach führt. Die Touren beginnen meistens dort, wo klassische Radwanderstrecken aufhören. Sie führen über Schotterpisten, Waldpfade und Mountainbike-Trails. Am besten eignen sich dafür Gravelbikes, geländegängige Rennräder mit breiteren Lenkern und Reifen. Das Gepäck für die Touren befestigen Bikepacker kompakt in Taschen unter dem Sattel, am Rahmen und am Lenker. Die Herausforderung ist, so wenig Gepäck wie möglich dabei zu haben und doch genug für Mehrtagestouren. Am beliebtesten ist die Übernachtung in der freien Natur. Doch weil das in Deutschland größtenteils verboten ist, greifen Bikepacker oft auf Vermittlungsplattformen wie MyCabin oder auf Campingplätze zurück.

Wiebke Lühmann fuhr auf ihrer ersten großen Bikepacking-Tour in sieben Monaten mehr als 7000 Kilometer durch Südamerika. Sie postete Fotos von der peruanischen Hochebene, von aus-getrockneten Flussbetten in Kolumbien und der bolivianischen Salzwüste. Bald folgten ihr mehr als 10 000 Menschen auf Instagram.

In Vollzeit unterwegs

Eigentlich hatte Wiebke Lehrerin werden wollen. Bis zu der Nachricht einer italienischen Fahrradmarke. Ob sie nicht Lust auf eine Kooperation hätte? Sie schickten ihr einen Jahresvertrag und ein Fahrrad. Bald darauf zog Wiebke nach Freiburg. Der Schwarzwald, die Nähe zum Elsass und zur Schweiz, der ICE-Bahnhof, all das lockte sie in den Süden. „Die Stadt ist für mich der perfekte Mix aus Natur, Erreichbarkeit, Familie und Freunden“, sagt die begeisterte Weltenbummlerin, die seit dem Frühjahr Vollzeit als Influencerin arbeitet. „Und außerdem kann man hier so gut radfahren wie sonst nirgendwo in Deutschland.“ Vor allem im Schwarzwald mit seinen Anstiegen, etwa am Kaiserstuhl oder im Markgräflerland. 

Ready to Roll!

Die letzten Meter hoch auf die Horbener Luisenhöhe gibt die junge Frau nochmal Gas. Sie kennt einen Aussichtspunkt, von dem man die ganze Rheinebene überblickt, da sprintet sie nun fast hin. Ein paar hundert Meter weiter hält die Bikepackerin an und schießt ein Foto von der Aussicht. Sie grinst.

Am Ende ihrer Trainigstour rast Wiebke runter ins Hexental, vorbei an Schwarzwaldhöfen und Schafen zurück nach Freiburg. Als unten die Sonne durch die Wolken bricht, jubelt sie. Ist die Radfahrerin nun bereit für ihre Alpenüberquerung? Die Chancen stehen 50:50, sagt sie. Am nächsten Morgen postet Wiebke ein Video in ihre Instagram-Story. Darauf sieht man sie durch den ICE nach München laufen. Sie filmt das Fahrradabteil. „Auf ins nächste Abenteuer“, schreibt sie darüber.

Ihr wollt selbst mal bikepacken? Fünf der besten Touren im Schwarzwald haben wir euch hier zusammengestellt.

Tipps fürs Bikepacking

Für Bikepacking-Touren ist ein geländetaugliches Fahrrad – etwa ein Mountainbike oder ein Gravelbike – unerlässlich. Das Gepäck für die mehrtägigen Strecken befestigt man möglichst windschnittig in fürs Bikepacking konzipierten Taschen am Sattel, Rahmen und Lenker. Jeder mitgenommene Ausrüstungsgegenstand sollte möglichst klein, leicht und gut zu verstauen sein. Auf der Packliste stehen Ultraleichtzelt, Schlafsack, Isomatte, Campingkocher, Feuerzeug, Geschirr, Hygieneartikel, Wechselkleider, Trinkflasche, Verpflegung, Flickwerkzeug und Fahrradpumpe. Naturnahe Spots zum Übernachten findet man unter mycabin.eu oder man bucht ein One Night Camp: www.one-night-camps-schwarzwald.info

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